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Meerbusch: Bürger gegen Bahnlärm

Meerbusch : Bürger gegen Bahnlärm

Neben den Fluglärmgegnern gibt es nun auch eine Bürgerinitiative gegen die Belastung durch den Bahnverkehr. Diese sieht die steigende Zahl der nächtlichen Güterzüge mit Sorge, fordert Lärmmessungen und Schallschutz.

Ein deutliches Anzeichen für eine lebhafte Konjunktur sind die Containertransporte. In Boom-Jahren wird die Infrastruktur der großen Häfen und ihres Hinterlandes regelmäßig bis an die Grenzen strapaziert. Was die Wirtschaft freut, nervt viele Anwohner — speziell da, wo die Bahnstrecke nah an Wohngebieten vorbeiführt, wie in Osterath.

Einige lärmgeplagte Meerbuscher wollen jetzt handeln: Sie haben die Bürgerinitiative "Stoppt den Bahnlärm" gegründet. Ihr langfristiges Ziel ist mehr und besserer Lärmschutz für Osterath und Bösinghoven. "Die beste Lösung wäre ein Tunnel, aber das ist leider illusorisch", sagt Dietrich Müller, Mitglied im dreiköpfigen Beirat der Initiative. Daher setzt man sich zunächst für neue und bessere Lärmschutzwälle ein — auch ein Drosseln des Tempos beim Durchfahren der Wohngebiete wäre eine Alternative.

Lärmgegner wollen Daten

Die Bahnlärmgegner wollen dabei ähnlich vorgehen wie die Fluglärmgegner. Das heißt, erstmal müssen präzise Daten auf den Tisch. So geht es etwa um die Frage, wie viele Züge vor allem nachts tatsächlich durch den Ort fahren und wie laut diese sind. "Wir haben den Eindruck, dass bei den Güterzügen eine deutliche Steigerung stattgefunden hat", sagt Müller. Immer mehr Transporte Richtung Krefelder und Duisburger Hafen liefen nachts über Osterath.

Besonders alte DDR-Dieselloks ("Taigatrommeln") sorgten mit ihrer beträchtlichen Lautstärke für Schlaf-Unterbrechungen: "Güterzüge dürfen nachts einfach nicht mit 115 Dezibel an Schlafzimmerfenstern vorbeidonnern". Die Belastung durch die Personenzüge habe dagegen abgenommen, da die Nordwestbahn vor allem moderne (und leisere) Doppelstock-Triebwagen einsetze. Um verwertbare Daten zu bekommen, regt die Initiative den Aufbau einer Schallmessstation durch die Stadt Meerbusch an.

Die Bahn AG hat Osterath und Bösinghoven bereits auf ihrer Liste geplanter Lärmschutzprojekte. 100 Millionen Euro stellt der Bund dafür jährlich republikweit zur Verfügung. Allerdings bemisst sich die Dringlichkeit nach Lärmstärke und Zahl der betroffenen Bürger — und da kann Osterath nun mal nicht mit Großstädten mithalten. Bei 2700 geplanten Maßnahmen liegt Meerbusch denn auch im letzten Zehntel. Bahnsprecher Udo Kampschulte rechnet damit, dass die Arbeiten in Osterath (betroffen sind dort 2,5 Kilometer) und Bösinghoven (900 Meter) wohl erst in frühestens zehn bis 15 Jahren beginnen könnten.

Was die Güterzug-Frequenz angeht, macht Kampschulte den Anwohnern wenig Hoffnung: "Alte Bahnstrecken haben nun einmal Bestandsschutz." Beschränkungen, was sie Zahl der Züge angehe, gebe es dort auch nicht.

Aber wenn die Kommune oder Privatleute selbst Schallschutzmauern auf Bahngelände bauen wollten, sei der Konzern in der Regel sehr kooperativ.

(RP)