Krefeld: Faszination Stadthaus

Krefeld: Faszination Stadthaus

1950 gebaut, ab 1978 von der Krefelder Stadtverwaltung genutzt, seit 2011 vom Abriss bedroht – das Gebäude von Architekt Egon Eiermann hat eine bewegte Geschichte. Der Krefelder Architekt Piet Reymann hat für sein Stadthaus-Gutachten diese Historie aufgearbeitet – auch als Mahnung.

1950 gebaut, ab 1978 von der Krefelder Stadtverwaltung genutzt, seit 2011 vom Abriss bedroht — das Gebäude von Architekt Egon Eiermann hat eine bewegte Geschichte. Der Krefelder Architekt Piet Reymann hat für sein Stadthaus-Gutachten diese Historie aufgearbeitet — auch als Mahnung.

Piet Reymann geriet ins Schwärmen, als er am Dienstag im Rathaus über den Architekten des Stadthauses, Egon Eiermann (1904—1970), sprach: "Er war einer der großen Architekten der Republik, wer sich damals einen Eiermann leisten konnte, musste schon zur deutschen Großindustrie gehören."

Eigentliche Aufgabe des Krefelder Architekten Piet Reymann war es, als Gutachter über die Schäden des Stadthauses zu berichten. Zuvor "leistete" er sich aber einen kleinen Exkurs in die Geschichte des Hauses, zeigte Fotos, die von der einstigen Modernität des Baus zeugten.

1950 bis 1953 wurde nach Plänen von Egon Eiermann ein Verwaltungsgebäude für die Vereinigte Seidenwebereien AG (Verseidag) an der heutigen Girmesgath, damals "Johannes-Blum-Straße" gebaut. In seiner Blütezeit beschäftigte das Unternehmen, 1920 aus einer Fusion mehrerer Krefelder Seidenwebereien hervorgegangen, 6000 Mitarbeiter an acht Standorten.

Deshalb musste die Verseidag auch die Verwaltung ausbauen; und ließ sie von Eiermann neu errichten. Der Architekt wurde später bekannt durch den Bau des "Langen Eugen", des Abgeordnetenhauses für den Deutschen Bundestag in Bonn. Vor Krefeld hatte Egon Eiermann schon drei Großprojekte realisiert: unter anderem das Fabrikgebäude des Total-Werks in Apolda (1938/1939) und die Taschentuchweberei in Blumberg/Baden (1949/1951).

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Die expandierende Krefelder Stadtverwaltung kaufte der Verseidag das heute denkmalgeschützte Haus 1976 ab — alle Außenstellen der Stadtverwaltung wurden im "Technischen Rathaus" gebündelt. Der Umzug dauerte von 1978 bis 1982. Im neu erschienen Buch "Krefelder Stadtgeschichte" heißt es dazu: "Dieser in den 1950er Jahren errichtete Baukomplex lag zwar ein gutes Stück abseits vom Rathaus, eignete sich aber mit seiner Nutz- und Verkehrsfläche von 23 000 Quadratmetern hervorragend, alle weniger publikumsintensiven Dienststellen unter einem Dach zu versammeln."

Knapp 30 Jahre später wird jetzt über den Abriss des Hauses diskutiert. Reymann betonte am Dienstag: Man kann das Gebäude auf jeden Fall weiter als Verwaltungssitz verwenden. Dafür müssten aber 25 Millionen Euro in die Hand genommen werden. Von der Egon-Eiermann-Gesellschaft aus Karlsruhe ist kein Geld zu erwarten.

Wolfgang Vögele, Vorsitzender der Gesellschaft, sagte gestern: " Unsere Gesellschaft ist ein ideeller, gemeinnütziger Verein, der kein Stiftungskapital hat und deshalb nur beratend die Entwicklung der Baute Eiermanns begleiten kann."

Was wird jetzt aus dem Stadthaus? Eine Frage, zwei Schlager: "Wer soll das bezahlen?" oder "Klingeling, hier geht der Eiermann."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Historische Bilder vom Stadthaus

(RP/rl)