Das ist Hanna Masuhr: Die Vorkämpferin der Gladbacher Verbraucher

Das ist Hanna Masuhr: Die Vorkämpferin der Gladbacher Verbraucher

Sie ist eine eher zierliche Person, aber eine Frau, die weiß, was sie will und dies meistens auch durchsetzt: Hanna Masuhr war 43 Jahre Leiterin der Verbraucherberatung Mönchengladbach. Seit 2016 ist sie "Ruheständlerin" - nun mit großem Einsatz in drei Ehrenämtern.

Ernährung und Hauswirtschaft, wissenschaftlich: Oecotrophologie, zu studieren, mit dem Ziel, Technische Lehrerin zu werden - dafür ist die 19-jährige Hanna Masuhr 1969 aus Lübbecke in Ostwestfalen nach Rheydt gekommen: "Der Name dieser Stadt sagte mir zunächst gar nichts. Aber hier gab es eine Höhere Fachschule für Frauenbildung mit gutem Ruf über die Landesgrenzen hinweg, die Maria-Lenssen-Schule. Ab 1970 kam die Fachhochschule Mönchengladbach dazu, wo man sein Diplom machen konnte."

Vier Jahre lang ist Hanna Masuhr diesen Weg gegangen. Doch als sie 1973 ihr Diplom in der Tasche hatte, waren der Beruf Technische Lehrerin und ihr Diplom mit guter Note nicht mehr besonders gefragt: "Ich schrieb etliche Bewerbungen - ohne Erfolg." Der Beruf Technische Lehrerin geriet mehr und mehr aufs Abstellgleis. "Da hätte es auch wenig geholfen, wenn ich noch Hausarbeit als zusätzliches Fach studiert hätte, um eine Festanstellung zu bekommen", sagt sie rückblickend.

Eine schwierige Situation. Doch eine Studienrätin der Maria-Lenssen-Schule, die auch im Rheydter Stadtrat saß, und eine weitere Ratsfrau zeigten und ebneten ihr den Weg zu einer Institution, die noch jung im Deutschland war: Rheydt wurde im September 1973 Sitz der zwölften Verbraucherberatung Nordrhein-Westfalens - mit Hanna Masuhr, die als knapp 23-jährige Einsteigerin gleich die Leitung bekam. Es war eine gute Entscheidung für beide Seiten, wie sich schnell zeigen sollte - und das 43 Jahre lang.

Die Aufgaben der Verbraucherberatung haben sich seit ihrer Gründung stark verändert. "Unsere Beratungsstelle, damals an der Hugo-Preuß-Straße, sah aus wie ein gut sortierter Elektrohandel. Es ging in erster Linie um Vorkaufsberatung. Wir haben Geräte erklärt und gezeigt, worauf die Verbraucher beim Kauf achten mussten. Ich kannte jedes Haushaltsgerät in- und auswendig. Es ging um Wirtschaftlichkeit, um Energieverbrauch, um effiziente Haushaltsführung und Preisvergleiche. Wir haben auch Beratungen in Bereichen gemacht, wo es heute eigentlich unvorstellbar ist, zum Beispiel Kohleberatung und sogar eine Schweinezerlegungs-Aktion mit der Innung, um über den richtigen Einkauf und die Verwendung von Fleisch aufzuklären", erzählt Masuhr.

Absolut kein Problem war die Wahl des Strom- oder Telefonanbieters: Es gab nur einen. Seit der Liberalisierung dieser Märkte kommen die meisten Anfragen zu den Bereichen Telekommunikation und Energie. Auch Internet- und Telefonwerbung oder -abzocke sind ein großes Problem.

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Die Aufgaben der Verbraucherberatung sind im Wesentlichen auf vier Säulen aufgebaut: Verbraucherinformation und Verbraucherberatung, Interessenvertretung durch außergerichtliche Rechtsberatung und Rechtsvertretung im Verbraucherrecht, dazu viertens Verbraucher-Bildung, möglichst schon im Kindesalter - Gesunde Ernährung, Umweltschutz im Haushalt, Umgang mit Geld und Energiesparen, zum Beispiel. Und nicht zu vergessen: Öffentlichkeitsarbeit. Positive Resonanz in der Stadt hat die Beratungsstelle Mönchengladbach der Verbraucherberatung NRW (so die offizielle Bezeichnung) immer gehabt. Hanna Masuhr, kommunikativ, aber keine Schwätzerin, lernte schnell, wie das geht. Dennoch zieht sich der wirtschaftliche Überlebenskampf wie ein roter Faden durch die Geschichte der Verbraucherberatung Mönchengladbach.

"Ich liebe diese Arbeit, es ist meine Leidenschaft. Es macht Spaß, für sie und ihre Menschen zu arbeiten. Aber es gab leider immer den Kampf ums Geld. Das Problem ist, dass die wichtige Aufgabe des Verbraucherschutzes sich zwar rechnet, aber nicht wirklich in Zahlen ausdrücken lässt", sagt Hanna Masuhr. "Und die Zuschüsse der Stadt sind eine freiwillige Leistung. Da ist man in Abhängigkeit zu den Ratsfraktionen. Es heißt zwar immer, die Verbraucherberatung sei nicht wegzudenken. Dennoch habe ich ständig um unser Geld kämpfen müssen. Mönchengladbach war in diesem Punkt leider eine Problemstadt im Land NRW. 1993 stand unsere Arbeit wirklich auf der Kippe. Wir standen auf der Straße und haben Unterschriften gesammelt - mehr als 16.000 waren es am Ende. Spätestens da ist mir klargeworden, wie wichtig die Vernetzung für unsere Arbeit ist."

Hanna Masuhr hat mit ihrer ebenso charmanten wie hartnäckigen Art 43 Jahre bis zum Ausscheiden aus Altersgründen Anfang 2016 für "ihre" Verbraucherberatung gekämpft, Kontakte zu Rat und Verwaltung geknüpft und gepflegt. Sie war über Jahrzehnte das "Gesicht" oder die "Frontfrau" der Verbraucherberatung in dieser Stadt. Und sie ist auch jetzt noch ein bisschen dabei: "Ich kann immer noch Multiplikatorin sein, Menschen helfen, qualifizierte Ratschläge geben."

Info: Verbraucherzentrale NRW, Beratungsstelle Mönchengladbach: Bahnhofstraße 21, Telefon 02166 3984101. Leiter ist seit Juni 2016 Sebastian Dreyer. Fünf Mitarbeiter und fünf externe Fachberater auf Honorarbasis sind dort tätig.

(RP)