Im Reich des Mettmanner Bienenflüsterers Martin Winzen

Besuch bei Imker Martin Winzen : Im Reich des Bienenflüsterers

Wo andere Obst und Gemüse anbauen, stehen bei Imker Martin Winzen jede Menge Kästen, in denen Bienenvölker untergebracht sind, sogenannte Beuten. Vorsichtig holt er eine Wabe heraus und erklärt: „Wenn man genau hinguckt, erkennt man die von der Königin gelegten Eier.

Zehn Tage lang bleiben die Zellen offen, dann werden sie verdeckelt“, sagt er. Seine Nachbarn, versichert er, würden sich durch die Bienen nicht gestört fühlen: „Sie wissen ja, wie wichtig sie sind.“

Zwar ist Martin Winzen Berufsimker, er arbeitet aber eigentlich auch als Buchbinder. „Wenn ich demnächst in Rente gehe, gibt es hier noch mehr Bienen“, sagt er, „das Bienenvirus infiziert und fasziniert einen, man kommt nicht mehr davon los.“ Dass er den Pflanzenbewuchs in seinem Vorgarten an die Bienen angepasst hat, versteht sich: „Wir haben auch einen Bienenbaum aus Sri Lanka, der erst im September blüht.“

Vor 30 Jahren hat er angefangen, sich mit Bienen zu beschäftigen, seitdem hat er sich ständig weitergebildet. Winzen ist Mitglied im 40 Mitglieder zählenden Mettmanner Imkerverein, der sich in den letzten Jahren nicht nur verjüngt, sondern auch viele neue Mitglieder dazu gewonnen hat, auch Frauen. Nicht zuletzt die Medienberichte über das Bienensterben hätten zu einem Umdenken geführt, meint er. „Durch Monokulturen wird den Bienen ihr Lebensraum genommen. Aber sie sind wichtig für die Bestäubung von Blütenpflanzen und die Menschen wollen etwas für die Bienen tun.“ Gemeinsam mit Dorothée Scriba, der Vereinsvorsitzenden, habe er vielen die Imkerei näher gebracht. Wer mit der Imkerei anfangen möchte, der brauche zuerst einen Bienen-Paten, einen erfahrenen Imker, dem er bei Saisonarbeiten wie Milbenbehandlung, Königinnenvermehrung oder Honigernte über die Schulter schauen könne, sagt er, „bei mir kann man das natürlich auch lernen. Einfach mal anpacken und mitmachen“, so seine Empfehlung. Es gebe aber auch Imkerschulen.

Die Imkerei mache zwar viel Arbeit, vor allem aber Spaß. „Wer sich mit Bienen beschäftigt, muss sich auch mit der Natur auseinandersetzen. Bienen lassen sich nicht dressieren. Wir müssen denken wie sie, dann können wir imkern“, betont er. Er selbst züchte und vermehre auch und sei inzwischen ausgebildeter Bestäubungsimker. Auch in der Stadt könne man Bienen halten, weiß er: „Es gibt Bienenboxen, die zum Beispiel auf dem Balkon aufgehängt werden können. In der Stadt gibt es durch Gärten, Parks und Friedhöfe außerdem ein abwechslungsreiches Blütenangebot“, betont er.

Ungünstig für die Bienen seien zu niedrige Temperaturen wie Anfang Mai: „Bei unter 12 Grad fliegen sie nicht und sind auf die Vorräte als Nahrung angewiesen.“ Der Imker wünscht sich mehr ungemähte Wegesränder, die einen ähnlichen Nutzen wie Wildblumenwiesen hätten. „Wichtig ist aber auch, den Wildbienen Nistmöglichkeiten zu geben. Sie stehen auf der roten Liste.“

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