Krefeld: Gelebte Inklusion im Seniorenheim

Krefeld: Gelebte Inklusion im Seniorenheim

Seit zehn Jahren gibt es die Kooperation zwischen Heilpädagogischem Zentrum und Cornelius-de-Greiff-Stift.

Ein bundesweites Pilotprojekt ist gestern zehn Jahre alt geworden. Seit dieser Zeit kooperiert das Heilpädagogische Zentrum, kurz HPZ genannt, mit dem Seniorenheim Cornelius-de-Greiff-Stift an der Mengelbergstraße. Es ist in ganz Deutschland das erste Mal, dass eine Kooperation in dieser Form eingegangen wird. Zehn Jahre später nun feiern die Mitarbeiter beider Einrichtungen den Erfolg dieses Modells und empfehlen es wärmstens zur Nachahmung.

Carmen Bender ist seit der ersten Stunde dabei. In diesem Monat arbeitet sie zudem genau 25 Jahre im HPZ. Sie erinnert sich noch gut an ein Ereignis. Eine Seniorin des Seniorenstifts hatte ihren bunten Morgenmantel vermisst. Die Mitarbeiterin der BiAP-Gruppe (Betriebsintegrierte Arbeitsplätze) half ihr beim Suchen und fand den Bademantel schließlich. Das sei schon Jahre her, sagt Carmen Bender. Doch immer, wenn sie die Bewohnerin jetzt treffe, erinnere sich diese an den Vorfall

Ebenfalls von Anfang an dabei ist Dirk Keppler. "Eigentlich wollte ich in der Altenpflege arbeiten. Aber dann habe ich gemerkt, das hier ist auch was, wo ich Menschen helfen kann." In einem Brief bedankt er sich bei Malte Wulbrand, dem Leiter des Seniorenheims. Darin schreibt er: "Wir gehören nicht an den Rand einer Gesellschaft, wir gehören dazu. Es ist ein schönes Gefühl hier zu arbeiten und mehr Verantwortung zu haben. Durch diese Selbstständigkeit bin ich stark geworden. Ich versuche, mit meiner Verantwortung sorgsam umzugehen."

Mit drei Mitarbeitern aus dem HPZ begann vor zehn Jahren die Zusammenarbeit, damals in dem alten Gebäude an der Westparkstraße. "Ich erinnere mich noch an den Spüldienst im Keller und wie häufig damals die Spülmaschine ausgefallen ist. Doch obwohl dann alles von Hand gespült werden musste, waren die Mitarbeiter motiviert und hatten Spaß an der Arbeit", erzählt HPZ-Werkstattleiter Peter Hagen.

Über die Jahre wurden die Arbeiten immer vielfältiger und es entstand ein enger Bezug zu den Mitarbeitern und Bewohnern im Seniorenstift. Bilder von gemeinsamen Feiern - besonders an Karneval - von Kegeltouren und Tagesausflügen zeugen von der guten Stimmung an der Mengelbergstraße. Claudia Verhoeven ist Integrationskoordinatorin im HPZ. Sie ist überzeugt von dem Modell, das nach anfänglichen Berührungsängsten von beiden Seiten inzwischen unkompliziert läuft und dem Status eines Pilotprojektes längst entwachsen ist. An der Arbeit im de-Greiff-Stift interessierte HPZler lernen die Abläufe zunächst bei einem Schnuppertag und anschließend im vierwöchigen Praktikum kennen. "Die BiAP-Gruppe ist ein gutes Team. Fast alle Altersgruppen sind vertreten. Die Mitarbeiter arbeiten im Schichtdienst und haben alle zwei Wochen Wochenenddienst", erklärt Claudia Verhoeven.

Stolz auf "ihre Truppe" ist Gruppenleiterin Tatjana Masold. Sie ist quasi die Mutter des BiAP-Teams und hat die Gruppe mitaufgebaut. "Ich finde es toll, was hier geleistet wird. Hut ab auch an das Unternehmen. Es ist jeden Morgen eine Freude, hier zur Arbeit zu kommen."

Mit Blick auf ihre 24 HPZ-Mitarbeiter sagt die Gruppenleiterin: "Von Euch allen habe ich viel gelernt. Ihr seid ehrlich, auf Euch ist Verlass. Ihr haltet Euer Wort. Und wenn es Probleme gibt, dann sprechen wir uns aus und damit ist dann alles wieder gut."

(bk)