E-Center in Moers: Landwirt beklagt Flächenfraß

E-Center in Moers: Landwirt beklagt Flächenfraß

Heinz-Peter Leimkühler, Chef eines Agrarbetriebs im Moerser Norden, verliert mehr als zehn Hektar Land. Auf Edeka lässt er nichts kommen. "Die geben sich alle Mühe, Ersatz zu beschaffen." Aber landwirtschaftliche Flächen seien knapp.

Dass sich der Bau des Nahversorgungszentrums Utfort verzögert, hat für Heinz-Peter Leimkühler sein Gutes. Der Landwirt darf die Grünflächen in Utfort, auf denen die neue Edeka-Verwaltung samt E-Center und Mall entstehen soll, in diesem Jahr noch bewirtschaften. Und dann? Vermutlich werde er Futter für seine Tiere kaufen müssen, was teuer werde. Alternativ müsse er die Zahl seiner Tiere reduzieren; für den Landwirt auch keine rosigen Aussichten.

Auf seinem Hof an der Wefortstraße zieht Leimkühler Tiere für Milchviehbetriebe. Auf den Flächen in Utfort, insgesamt 10,7 Hektar Land, baut er Futter an. Früher pachtete er das Land bei der RWE Dea, seit zwei Jahren beim neuen Besitzer Edeka. Auf das Unternehmen lässt der 55-Jährige nichts kommen. "Die geben sich alle Mühe, Ersatzflächen für mich zu beschaffen." Aber Ackerland in der Region sei knapp, und es werde durch Straßen- und Wohnungsbau immer knapper. Nicht nur die Baumaßnahmen selbst bedeuteten einen erheblichen "Flächenfraß", durch die vorgeschriebenen Ausgleichspflanzungen gehe weiteres Land verloren.

Ursprünglich sollte das neue E-Center an der Rheinberger Straße bereits Ende 2018 eröffnet werden. Wie der aktuelle Zeitplan aussieht, dazu kann Edeka-Pressesprecher Gerd Koslowski derzeit nichts sagen. Eine Fertigstellung des Nahversorgungszentrums vor 2020 scheint aber unwahrscheinlich. Gerade hat der Rat der Stadt die Änderung des Flächennutzungsplans beschlossen. Die Bezirksregierung muss dem noch zustimmen, aber dies ist eine Formalie. Was jetzt noch aussteht, ist der Bebauungsplan sowie ein städtebaulicher Vertrag. Stadt und Edeka sind noch dabei, Planungsdetails abzustimmen. Der Gestaltungsbeirat ist involviert. Es geht zum Beispiel um die Fassadengestaltung. Das Verfahren sei komplex, alle Seiten strebten eine hohe städtebauliche Qualität an, sagt Stadtsprecher Thorsten Schröder. Er geht davon aus, dass der Rat in seiner Juli-Sitzung einen Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan fasst. Danach könne Edeka den Bauantrag einreichen.

Anwohner der Rheinpreußen- und Wittfeldstraße möchten bei dem laufenden Verfahren mitreden. "Uns wurde ein Mitspracherecht bei der Landschaftsplanung versprochen", sagt Karin Walter von der Anwohnerinitiative. Ein Park soll das Nahversorgungszentrum säumen. "Durch eine richtige Begrünung können wir eine Menge Schallschutz erreichen", sagt Walter, die selbst Architektin ist. Der Lärmschutz ist (neben der Verkehrsführung) für die Nachbarn ein zentrales Thema. Es müsse sichergestellt werden, dass die angekündigten Verwaltungsgebäude im Süden des Areals wirklich gebaut werden. "Das ist unsere Schallschutzmauer." Großen Wert legen die Anwohner auch darauf, dass eine in Höhe der Verwaltungsgebäude (gegenüber der Jockenstraße) geplante Zufahrt für den Kundenverkehr gesperrt wird. Walter: "Ein bloßes Schild reicht dort nicht aus. Wenn die Kunden den Schleichweg erstmal entdecken, dann nutzen sie ihn auch."

(RP)