Viertes Sinfoniekonzert in Mönchengladbach: Wenn Streicher sanft summen

Viertes Sinfoniekonzert in Mönchengladbach: Wenn Streicher sanft summen

Beim Vierten Sinfoniekonzert zeigten die Niederrheinischen Sinfoniker, was sie können: Summen wie Fluginsekten, aber auch schwierige Kompositionen von Leonard Bernstein meisterhaft zur Aufführung bringen.

Angst vor real existierenden Wespen brauchte am Beginn des vierten Sinfoniekonzerts niemand zu haben. Das Geräusch, das in der Kaiser-Friedrich-Halle deutlich an das Surren der ungeliebten Insekten erinnerte, wurde ganz ungefährlich von den Niederrheinischen Sinfonikern erzeugt. Es ist Teil der Komposition "The Wasps" des Engländers Ralph Vaughan Williams.

Die geht dann bald über bloße Lautmalerei hinaus und erinnert an englische Volksmusik. Das groß besetzte Orchester glänzte unter der Leitung von GMD Mihkel Kütson mit opulentem Klang und vitalem Schwung. Wenn Leonard Bernstein eine Serenade nach Platons "Symposium" komponiert, kommt es für den Zuhörer natürlich nicht darauf an, Teilnehmer des Gastmahls wie Aristophanes oder Sokrates anhand der Musik zu identifizieren. In Platons Schrift äußern sie ihre Gedanken zum Thema Liebe. Eben das nimmt Bernstein zum Anlass, unterschiedliche Stimmungen in Musik zu setzen. Damit hat er ein Violinkonzert geformt, das an alle Beteiligten höchste Anforderungen stellt.

Mit der in den USA geborenen und in Finnland aufgewachsenen Elina Vähälä kam eine Solistin, die sich schon vor eineinhalb Jahren in Mönchengladbach als Spezialistin für unbekannte, schwierige Violinliteratur ausgezeichnet hatte. 2016 glänzte sie mit einem Konzert des Amerikaners John Corigliano, der seine Musik zum Film "Die rote Violine" zu einem Violinkonzert ausgebaut hatte. Auch diesmal hinterließ Vähälä als Geigerin mit stupender Technik und großem Ton einen ausgezeichneten Eindruck. Mühelos bewältigte sie die erheblichen griff- und bogentechnischen Schwierigkeiten wie höchste Lagen, Doppelgriffe oder Spring- und Wurfbogen. Auch wenn mit Dämpfer ganz verhaltene Töne zu erzeugen waren, behielt sie eine große klangliche Intensität bei.

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Bernstein mutet nicht nur der Solistin, sondern auch dem Orchester große Schwierigkeiten zu - die allesamt tadellos gelöst wurden. Die Bläser bekamen frei, Bernstein verfasste das Werk für die seltene Kombination Streicher, Harfe und Schlagwerk. Mit komplizierten Einsätzen und Rhythmen waren alle Beteiligten gefordert. Dazu kamen noch solistische Einsätze von Orchestermitgliedern, bei denen sich vor allem der Solocellist (Konrad Philipp) auszeichnen durfte.

Von Richard Strauss' Tondichtung "Also sprach Zarathustra" kennt man den Anfang in- und auswendig. Dafür hat im Lauf der Zeit die Werbung gesorgt. Aber nicht nur der wurde brillant wiedergegeben. Die mächtige Fanfare wurde von kammermusikalisch feinen, differenzierten Tönen abgelöst. Dabei zeichneten sich unter anderem die immer wieder aufgeteilten ("divisi") Streicher aus. Die schwierigen Violinsoli waren beim Konzertmeister Philipp Wenger bestens aufgehoben. Großartig war auf der anderen Seite auch, wo verlangt, der kraftvolle, farbenreiche Klang in den Fortissimo-Partien. Langer, begeisterter Beifall dankte allen Beteiligten.

(-tr)