Leverkusen: Uli Borowka mit "Volle Pulle" im Stadioneck

Leverkusen: Uli Borowka mit "Volle Pulle" im Stadioneck

Fünfzig Zuhörer in der Bayer-Fankneipe Stadioneck haben gespannt den Ausführungen des ehemaligen Bundesligaspielers Uli Borowka zu seinem Buch "Volle Pulle" zugehört.

Spätestens nach der Veröffentlichung seiner Autobiografie vor einem Jahr weiß man, dass der ehemalige Fußballer Uli Borowka ein Doppelleben geführt hat: als gut verdienender Bundesliga-Profi bei Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen - und als Alkoholiker. Seit einem viermonatigem Klinikaufenhalt im Jahr 2000 bezeichnet er sich als "trockenen Alkoliker". Alles was zu seinem bewegten Leben gesagt werden kann, steht in seinem Buch "Volle Pulle". Aber diesen inzwischen 51-Jährigen einmal ganz nah zu erleben, ist etwas ganz anderes, weil er sehr authentisch von seinen vielen Höhen und Tiefen in seinem Leben erzählt.

Rund fünfzig Interessierte kamen ins Stadioneck, einem Treff von Bayer-Fußballfans, wo der sechsfache Nationalspieler und zweifache Deutsche Meister wohl alle zum Nachdenken brachte. Einige der Zuhörer outeten sich, dass auch sie mit der Krankheit Alkoholsucht zu kämpfen hatten, andere berichteten, dass Menschen aus ihrem persönlichen Umfeld damit zu tun haben. Und sie erfuhren dabei, dass Rauschmittel und Depressionen keineswegs ein Randproblem im Fußball sind, aber nur wenige Fälle wie Christoph Daum, Robert Enke oder Sebastian Deisler bekannt wurden.

Nun will Uli Borowka, der mit einer eigenen Sportmarketingagentur inzwischen sein Geld verdient, auch anderen helfen. Er ist viel unterwegs und scheut sich nicht, in Suchtkliniken oder Justizvollzuganstalten aufzutreten, um anderen Mut zu machen. Seine Popularität als bekannter Sportler hilft ihm dabei, gerade weil er den Traum vieler Jugendlicher als Bundesliga-Fußballer gelebt hat und auf der Straße völlig mittellos gelandet war.

Borowskas Weg in die Alkoholsucht war ein langsamer. Ausschlaggebend war für ihn, dass er in eine Rolle gedrängt wurde und sie zeitweise auch spielen wollte, die aber nicht seiner Persönlichkeit entspracht. Er galt als "die Axt", als härtester Verteidiger der Liga. Er versuchte seine Gegenspieler bereits vor dem Spiel mit markigen Sprüchen einzuschüchtern. Bei Klinsmann oder Möller habe das hervorragend funktioniert, so Borowka heute. Aber bei einem Gegenspieler - einem Leverkusener - nicht: Ulf Kirsten. Er kam darauf, weil er bei Betreten des Stadionecks ein großes Bild seines ehemaligen Gegenspielers bemerkte. Seine Erinnerung: "Ich versuchte, auch Ulf zu beeindrucken. Doch nach zwei Minuten lag ich erst einmal auf dem Boden. Ulfs Erklärung: Das war noch für das letzte Mal. Das hat mir imponiert."

Auch die aktuelle Bundesliga verfolgt Borowka und machte eine Anmerkung, die den Leverkusener Fußballfans natürlich gefiel: "Stefan Kiesling gehört auf jeden Fall in die Nationalmannschaft."

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