Mönchengladbach: Lernen und lehren kann besser gelingen

Mönchengladbach: Lernen und lehren kann besser gelingen

In einer Fortbildung der Hebo-Privatschule erklärt Robin Malloy, wie Erkenntnisse der Neuropsychologie Lehrern und Schülern helfen.

"Lehrer", ist Robin Malloy überzeugt, "sind Schlüsselfiguren. Ihre Haltung zum Schüler macht den Unterschied." Wenn sie dem Schüler Wertschätzung und Zuneigung entgegen bringen, ihm etwas zutrauen, so kann sich etwas in Bewegung setzen, ein Schalter umgelegt werden, ein Lernprozess in Gang kommen. Dazu müssen Lehrer wissen, was im Schüler vor sich geht, und sie müssen ihre eigene Haltung verstehen und hinterfragen können. Dabei will der promovierte Experte für Neurodidaktik dem Kollegium der Hebo-Privatschule helfen. Dort referierte er jüngst bei einer Fortbildungsveranstaltung.

Bei der Hebo-Privatschule finden regelmäßig Fortbildungen für das Kollegium statt. Es sind immer Themen, die den Umgang mit und das Fördern von Schülern betreffen. Frühere Themen waren zum Beispiel Autismus, Hochbegabung, Hochsensibilität und Stressreduktion. Malloy wurde eingeladen, weil Wasja Steinborn aus der Schulleitung ihn beim Bundeskongress deutscher Privatschulen erlebt hatte: "Der Vortrag soll Anregungen geben, sich selbst in bestimmten Unterrichtssituationen zu reflektieren oder auch in bestimmten Situationen bestätigt zu wissen, besonders bei der Wichtigkeit der Lehrer-Schüler-Beziehung."

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Malloy, ausgebildeter Polizist und Erwachsenenpädagoge, vertritt einen ganzheitlichen Ansatz: "Lernen und lehren kann besser gelingen, wenn die Beziehungsebene von Lehrer und Schüler und die Neuropsychologie der Interaktion besser verstanden wird." Einerseits geht es ihm um die Persönlichkeit des Lehrers. "Ein Lehrer muss verstehen, welche Ängste oder Erfahrungen ihn selbst umtreiben, weil er sie auf die Beziehung zum Schüler überträgt", sagt Malloy. In seinen Vorträgen hält er dem Plenum auch einen Spiegel vor. Wenn ein Pädagoge versteht, warum er auf eine bestimmte Art und Weise auf einen Schüler reagiert, nimmt das dem sonst unbewusst ablaufenden Prozess "seine dubiose Kraft", wie Malloy formuliert. Ein Beispiel: Ein Schüler schreibt schlechte Zensuren. Ist er zu faul, wie ein Lehrer irgendwann frustriert vermuten muss? Oder kann er seine Leistung tatsächlich nicht abrufen? "Wir wissen heute, dass bestimmte Wachstumsfaktoren im Gehirn ausgeschalten werden können, unter Umständen durch traumatische Erfahrungen, die Generationen zurückliegen", erklärt der Referent. Wenn ein Lehrer das berücksichtige, sei seine Haltung dem Schüler gegenüber vielleicht verständnisvoller. Andererseits wisse man auch, dass sich die Schalter auch wieder umlegen ließen. Und hier spielen Lehrer oft eine Schlüsselrolle. Aus geglückten Lernbiografien weiß man, wie wichtig ein Mensch - sei es ein Lehrer, Trainer oder Familienangehöriger - ist, der dem Schüler den Glauben an die eigenen Fähigkeiten vermittelt. Dabei zeigt sich Wertschätzung nicht darin, die Dinge im Unterricht laufen zu lassen. "Schüler fühlen sich dann nicht ernstgenommen", sagt der Pädagoge. "Wertschätzung äußert sich auch darin, Grenzen aufzuzeigen." Er ist überzeugt, dass Schule heute mehr leisten muss als früher.

(RP)