Krefeld: Stadthaus: Mehrheit für Sanierung

Krefeld : Stadthaus: Mehrheit für Sanierung

Die Ratsmehrheit für die Sanierung des Krefelder Stadthauses steht. Diese Lösung ist 30 bis 40 Prozent günstiger als ein Neubau für die Verwaltung in der City. Ein Mies-Bau ist Favorit als Übergangsquartier für die 550 Mitarbeiter.

Der Stadtrat wird sich anlässlich eines neuen Vergleichs-Gutachtens der Stadtverwaltung am Donnerstag für die Sanierung des Stadthauses aussprechen. Dies ist Ergebnis einer Umfrage unserer Zeitung unter den Fraktionen gestern. Damit endet die lange Diskussion um das Krefelder Stadthaus am Konrad-Adenauer-Platz, das seit 1978 als Technisches Rathaus genutzt wird und vom berühmtem Architekten Egon Eiermann einst als Verwaltungsbau für die Verseidag geplant worden war.

Für die Sanierung sprechen die im neuen Gutachten genannten Zahlen. Eine Sanierung ist demnach 30 bis 40 Prozent günstiger als eine Neubaulösung. Somit scheidet der einst von Oberbürgermeister Gregor Kathstede (CDU) favorisierte Umzug in die Innenstadt aus. 33,4 Millionen Euro soll die Sanierung des Stadthauses mit Umzug für eine Übergangszeit kosten. Dem stehen die Kosten gegenüber, die die Verwaltung zahlen müsste, wenn sie in einen Neubau in der Innenstadt zöge. Der von der Bauunternehmung Hellmich geplante Neubau auf dem Gelände der Sparkasse Friedrichstraße würde 56,2 Millionen Euro kosten. Hellmich forderte aber allein von der Verwaltung Mietzahlungen über einen Zeitraum von 25 Jahren in Höhe von 100 Millionen Euro. Wegen dieser Kostenexplosion hatte Oberbürgermeister Kathstede Anfang November die Kehrtwende gemacht und sich für die Sanierung ausgesprochen. Am Donnerstag, 1. Dezember, soll nun der Rat entscheiden, vorher diskutieren am Dienstag die Ausschüsse. Die Verwaltung erbittet sich von der Politik eine "Leitentscheidung" — danach will sie sich auf ein konkretes Finanzierungsmodell festlegen.

CDU und FDP sind bereits festgelegt — auf die Sanierung. "Für uns stand das immer fest", sagte gestern der FDP-Fraktionsvorsitzende Joachim C. Heitmann. Auch CDU-Ratsherr Jürgen Wettingfeld sagte: "Für uns ist die Hängepartie jetzt vorbei. Das Gebäude hat 15,7 Millionen Euro Buchwert, das kann man nicht einfach aufgeben." SPD und Grüne werden sich bei ihren Fraktionssitzungen am Montag entscheiden — auch bei ihnen gilt nach Informationen unserer Zeitung das Votum für die Sanierung als gesichert.

Die Zeit drängt: Wegen Brandschutzmängeln kann das Stadthaus nur noch bis April 2013 genutzt werden; zur akuten Behebung dieser Mängel müssen bis 2013 noch 700 000 Euro in die Hand genommen werden. Neben technischen Mängeln gibt es im Stadthaus hohe Energieverluste. Derzeit wird es für 305 000 Euro jährlich geheizt. Die Verwaltung rechnet laut neuem Gutachten damit, dass eine Sanierung bis zu 80 Prozent der Energie einspart; die Stadt würde dann nur noch für 61 000 Euro heizen, also 244 000 Euro jährlich einsparen.

Bleibt die Frage, wohin die Verwaltung während der Sanierung umzieht. 3,1 Millionen Euro Umzugs- und Unterbringungskosten rechnet die Verwaltung für einen Zeitraum von zwei Jahren ein. Nach Informationen unserer Zeitung ist der Favorit das Verseidad-Gebäude an der Girmesgath von Architekt Mies van de Rohe. Alle 550 Mitarbeiter werden jedoch dort keinen Büroraum finden. Die Grünen sind weiterhin für die ehemaligen Räume des Staatlichen Umweltamtes an der St.-Töniser-Straße. Die FDP schlägt vor, nach dem Umzug der Sparkassenverwaltung an die Rheinstraße den Bau an der Friedrichstraße übergangsweise als Stadtverwaltungssitz zu nutzen. FDP-Chef Heitmann kann sich auch die provisorisch genutzten Räume für die Bibliothek an der Steckendorfer Straße vorstellen. CDU-Ratsherr Jürgen Wettingfeld denkt an Bürocontainer: "Die gibt es mittlerweile in guter Qualität."

(RP)