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Nettetal: Mit chemischer Keule gegen den Bärenklau?

Nettetal : Mit chemischer Keule gegen den Bärenklau?

Die gefährliche Herkulesstaude hat sich immer mehr im Stadtgebiet ausgebreitet und beschäftigte jetzt den Umwelt- und Klimaausschuss.

Gefahren drohen vor allem Kindern: "Möglich sind Vergiftungen, heftige allergische Reaktionen und Verbrennungen zweiten, ja sogar dritten Grades", mahnte Susanne Fritzsche. Die Technische Beigeordnete warb im Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz dafür, die gefährlichen Herkulesstauden zumindest an Schul- und Radwegen mit Pflanzenschutzmitteln zu bekämpfen. Doch die Politiker wollen sich erst selbst ein Bild machen.

"Die Herkulesstaude ist ein Sauzeug, aber Pflanzenschutzmittel sind auch Sauzeug", erklärte Florian Witter. Mit dem Einsatz von Chemie könne sich der Ausschuss nicht anfreunden, die Giftpflanzen wolle man auch nicht stehen lassen. Witter plädierte für "ein vernünftiges Gesamtkonzept". Das dauere zu lange, warnte Fritzsche.

Heike Meinert vom Grünflächenamt stellte die auch als Riesenbärenklau bekannte Pflanze mit den weißen Doldenblüten vor. Sie breite sich aus, wuchere und werde mehrere Meter hoch. "Berührungen können Allergien auslösen, in Verbindung mit Sonnenlicht wirkt der Pflanzensaft auf der Haut phytotoxisch, es bilden sich schlimme Blasen wie bei Verbrennungen." Höchst gefährlich sei das für zarte Kinderhaut.

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Gefährdet sind laut Meinert auch Erwachsene: "Die Mitarbeiter vom Bauhof müssen Schutzkleidung tragen, wenn sie die Pflanze bekämpfen." Der Bauhof versuchte bisher, die Pflanzen wegzuschneiden und auszureißen. Doch das bringe keinen Erfolg: "Die Samen breiten sich zu schnell durch Wind oder Wasser aus, etwa an Bächen." Einziger Ausweg: Der Einsatz von chemischen Mitteln, die vom NRW-Pflanzenschutzamt zugelassen sind.

Die Herkulesstaude wächst unter anderem am Bahnhof Breyell, am Dellerweg in Leuth oder am Wasserturm in Lobberich. Das Ordnungsamt habe schon Privatleute aufgefordert, die Stauden auf Brachen und Baugrundstücken zu entfernen. Eine Entscheidung über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln müsse jetzt im Winter fallen, hieß es seitens der Verwaltung. Denn die Herkulesstaude treibe im Frühjahr eher und schneller aus als heimische Pflanzen: "Ab April, Mai kann es zu spät sein, und dann kriegen sie auch keine Firma mehr, deren Leute die Pflanzen mit den chemischen Mitteln bestreichen", stellte Fritzsche klar. Die Mitarbeiter des Bauhofs dürften da nicht ran: "Unsere eigenen Leute haben keine Sachkundenachweise für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln."

Der Ausschuss allerdings beschloss, erst in seiner nächsten Sitzung im März das künftige Vorgehen zu entscheiden. Bis dahin soll die Verwaltung detailliert auflisten, an welchen Stellen und auf wie großen Flächen die Herkulesstaude bekämpft werden muss. Zudem will er sich vorher an Ort und Stelle ein Bild machen, ehe er über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln entscheidet. Susanne Fritzsche ist damit keineswegs glücklich: "Was ist, wenn wirklich einem Kind was passiert? Sagen wir dann, wir wollten erst mal gucken?"

(jobu)