Langenfeld: Geschenk kaputt? Ab ins Reparaturcafé !

Langenfeld : Geschenk kaputt? Ab ins Reparaturcafé !

Die Alternative zu Mülltonne oder Umtausch findet sich alle 14 Tage montags im Gemeindezentrum Langenfeld-Mitte.

Und... kaputt! Für Weihnachten ist es der Albtraum: Das neue Geschenk funktioniert gleich nach dem ersten Einsatz nicht mehr. So, wie der Blitz-Reise-Wasserkocher, den Brigitta Heimsath kürzlich ausprobierte: Nach einmaligem Gebrauch war er defekt. Und die Freundin, die ihn gekauft hatte, hatte die Quittung nicht verwahrt. Was tun? "Ich hatte vor kurzem von dem neuen Reparatur-Café gelesen", sagt die 71-Jährige. Also ab in den Keller des Gemeindezentrums der Johanneskirche.

Seit vier Monaten besteht dort alle 14 Tage montags von 16 bis 18 Uhr die Möglichkeit, kaputte Gegenstände im "Reparatur-Café Fix & Fertig" behandeln zu lassen. Die Idee hierzu hatten Frank Klarmann und Arnold Köppen unabhängig voneinander: Köppen brachte sie aus Holland mit, Klarmann von einer Fahrradtour nach Opladen, wo er einen Handzettel für solch eine Einrichtung sah. Während Köppen die Räume im Gemeindezentrum bereitstellte, übernahm Klarmann die übrige Organisation. Inzwischen gibt es einen Pool von einem dutzend Mitarbeitern.

Kurz nach 16 Uhr stehen die Leute schon Schlange. Diesmal nimmt Ursula Krien sie in Empfang. "Wir zeigen den Leuten wie sie etwas reparieren können", erklärt die Langenfelderin: "Wir sind keine Konkurrenz für Reparaturbetriebe, sondern bieten Hilfe zur Selbsthilfe." Krien, die selbst zur Abteilung "Nadel und Faden" gehört, schickt die Besucher zu den verschiedenen Tischen mit Spezialisten. Bernd und Renate Jacobi haben einen Zehn-Platten-Spieler mitgebracht. "Das ist ein altes Koffergerät, das gab es mal zu Weihnachten", erinnert sich der 70-Jährige. Seine Frau hat die dazugehörige Single-Sammlung mitgebracht: Elvis, Buddy Holly, Joey Dee und viele mehr... Doch das Koffergerät spielt nur noch eine Single und zieht die anderen dann, ohne sie abzuspielen.

Martin Ribbers testet den Apparat. Der 43-jährige Mobilfunktechniker gehört zum Team für Elektrogeräte - bisher die gefragteste Gruppe. Alle schauen zum Tisch, als plötzlich Rock'n'Roll ertönt. Die Reparatur könnte knifflig werden; Ribbers wird das Gerät in Ruhe zu Hause ansehen.

Während die Besucher geduldig darauf warten, an die Reihe zu kommen und ihre Gegenstände prüfen zu lassen, kommen sie bei einem Kaffee ins Gespräch. Petra Hofmann (47) steht hinter der Theke und versorgt die Gäste mit Getränken; heute gibt es dazu Waffeln - gebacken von einer dankbaren Besucherin, deren Waffeleisen hier repariert wurde.

Der Service des Reparatur-Cafés ist gratis; freiwillige Spenden werden in Arbeitsmaterial investiert. "Ich finde es super, dass es so etwas gibt", schwärmt Monika Stromberger. Sie ist mit ihrem Wasserkocher extra von Baumberg gekommen. "Ich hab den geliebt! Den hatte ich schon 2002 mit in der Toscana! Und so einen schönen und leichten Wasserkocher finde ich in den Geschäften gar nicht mehr." - Inzwischen hat Hans-Peter Andresen den Blitz-Reise-Wasserkocher von Brigitta Heimsath repariert und testet ihn: Er funktioniert wieder!

Einige Tische weiter lässt Andrea Christ (46) ihre Nähmaschine von German Graf begutachten. Die Langenfelderin hat die Maschine geerbt. "Als ich sie das erste Mal in Betrieb nehmen wollte, hat sie geraucht und gestunken." Graf, Team-Spezialist für Nähmaschinen, startet einen Probelauf. Er näht einen alten Lappen. "Aber die ist zu langsam", sagt er. Um den Fehler zu finden, muss sich der 81-Jährige die Maschine genauer ansehen.

In der Holz-Werkstatt im Nachbarraum steht Harri Schlicht an der Werkbank. Auf ihn wartet demnächst eine besondere Aufgabe: Eine Kita hat Klarmann eine Kiste mit hölzernen Bausteinen mitgegeben, die mit der Zeit rau geworden sind. Damit die Kinder sich keine Splitter einreißen, müssen die Bausteine glattgeschmirgelt werden.

Am Ende konnte Strombergers Wasserkocher von 2002 nicht repariert werden: "Die Spirale war durchgebrannt", erklärt Andresen. Auch Salvatore Di Gangi musste einen Besucher enttäuschen. Der 36-Jährige hat sich auf Computer und Elektronik spezialisiert, aber der Tablet-Computer eines Klienten ließ sie nicht öffnen. "Diese Geräte sind häufig zugeklebt. Um sie zu öffnen, braucht man besondere Hilfsmittel", erklärt Di Gangi. Indes scheint nichts die gute Stimmung im Café trüben zu können. Es kommen sogar Leute nur zum Gucken.

(dgn)
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