1. NRW
  2. Städte
  3. Nettetal

Nettetal: Schokoticket kommt die Stadt teuer

Nettetal : Schokoticket kommt die Stadt teuer

Die Zahl der Schüler, die mit dem Fahrrad um Unterricht fahren, wird sinken.

Jugendliche hatten das "Schokoticket" zu ihrem Thema im Kommunalwahlkampf gemacht. Jetzt, knapp ein halbes Jahr später, beriet der Schul- und Sportausschuss erneut über diese Form der Mobilitätsförderung durch die Stadt. Es zeichnet sich ab, dass Nettetal auch weiterhin kein Schokoticket für seine Jugend lösen wird.

Zurzeit klafft zwischen Einnahmen und Ausgaben im Haushalt der Stadt ein Loch von gut 2,6 Millionen Euro. Die Neigung der Politik, das Füllhorn kostspieliger Wohltaten über die Bürger auszuschütten, ist daher ausgesprochen begrenzt. Im Stadtgebiet leben aktuell 1090 Schüler, die sich die Schülerfahrkosten erstatten lassen. Es gibt darüber hinaus weitere Schüler, die auf diesen Anspruch verzichten.

Statt des Schokotickets, das für Schüler bis zu 27 Jahren gilt und in einem sehr weiten Bereich des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr gilt, erstattet die Stadt nur Kosten für das Young Ticket Plus, dessen Geltungsbereich geringer ist als das Schokoticket - und entsprechend günstiger.

Nach Angaben der Stadt nutzen 690 Kinder und Jugendliche dieses Young Ticket Plus. Weitere 130 Schüler fahren bei "gutem" Wetter mit dem Fahrrad zur Schule und nutzen sonst auch den Bus. Rund 270 Kinder verzichten ganz aufs Busfahren und radeln bei Wind und Wetter zur Schule und zurück. Dafür zahlt die Stadt ihnen eine "Entschädigung", die gerade erst von sechs auf acht Cent pro Kilometer angehoben wurde.

  • Nettetal : Defizit von 2,8 Millionen Euro für den Haushalt
  • Schulbetrieb unter Pandemiebedingungen - mit Lollitests.
    Wie es in NRW in den Schulen weitergeht : Zahl infizierter Schüler deutlich gesunken
  • Heinz-Peter Meidinger ist der Präsident des
    Schule und Corona : Lehrerverband rechnet mit Regelbetrieb nach den Sommerferien

Zur Vorbereitung auf die Diskussion im Ausschuss hatte die Stadtverwaltung bei Nachbargemeinden angefragt, wie sie mit der Schülerbeförderung umgehen. Sehr aufschlussreich waren die Informationen dort nicht, weil jede Kommune offensichtlich andere Vertragsinhalte zum Schokoticket vereinbart hat. Beunruhigend aus Sicht der Stadt Nettetal ist auch, dass die Zahl der Schüler, die mit dem Fahrrad die Schule besuchen, in Schokoticket-Kommunen extrem gering ist. Die Verlockung, mit dem Schokoticket nach Unterrichtsende in benachbarte Großstädte fahren zu können, überwiegt offenbar die Lust am unabhängigen Radeln. Es sei zu befürchten, dass die Zahl der mit dem Rad fahrenden Schüler drastisch sinkt, falls das Schokoticket eingeführt wird, meint die Verwaltung.

Die Kosten sind ebenfalls beachtlich. Das Schokoticket kostet monatlich 9,50 oder 105 Euro jährlich pro Schüler mehr als das Young Ticket Plus. Das macht eine zusätzliche Belastung des städtischen Haushalts "im sechsstelligen Eurobereich" aus und würde vermutlich auch jene Schüler noch anlocken, die bisher auf Erstattungen verzichten.

Da sei nun wohl abzuwägen, was wünschenswert und was wirklich notwendig sei, meinte Jürgen Boyxen (CDU).

(RP)