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Kleve: Streit um Frede: Schule spricht mit Kirche

Kleve : Streit um Frede: Schule spricht mit Kirche

Die Mahnung von Propst Johannes Mecking, den Namen des Klever Märtyrers in Ehren zu halten, schlägt hohe Wellen. Bürgermeisterin Sonja Northing möchte das Gespräch zwischen Schule und Kirche abwarten.

Kleves Bürgermeisterin Sonja Northing wird sich, wenn gewünscht, vermittelnd in die Diskussion um die Namensgebung der Gesamtschule Kleve und um das Andenken an Wilhelm Frede einbringen. Das ist ein Angebot, das seitens der Bürgermeisterin steht. Zunächst aber werden der Leiter der Gesamtschule, Jürgen Schmitz, und Propst Johannes Mecking miteinander reden, sagte sie gestern. Nach diesem Gespräch könne man dann weiter sehen.

In seiner Pfingstpredigt hatte Propst Mecking von der Kanzel herunter gemahnt, den Namen des Märtyrers Wilhelm Frede in Andenken zu halten, ihn nicht aus den Namenslisten der Klever Schulen zu tilgen. Das zeigt, wie wichtig Mecking - und mit ihm vielen Klevern - das Andenken an die Person Fredes ist. Frede wurde im KZ Sachsenhausen von den Nazis ermordet, weil er sich dem Regime entgegenstellte (so Paul Gerhard Küsters im Band I der Klevischen Lebensbilder), weil er jüdischen und verfolgten Mitbürgern zur Ausreise in die Niederlande verhalf und Leben rettete. Er wurde 66 Jahre alt. Frede war über 40 Jahre im Dienst des niederländischen Konsulats und wurde 1938 von Königin Wilhelmina in den Orden von Oranien-Nassau aufgenommen. Der Wahlspruch des Ordens: "Ich werde standhalten". Frede bezahlte für das Standhalten mit dem Tod.

Nach ihm wurde die Wilhelm-Frede-Hauptschule in Kleve benannt. Die Schule ist inzwischen aufgelöst, in ihr Gebäude wird die Gesamtschule ziehen. Die aus der Realschule an der Hoffmannallee hervorgegangene, erste Gesamtschule Kleve möchte aber nicht den Namen des Märtyrers tragen, beschloss die Schulkonferenz. Ein Beschluss, an den sich in der Regel der nachfolgende Schulausschuss der Stadt hält, weil nach dem Schulgesetz die Schulen ihren Namen selber finden und Vorgaben machen. Das sagten gestern Hedwig Meyer-Wilmes (Grüne), Petra Tekath (SPD) und Wolfgang Gebing (CDU) als Chefs ihrer Fraktionen unisono. Dennoch klang in anderen Gesprächen der Subtext durch, dass die Politik überrascht war, den Namen "Am Forstgarten" zur Kenntnis zu nehmen. Man habe eigentlich damit gerechnet, dass die Schule an Frede festhalte, hieß es von vielen.

"Es ist Sache der Schule, der Schulleitung, der Eltern, über den Namen der Schule zu diskutieren. Wir würden uns da nicht mit einer Weisung einmischen - wir nehmen das zur Kenntnis", sagt Petra Tekath (SPD), Vorsitzende des Schulausschusses. Zur Mahnung Meckings wirft sie ein, dass die Kirche doch ein Mitglied im Schulausschuss habe und sich schon dort hätte zu Wort melden können. "Das kam ja nicht wie Phönix aus der Asche", sagt Tekath. Sie verwies auch darauf, dass Schmitz im Schulausschuss betont habe, den Namen in Ehren halten zu wollen und dass die Frede-Plakette am Gebäude erhalten bleibe.

Auch Hedwig Meyer-Wilmes (Grüne) fragt sich, warum die Kirche sich nicht im Schulausschuss zu Wort gemeldet hat. (Antwort: Ein Vertreter der Kirche fehlte in der Sitzung.) Sie erkenne die große Bedeutung Fredes an - und dass Mecking das Wort für Frede erhoben habe. Meyer-Wilmes findet die Argumentation Meckings in sich auch schlüssig, sagt sie: "Natürlich müssen wir das Andenken an Wilhelm Frede wahren." Aber das könne die Kirche auch, indem sie ein kirchliches Gebäude, beispielsweise ein Jugendheim, nach dem Märtyrer benenne.

"Ich bedauere den Verlauf der Diskussion, denn keiner will die Bedeutung Fredes in Frage stellen, der als wichtige Persönlichkeit eine Vorbildfunktion für alle Klever hat", sagt CDU-Fraktionschef Wolfgang Gebing. Er blickt aber auch auf das angekündigte Gespräch zwischen Schule und Kirche: "Wir als CDU hätten es begrüßt, wenn die neue Schule den Namen Frede führen würde", sagt der CDU-Fraktionschef. Die CDU werde alles daran setzen, dass das Andenken an die Persönlichkeit Wilhelm Fredes gewahrt werde und nicht der Geschichtsvergessenheit anheimfalle. Jörg Cosar, Ehrenvorsitzender der Stadtschulpflegschaft, hätte sich gewünscht, dass man diese Diskussion hätte führen können, bevor die Schulkonferenz zu ihrem Beschluss kam.

Michael Bay (Grüne) zeigte Verständnis für die Entscheidung der Schulkonferenz, verwahrte sich aber ebenso dagegen, das als Entscheidung gegen Frede zu sehen, und von wem auch immer in der Diskussion in eine "rechte Ecke gestellt zu werden".

(mgr)