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Nettetal: Am Krankenbett darf gelacht werden

Nettetal : Am Krankenbett darf gelacht werden

Seit einem Jahr arbeitet Raphaela Ernst als Seelsorgerin im Nettetaler Krankenhaus. In Gesprächen ist sie für Patienten, Angehörige und Mitarbeiter der Klinik da. Sie gehört auch dem interdisziplinären Palliativteam des Hauses an.

Nur noch wenige Tage: "Die meisten Patienten hier im Krankenhaus sind jetzt schon beseelt davon, rechtzeitig vor dem Weihnachtsfest nach Hause zu kommen", sagt Raphaela Ernst. Von der Krankenhausseelsorgerin erwarten viele Unterstützung in ihrem Weihnachtswunsch, doch sie bleibt zurückhaltend: "Ich kann das verstehen, und ich zerstöre keine Hoffnungen, aber ich schaffe auch keine Illusionen", sagt sie überlegt. Seit rund einem Jahr arbeitet Raphaela Ernst als Seelsorgerin im Städtischen Krankenhaus Nettetal.

Nicht nur in den Tagen vor Weihnachten tragen ihr Kranke Anliegen und Wünsche, Sorgen und Nöte vor. "Dafür bin ich ja da. Ich bin da für die Patienten, aber auch für ihre Angehörigen und für die Mitarbeiter hier im Haus", umschreibt Ernst ihren Aufgabenbereich. Als Seelsorgerin ist sie eingebunden in die Versorgung der Patienten. Sie gehört außerdem zum interdisziplinären Palliativteam: "Die Betreuung von Kranken hört nicht mit der medizinischen Behandlung auf", betont sie. Im Gegenteil.

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Wenn die Lebenserwartung durch eine Diagnose über den Haufen geworfen wird, wenn ein Unfall Pläne verpuffen lässt, wenn Gebrechlichkeit den Tatendrang abwürgt, dann tauchen sie die Fragen nach dem Sinn auf. Fragen nach dem Warum, vielleicht auch nach dem Jenseits, das bisher kaum eine oder gar keine Rolle spielte. Die Seelsorgerin ist da gefragt, wo kranke Menschen mit dem Schicksal hadern oder Trost im Glauben suchen. "Natürlich geht es um Grenzerfahrungen, um Sinnfragen. Allerdings bin ich als Seelsorgerin nicht allein für die schweren Stunden der Menschen zuständig", stellt Ernst klar.

Geduldig ist sie im Gespräch und freundlich, die kurzen lockigen Haare und die Ohrringe haben etwas Verspieltes. Der Klang ihrer Stimme und ihr Ausdruck wirken sogleich beruhigend. Sie lächelt häufig, und sie lacht oft mit rheinischer Fröhlichkeit: "Bei mir wird viel gelacht, auch am Krankenbett." Nach Positivem schauen, den Blick für Schönes bei allem Schlimmen offen halten - das könne Zuversicht und Mut bewirken.

Gespräche mit den Mitarbeitern auf den Stationen, mit Patienten, mit Angehörigen gehören zum Alltag der Seelsorgerin. Sie leitet den Wunsch von Patienten nach dem Empfang der Krankenkommunion weiter. Sie zündet morgens in der Krankenhauskappelle Kerzen an: "Die Kapelle ist ein wunderbarer Ort der Stille. Er wird viel besucht, ich bin selbst gern da." Ruhe finden, auftanken, Kraft schöpfen - auch das braucht eine Seelsorgerin, etwa wenn sie miterleben muss, dass eine junge Patientin stirbt: "Ich hätte den falschen Beruf, wenn mir das nicht nahe ginge."

Ihren Beruf übt sie gern aus: "Wer kann das schon von sich sagen, dass er eine sinnvolle Arbeit hat", lächelt Raphaela Ernst. Helfen, zuhören können, für andere da sein - das mache diesen Sinn ihrer Tätigkeit aus: "Ich glaube, die Menschen spüren, dass ich mich mit meiner Lebenserfahrung einbringe und nicht einstudierte Methoden umsetze", führt die Theologin aus. Abschalten könne sie aber schon gleich nach Feierband auf der Heimfahrt, den nötigen Ausgleich finde sie bei einem Opernbesuch.

Und wenn es Raphaela Ernst doch mal nicht gelingen sollte, den Kopf, das Herz frei zu kriegen etwa von einer anrührenden Begegnung mit einem Schwerkranken, dann suche sie Halt im Gebet: "Ich sage dann, lieber Gott, das sind deine Kinder, nicht meine!" Denn die Seelsorgerin braucht Energie und Kraft auch für die Tage nach Weihnachten: "Viele der Patienten, die über die Feiertage nach Hause dürfen, sind dann wieder da, dann herrscht Hochbetrieb."

(jobu)