Stolperstein in Brünen beschädigt

Mutwillig oder unglücklich? : Stolperstein in Brünen beschädigt 

An der Messingplatte des Gedenksteins für Paul Wertheim wurde eine Ecke umgeknickt. Der Staatsschutz ermittelt.

Eine traurig stimmende Entdeckung machten einige Brüner am Wochenende. Denn am Gedenkstein für Paul Wertheim im Gehsteig vor dem Haus Weseler Straße 59 ist eine Ecke des Messingdeckels abgeknickt worden. Zur genauen Ursache gibt es noch keine Erkenntnisse. Es kann lediglich davon ausgegangen werden, dass mit einem stabilen Werkzeug ordentlich Kraft ausgeübt worden ist. Ob vorsätzlich, also mutwillig gehandelt wurde oder ob es eine unglückliche Handhabung beim Schneeräumen war, welche das Metall aufbog, kann derzeit nicht gesagt werden. Tatsache ist, dass es durch Fremdeinwirkung eine Sachbeschädigung an einer äußerst sensibel zu behandelnden Stelle gibt.

Bei dem kleinen Gedenkmal für Paul Wertheim handelt es sich um einen jener Stolpersteine, die Künstler Gunter Demnig seit Jahren für ehemalige jüdische Mitbürger ins Pflaster legt. Sie markieren die Orte, an denen sie gewohnt haben, und geben mit ihren Inschriften Auskunft über die Lebensdaten: Name, Geburtsdatum beziehungsweise Jahrgang, Verbleib. Es sind beklemmende Informationen.

„Deportiert 1941 Riga ermordet“ steht auf Paul Wertheims Stein. Am Samstag war die Sachbeschädigung aufgefallen. Eine Nachbarin, die ebenfalls einen Stolperstein gestiftet hatte, informierte Johann Krieg darüber. Er ist der Initiator der Verlegungsaktion, mit der seit März vergangenen Jahres in Brünen an die Mitglieder der Familie Wertheim erinnert wird. Schmierereien habe es nicht gegeben, schildert Krieg, wohl aber auf jeden Fall eine Sachbeschädigung. Krieg erstattete online Anzeige gegen unbekannt bei der Polizei. Beamte kamen und nahmen den Fall auf. Nun gebe es zwar besagte Vermutung, dass auch beim Schneeschieben die Ecke der Platte umgeknickt worden sein könnte, doch so richtig daran glauben mag Krieg nicht. Wie Polizeisprecherin Andrea Margraf auf Anfrage unserer Redaktion am Montag sagte, wird der Fall für weitere Ermittlungen an den Staatsschutz in Duisburg übergeben.

Johann Krieg hat sich auch schon beim Kölner Künstler Gunter Demnig erkundigt, wie der Schaden behoben werden könnte. Demnach könnte, wenn ein Zurückbiegen nicht gelänge, ein neuer Stein nötig sein. Das allerdings sei mit dem Nachteil verbunden, dass dieser dann nicht mehr hundertprozentig zu den benachbarten Exemplaren passt, weil mittlerweile eine andere Schrifttype für die Gravur benutzt werde.

Hinweise von Zeugen nimmt die Kreispolizei in Wesel unter der Rufnummer 0281 1070 entgegen.

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