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Baudezernent Andreas Wurff: Fußgängerzone: Busse nur noch bergauf

Baudezernent Andreas Wurff : Fußgängerzone: Busse nur noch bergauf

Baudezernent Andreas Wurff erklärt im Interview, wie es mit den Bussen auf der Hindenburgstraße weitergehen soll, was er gegen die Staus auf der Bismarckstraße tun will und warum es vor 2017 keinen Verkehrsentwicklungsplan geben wird.

Die Verkehrssituation auf der Bismarckstraße ist schon jetzt problematisch. Zeitweise staut sich der Verkehr über mehrere hundert Meter. Dreht sich dort, wenn die Stepgesstraße geschlossen ist und die Minto-Besucher kommen, kein Rad mehr?

Andreas Wurff Die Bismarckstraße wird von ihrer Verkehrsbelastung her ein Nadelöhr bleiben, aber der Verkehr ist abwickelbar, das sagen uns alle Gutachter. Die entsprechenden, zum Teil noch zu realisierenden Maßnahmen sind im Zuge und im Nachgang der Baurechtsschaffung für das Minto schon beschlossen. So wird beispielsweise der Parkstreifen zwischen der Steinmetzstraße und dem Bismarckplatz wegfallen. Bisher behindern die ein- und ausparkenden Fahrzeuge den nachfolgenden Verkehr so erheblich, dass eigentlich immer nur eine zügig befahrbare Fahrspur zur Verfügung steht. In Zukunft wird der Verkehr dann wie geplant auf beiden Fahrbahnen fließen können. Auch die Verkehrsführung am Bismarckplatz wird derzeit überdacht, da die gegenwärtigen Abbiegemöglichkeiten ebenfalls zu Staus auf der Bismarckstraße beitragen.

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Die Breitenbachstraße wird auch nicht fertig sein, wenn das Minto im März 2015 eröffnet wird.

Wurff Nein, wir werden nicht zeitgleich fertig werden. Wir beginnen jetzt als erstem Bauabschnitt mit der Tieferlegung des Straßenzuges unter der Bahnbrücke. Das ist der wichtigste Teil, den die Stadt auch eigenständig finanziert. Der Rest, nämlich der vierspurige Ausbau der Breitenbachstraße bis hin zur Korschenbroicher Straße, ist förderfähig, weil er zu einer Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in diesem Stadtteil beiträgt. Seine Realisierung ist unmittelbar anschließend in einem zweiten und dritten Bauabschnitt vorgesehen.

Was geschieht mit den Bussen auf der Hindenburgstraße? Sollen auch nach der Eröffnung des Minto 900 Busse täglich über die Einkaufsstraße und den neu zu gestaltenden Platz vor dem Sonnenhaus fahren?

Wurff Es gibt mehrere Modelle, die wir zurzeit gemeinsam mit den Verantwortlichen der NEW im Zuge der Neuaufstellung des Nahverkehrsplanes entwickeln. Neben stadtgestalterischen Aspekten fließen hier natürlich auch die Belange einer reibungslosen und komfortablen ÖPNV-Bedienung mit ein. Im Rahmen der Diskussion machbarer Varianten einer neuen Streckenführung wird unter anderem auch die Möglichkeit geprüft, Busse die Hindenburgstraße nur bergauf fahren zu lassen, bergab würden sie dann die Steinmetzstraße nehmen. Das hätte den Vorteil, dass die Busse immer auf der richtigen Ein- und Ausstiegsseite halten könnten und die Fahrgäste nicht die Steinmetzstraße überqueren müssten. Gleichzeitig würde so der Busverkehr auf der Hindenburgstraße halbiert und nur noch eine Fahrbahn benötigt. Eine Passage über den neuen Platz vor dem Sonnenhaus muss für den Anlieger- und Lieferverkehr sowie für Rettungskräfte ohnehin offengehalten werden.

Das Pflaster auf der Hindenburgstraße ist in katastrophalem Zustand. Wird die Straße im Zuge der Platzgestaltung asphaltiert?

Wurff Ohne die Bauarbeiten am Minto wäre der Fahrbahnbereich der Hindenburgstraße längst neu asphaltiert worden. Die Ausführung dieser fraglos notwendigen Maßnahme ist jedoch solange nicht sinnvoll, solange der Baustellenverkehr noch über die Hindenburgstraße geführt werden muss. Jetzt werden wir hierfür voraussichtlich das Zeitfenster der Sperrung der Hindenburgstraße nutzen, das für die Realisierung des Platzes vor dem Sonnenhaus ohnehin benötigt wird.

Wann wird der Platz gestaltet?

Wurff Die Stadt ist laut Vertrag mit dem Investor Mfi verpflichtet, den Platz ein Jahr nach Räumung der Fläche des derzeitigen Vis-à-Vis erstellt zu haben. Das wäre voraussichtlich im Sommer 2016. Und dieser Zeithorizont ist auch realistisch. Wir werden am 4. Juni 2014 die Ergebnisse des Wettbewerbs zur Gestaltung des Platzes vorgestellt bekommen, um daraus den besten Entwurf auszuwählen. Nach Bestätigung durch den Stadtrat werden wir dann zügig in die weitere Planung einsteigen. Nach Ausschreibung der Arbeiten kann dann ab Sommer 2015 mit der Ausführung begonnen werden.

Der Rheydter Marktplatz wird Ende August eröffnet. Jetzt gibt es Diskussionen um die Haltbarkeit des dortigen neu verlegten Pflasters. Glauben Sie, dass es da wieder Probleme geben wird?

Wurff Das werde ich häufig gefragt und ich kann nur immer wieder darauf hinweisen, dass die dort gewählte Pflasterung bei fachgerechter Verlegung eine altbewährte und robuste Art ist, solche Plätze zu bauen. Wir haben uns durch entsprechende Herstellergarantien abgesichert und gehen davon aus, dass dieses Pflaster für die vorgesehene Nutzung geeignet ist. Das Potenzial des neugestalteten Rheydter Marktplatzes könnte durchaus auch Anlass geben, selbstbewusst darüber nachzudenken, ob hier nicht auch zusätzlich prägende, niveauvolle Nutzungen etabliert werden könnten.

Die Entwicklung der City Ost beschäftigt Sie seit langem. Jetzt scheint alles darauf hinauszulaufen, dass die Stadt in ernste Kaufverhandlungen mit Aurelis, dem Grundstückseigentümer, einsteigt. Wie groß sind die Einigungschancen?

Wurff Um letztlich Herr des Geschehens in einem wesentlichen Teilbereich der City Ost zu werden, die Ziele des Masterplans für diesen Bereich umsetzen zu können und gleichzeitig Entschädigungsansprüche des Grundstückseigentümers ins Leere laufen zu lassen, ist es sinnvoll und wahrscheinlich auch notwendig, das Grundstück zu kaufen. Aurelis ist nach wie vor bereit, an die Stadt zu verkaufen, vielleicht kauft aber auch ein Dritter zu dem im Masterplan vorgegebenem Nutzungszweck. Ebenso muss man über die Zukunft des Metro-Grundstücks, das an den Roller-Markt grenzt, nachdenken. Dort würde unter anderem das von den Masterplanern vorgeschlagene Gladbach-Tal verlaufen. Hier könnte die Stadt relativ zeitnah imagebildende Qualitäten aufbauen, die sich positiv auf die Entwicklungsmöglichkeiten der gesamten City Ost auswirken würden.

Es gibt immer noch keinen Verkehrsentwicklungsplan, kein Radwegekonzept, jetzt immerhin den Entwurf eines Lkw-Routenplans. Kann man so stückwerkhaft überhaupt zu vernünftigen Ergebnissen kommen?

Wurff Die Planinhalte hängen voneinander ab und dass es kein übergeordnetes Konzept, keine Grundausrichtung gibt, ist ein Problem. Eigentlich wäre es sinnvoller, einen Verkehrsentwicklungsplan zu haben und daraus die nachgeordneten Konzepte zu entwickeln. Da es aber keinen beschlossenen VEP gibt, gehen wir jetzt notgedrungen den anderen, den pragmatischen Weg und erarbeiten vorgezogen sektorale Fachkonzepte, wie das LKW-Routenkonzept, das seitens der Wirtschaft dringend benötigt wird. 7,7 Millionen wird die Umsetzung kosten, und ich hoffe sehr, dass es nach seiner Einbringung jetzt im nächsten Ratszug beschlossen werden wird. Es wäre jedoch schön, wenn der nächste Rat die Kraft besäße, einen VEP zu beschließen, der eine klare Zielvorgabe für alle weiteren Entwicklungen enthält.

Wann könnte denn ein VEP frühestens fertig sein? Es müssten doch neue Daten erhoben werden.

Wurff Das Basis-Datenmaterial müsste sicher aktualisiert und zumindest teilweise neu bewertet werden. Falls die notwendigen Ressourcen hierfür zur Verfügung stehen, könnten die Daten Ende 2015 vorliegen. Darauf aufbauend würde dann das Konzept in intensiver Abstimmung mit den zuständigen Gremien sowie der Bürgerschaft entwickelt werden. Nach vorsichtiger Schätzung könnte es dann 2017 zur Beschlussfassung eingebracht werden.

Sie haben die große Zahl unbesetzter Stellen öffentlich beklagt. Daraufhin bat sie OB Bude gemeinsam mit Personaldezernent Schnaß zum Krisengespräch. Hat sich das verbessert?

Wurff Alle Stellen sind zur Wiederbesetzung frei gegeben worden und befinden sich derzeit im Besetzungsverfahren. Leider müssen manche Stellen mehrmals ausgeschrieben werden, weil sich keine geeigneten Bewerber finden. In einigen Bereichen trifft uns der Fachkräftemangel spürbar. Um die immer komplexer werdenden Projekte professionell steuern zu können, brauchen wir vor allem Personal mit Erfahrung, auch, um die Bauherrenfunktion bei oft sehr teuren Vergaben verantwortungsvoll ausüben zu können. Aber es gibt auch Lichtblicke. Die Stelle des Mobilitätsbeauftragten wird in Kürze besetzt werden können, und die Erstellung eines Radwegekonzepts wird zu seinen ersten Aufgaben gehören.

RALF JÜNGERMANN, DIETER WEBER, JAN SCHNETTLER UND ANGELA RIETDORF FÜHRTEN DAS GESPRÄCH.

(RP)