Mönchengladbach: Einbrechern keine Chance geben

Mönchengladbach : Einbrechern keine Chance geben

451-mal wurde im ersten Halbjahr im Stadtgebiet eingebrochen. Das bedeutet eine Steigerung von knapp 14 Prozent. Die Gladbacher Polizei reagiert mit zusätzlichen Streifen und mehr Information. Gerade wurde ein Pilotprojekt gestartet.

Heike Moll ist bei der Mönchengladbacher Kriminalpolizei für den Opferschutz tätig. Täglich wertet sie den Lagebericht aus. Wurde aktuell in einem Viertel mehrfach eingebrochen, macht sie sich zusammen mit Kollegen in Polizeiuniform auf den Weg dorthin. In Giesenkirchen und Westend waren schon solche Einsätze. Die Beamten sprachen dort mit Anwohnern und Passanten. Es ging um Einbruchsschutz und Aufmerksamkeit und um mögliche Hinweise. Die gibt es manchmal: "Ein verdächtiger Wagen mit fremden Kennzeichen stand hier." Zum Beispiel. "Es lohnt sich", sagt Heike Moll.

Mönchengladbach gehört zu vier Polizeibehörden im Land, die ein Pilotprojet zum Thema Einbruchsschutz gestartet haben. Wenn sich irgendwo im Stadtgebiet Einbrüche gehäuft haben, zeigt die Polizei Präsenz in diesem Gebiet und informiert. In dieser Woche wird das noch mehr der Fall sein. Denn Gladbach nimmt auch an der landesweiten Aktion "Riegel vor - sicher ist sicher" teil. So wird Polizeipräsident Mathis Wiesselmann mit Kollegen heute unter anderem ab 9 Uhr auf dem Rheydter Markt Flyer verteilen.

Der Polizeipräsident weiß: "Es gibt bei vielen noch eine Hemmschwelle, die 110 zu wählen, wenn sie etwas Verdächtiges gesehen haben." Denn die Notfallnummer, so stecke es noch in vielen Köpfen, dürfe auch nur im Notfall gewählt werden. "Falsch", sagt Wiesselmann. Natürlich bedeuten solche Anrufe für die Polizei Arbeit, "aber dafür sind wir da". Außerdem könne nur ein schneller Anruf helfen, die Täter auch zu schnappen. Die Kollegen in den Leitstellen seien darauf eingestellt, solchen Anrufen zeitnah nachzugehen.

"Ein Wohnungseinbruch ist für die Opfer zweifach bedrückend", weiß Wiesselmann. "Sie haben nicht nur Hab und Gut verloren, die Tat ist auch ein Eingriff in ihre Privatsphäre. Viele sind nachhaltig verunsichert, fühlen sich in ihrer Wohnung nicht mehr wohl."

Auch deshalb wolle man sich in den kommenden Jahren ganz speziell dem Thema Wohnungseinbruch widmen. Denn die Zahl der Fälle "ist extrem hoch", so der Polizeipräsident. Dies sei nicht nur im Land so. Belgien und die Niederlande seien noch stärker betroffen.

In Mönchengladbach wurden im vergangenen Jahr 683 Einbruchsdelikte gemeldet. Dass es in rund 40 Prozent aller Fälle beim Versuch blieb, führt Mönchengladbachs Chef der Kriminalpolizei, Stephan Wey, auch auf die Informationsabende der Polizei zum Thema technischer Einbruchsschutz zurück. Täter ließen sich oft von einer guten Sicherung abschrecken. Wer in den eigenen vier Wänden lebt, rüste diese häufig gegen Einbruch. In Mietwohnungen sehe das aber noch ganz anders aus. Die Polizei will deshalb mit Wohnungsbau- und Immobiliengesellschaften sprechen. "Das Thema Sicherheit wird immer mehr zu einem Vermarktungsaspekt", sagt der Direktionsleiter Kriminalität.

Zum Konzept, gegen Einbrecher vorzugehen, gehöre auch die überörtliche Analyse bundesweit agierender Banden, überörtliche Fahndungsmaßnahmen mit Kontrollstellen und die Beobachtung von Intensivtätern, die bundesweit oder landesweit unterwegs sind, am Wohnort. "Letztes Jahr ist es uns gelungen, eine alteingesessene Familie ausfindig zu machen, die verdächtigt wird, für über 60 Einbrüche verantwortlich zu sein. Keine einzige Tat haben die Mönchengladbacher in ihrer Stadt verübt", sagt Stephan Wey.

Auch seine Tipps zum Thema Einbruchsschutz lauten: "Haus absichern, aufmerksam sein, 110 wählen."

Mehr Infos gibt es heute an der mobilen Wache auf dem Rheydter Wochenmarkt und im Internet unter www.riegelvor.de.

Hier geht es zur Infostrecke: "Einbruchs-Vorhersage": Diese Daten sollen helfen

(RP)
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