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Meerbusch: Eine Frau voller Ideen

Meerbusch : Eine Frau voller Ideen

Hildegard Miedel, Gründerin und unerschütterliche Arbeiterin für die Arche Noah in Büderich, ist von den RP-Lesern als Ehrenbürgerin vorgeschlagen worden. Was die 76-Jährige sonst noch umtreibt, erzählt sie im Gespräch.

Hildegard Miedel trägt Jeans, Turnschuhe und ein gestreiftes Shirt. Mit beschwingtem Gang führt sie durch ihr kleines Paradies an der Marienburger Straße, zeigt Schweine, Vögel, Ziegen, Schafe und natürlich Ponys. Die Augen der 76-Jährigen sind klar und hellwach. "Für mich könnte der Tag 48 Stunden haben", sagt die tatkräftige Frau, der fast 40 Prozent der Leser bei einem RP-Ranking die Ehrenbürgerschaft antragen würden.

Aufgewachsen ist die Arche-Gründerin in Büderich — "in einer klassischen Arztfamilie". Doch mit dem medizinischen Bereich hatte die Schülerin der Neusser Schule Marienberg erst einmal nichts am Hut. Sie fertigte leidenschaftlich Wandteppiche für einen Kindergarten, blieb immer wieder vor der Dombauhütte des zerstörten Quirinus-Münsters stehen, bis die Bauarbeiter ihr Hammer und Meißel in die Hand drückten.

Operationen am offenen Herzen

Miedel wollte nichts lieber, als auf die Folkwangschule in Essen. Doch ihr Vater, praktischer Arzt, fand, sie solle etwas lernen, von dem sie leben konnte. Miedel machte ebenso wie ihre Schwester eine Ausbildung zur Medizinisch-Technischen Assistentin. "Ich kam an die Uni-Klinik und war bei den ersten Operationen am offenen Herzen dabei", berichtet die 76-Jährige. "Ich fand das faszinierend. In den 50er Jahren wurden die Patienten tiefgekühlt, die Körpertemperatur wurde teilweise bis auf 28 Grad gesenkt. Das habe ich überwacht", sagt Miedel, für die das einen Zwölf-Stunden-Tag bedeutete. Mit der Hochzeit 1958 war das berufliche Engagement erst einmal vorbei. 1959 kam das erste Kind. Es folgten drei weitere. "Ich habe jede Minute genossen und bin froh, 100 Prozent für meine Kinder da gewesen zu sein", sagt Miedel, die in der zwischenzeit immer wieder ihr künstlerisches Geschick erprobte, malte und modellierte.

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Erst ihre jüngste Tochter brachte sie auf die Idee, die Arche zu gründen. "Sie war so dünn, so anfällig. Doch als sie ihre Leidenschaft für Ponys entdeckte, änderte sich das." Die Tochter hatte schlussendlich drei Ponys mit denen sie von der Unterkunft am Deutschen Eck — eine alte Waschküche — zur Wiese an der Marienburger Straße zog. "Das konnte ich nicht mit ansehen", sagte Miedel, und baute 1982 einen Stall, wo die Tiere bleiben konnten — aus Teerpappe und Holzbalken. "Der steht heute noch."

Inzwischen kommen die ehemaligen Kinder als Eltern zur Arche. "Da hat ein Generationswechsel stattgefunden", sagt sie. Miedel ist froh über jede Art von Unterstützung. Auch die Ehrenbürgerschaft würde sie nicht ablehnen, weil es dem kleinen Mini-Zoo zugute käme. "Aber ich habe schon so viele Auszeichnungen", sagt sie. Das Bundesverdienstkreuz hat sie bereits und die Verdienstplakette der Stadt ebenfalls.

"Vielleicht sollte man jemanden ehren, der sich für die ganze Stadt einsetzt", sagt Miedel. Sie denkt dabei an Dr. Herbert Jacobs, der seit Jahren für die Sanierung und den Erhalt von Haus Meer kämpft. "Manchmal muss man auch das Ganze im Blick haben", findet die 76-Jährige.

(RP)