Die erste Prüfung im Sattel

Beim Turnier der Reit- und Jagdgemeinschaft Düsseltal ist die Aufregung groß. Für viele Kinder ist der Springreiterwettbewerb eine Premiere vor Richtern und Publikum.

Gruiten Auf dem Abreiteplatz der Reit- und Jagdgemeinschaft Düsseltal scheint alles in Bewegung. Die kleinen Reiter halten ihre herausgeputzten Pferde auf Trab, Hunde bellen und Eltern versuchen, Tränen zu trocknen oder ihre aufgeregten Kinder zu beruhigen. Scheinbar unbeeindruckt von dem Trubel um sie herum, lenkt Lenika Conrad ihre Ponystute Penny Lane in Richtung Prüfungshalle. Den Blick konzentriert nach vorne gerichtet, sitzt sie im Sattel und geht in Gedanken noch einmal die Reihenfolge der Sprünge durch, die sie sich vor ihrem Start einprägen musste.

In der Halle drängen sich zahlreiche Zuschauer auf der Tribüne. Sie wollen die kleinen Reiter anfeuern, denn zum ersten Mal seit 20 Jahren gibt es auf Gut Grund wieder ein Turnier. Mehr als 180 Reiter haben sich für die sieben Prüfungen der Ausschreibung angemeldet. In den Basiswettbewerben starten vor allem Kinder aus dem eigenen Verein und den umliegenden Reitställen. Für viele ist es das erste Turnier.

Lenika Conrad lässt sich das Kribbeln im Bauch nicht anmerken. Die Zehnjährige weiß, dass sie sich auf Penny Lane verlassen kann. Nach dem Gruß an die Richter trabt sie ihr Pony mit energischem Schenkeldruck an und steuert auf das erste Hindernis zu – ein kleines blau-weißes Kreuz. Die Rappstute springt ohne zu zögern und Lenika reitet weiter zum nächsten Sprung. Fehlerfrei überwindet das Paar alle sechs Hindernisse und verlässt mit einer Wertnote von 6,2 die Halle. Zufrieden klopft die kleine Reiterin ihrem Pony den verschwitzten schwarzen Hals.

Auf dem Abreiteplatz bereitet sich unterdessen Sarah Schäfer auf ihren Start im Springreiter-Wettbewerb vor. Die Konkurrenz ist groß – 23 Paare reiten um den Sieg. Ein Blick auf die Tafel an der kurzen Seite zeigt Sarah, dass nur noch drei Reiter vor ihr dran sind. Sie lässt ihr Pony Alec antraben und galoppiert anschließend einige Runden im leichten Sitz. "Oxer frei!", ruft sie über den Platz und lässt Alec über den Probesprung springen. "Sarah, du kannst jetzt hoch", fordert eine Vereinskollegin die 13-Jährige auf.

"Viel Glück", ruft ihr jemand hinterher, als sie sich auf den Weg Richtung Halle macht. "Danke", sagt Sarah und lächelt angespannt. Abwesend klopft sie Alec den Hals, bemüht, ihre eigene Aufregung im Zaum zu halten. Der beigefarbene Wallach mit dem schwarzen Schweif hat die Ohren aufmerksam gespitzt, wirkt aber gelassen. Für beide ist es der erste gemeinsame Start. "Wir haben Alec erst seit einem Jahr. Er ist unser Familienpferd", berichtet Sarah. Für sie ist es das zweite Turnier, doch sie weiß nicht, wie der zehn Jahre alte Wallach auf die vielen Zuschauer und die angespannte Atmosphäre in der Halle reagieren wird. "Wenn die alle klatschen, geht er ab", prophezeit sie.

Nach dem Gruß an die Richter konzentriert sich Sarah ganz auf den ersten Sprung. Mit einem Satz springt Alec drüber und auch der das zweite Hindernis ist kein Problem. Im Galopp überwinden beide einen kleinen Steilsprung, dann einen Oxer und auch die Schlusslinie meistern Ross und Reiterin fehlerfrei. Als der Applaus aufbrandet, will Alec davonstürmen, doch Sarah gelingt es, ihn im Zaum zu halten und durchzuparieren. Mit der Wertnote von 6,3 ist sie nicht ganz zufrieden und kehrt mit gerunzelter Stirn auf den Abreiteplatz zurück.

(domi)