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Krefeld: Stolperstein erinnert an Homosexuellen

Krefeld : Bewegende Stolperstein-Verlegungen

Schüler des Fabritianum haben zwei Stolperstein-Verlegungen in Uerdingen und an der St.-Anton-Straße vorbereitet. In Uerdingen wurde an Juden erinnert, an der St.-Anton-Straße an einen Homosexuellen.

Es war ein Tag, an dem die Stärken des Konzepts  „Stolperstein“ deutlich wurden:  Die Verbindung aus historischem Ort, Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus und Engagement von Schülern geben der Verlegungszeremonie  Würde, einen historischen Bogen in die Gegenwart und Empathie.  Schüler des Gymnasiums Fabritianum haben nun an zwei Orten Stolperstein-verlegungen begleitet: an der Oberstraße 37 in Uerdingen und an der St.-Anton-Straße 68, wo ein evangelischer Religionskurs an Johannes Winkels erinnerte, der als Homosexueller inhaftiert wurde und im KZ Dachau  umgekommen ist.  An der Oberstraße wurde mit acht Steinen an Mitglieder der Familien Schaffrath und Lorant erinnert.

Bei der Zeremonie an der St.-Anton-Straße waren neben rund 80 Teilnehmern Oberbürgermeister Frank Meyer und Sandra Franz, Leiterin der Krefelder NS-Dokumentationsstelle zugegen.  Die Abiturienten entrollten  einen großen rosa Winkel, jenem Zeichen, das homosexuelle Häftlinge in den Konzentrationslagern tragen mussten. Unterstützt wurden sie von einigen der  Besucher der Veranstaltung, unter ihnen die Grünen-Bundestagsabgeordnete Ulle Schauws, und Harriet Fischer, Aids-Koordinatorin der Stadt Krefeld. Es war ein bewegender Moment, auch deshalb, weil der Großneffe von Johannes Winkels zugegen war.

Man schätzt, dass im KZ Dachau mehr als 10.000 homosexuelle Männer ermordet wurden. Zu ihnen gehörte auch der Schneider Johann Martin, genannt Johannes, Winkels, geboren am 8. Mai 1907 in Grefrath. Im März 1939 wurde er vom Landgericht Krefeld zu zwei Jahren Haft wegen homosexueller Kontakte verurteilt. Nach einer Odyssee  durch diverse Gefängnisse wurde Winkels 1941 zur „Schutzhaft“ in das KZ Sachsenhausen deportiert; von dort kam er in das KZ Natzweiler im Elsass und 1942 ins KZ Dachau bei München.

Eric Mühle, Schulleiter des Fabritianum, erklärte: „Ich bin gerührt, auf welch eindringliche Weise unsere Schülerinnen und Schüler heute dieses wichtige Zeichen gegen die Diskriminierung von Minderheiten und für Respekt gesetzt haben.“ Julia, Mitglied des Religionskurses, der die Veranstaltung geplant hat, ergänzte: „Die Philosophin Hannah Arendt hat gesagt, ein Verbrechen gegen die Juden sei ein Verbrechen gegen die Menschheit. Wir glauben, dass auch ein Verbrechen gegen Homosexuelle ein Verbrechen gegen die Menschheit ist.“

An der Oberstraße wurde an acht jüdische Opfer der Familien Schaffrath und Lorant erinnert. Alfred Lorant, Jahrgang 1886,  kam 1938 in „Schutzhaft“ und wurde in Dachau ermordet.  Bertha Lorant, geborene Schaffrath, Jahrgang 1899, gelang 1939 die Flucht nach England, ebenso Inge Lorant, Jahrgang 1931, und Amalie „Malchen“ Schaffrath, geborene Gompertz, Jahrgang 1861.  Ernst Schaffrath, Jahrgang 1901, wurde 1938 verhaftet, 1942 deportiert und im KZ in Izbica ermordet. Edith Schaffrath, geborene Davids, Jahrgang 1903, wurde ebenfalls 1942 in Izbica ermordet. Karl Schaffrath, Jahrgang 1902, gelang 1938 die Flucht nach Argentinien. Regine Schaffrath, geboren Schnock, Jahrgang 1912, floh ebenfalls 1938 nach Argentinien.