Kleve: Lange Haftstrafen für Puppa-Räuber

Kleve: Lange Haftstrafen für Puppa-Räuber

Der Gerechtigkeit war genüge getan, als die 1. große Strafkammer des Landgerichts Kleve die beiden Angeklagten für lange Jahre ins Gefängnis schickte, doch ihr Opfer sorgte sich um ganz etwas anderes: "Die sollen mir sagen, wo meine Handtasche ist!" empörte sich die Klever Kult-Wirtin Marie-Luise Klar ("Puppa Schmitz").

Sie saß in den Zuschauerreihen und berichtete, dass sie nach dem Überfall 10 000 Euro investiert habe, um ihre Wohnung zu sichern: "Bei mir kommt keiner mehr rein."

Die letzten, denen es gelungen war, saßen auf der Anklagebank und hörten regungslos zu, wie der Vorsitzende Richter Jürgen Ruby das Urteil verkündete: Beide Angeklagten seien des besonders schweren Raubes in Tateinheit mit Freiheitsberaubung schuldig. Attile Ö. wurde zu 8 Jahren Haft verurteilt, sein Komplize Veysi K. muss für 9 Jahre hinter Gitter. Staatsanwalt Nico Kalb hatte für beide Täter neun Jahre Haft gefordert. Das unterschiedliche Strafmaß erklärt sich aus der Tatsache, dass beim ersten Täter diverse Bewährungen liefen, während der zweite gerade erst Ende vergangenen Jahres wegen anderer Raubdelikte zu einer gut sechsjährigen Strafe verurteilt worden war, die nun mit eingerechnet wurde. Eindringlich schilderte Ruby, dass die nächtliche Begegnung mit den Kriminellen für das Opfer ein schwerer Schock gewesen sei. "Die Zeugin selbst ist trotz ihres Alters sehr 'tough' aufgetreten", so Ruby, doch als sie auf die Geschehnisse in jener Mainacht 2011 zu sprechen kam, sei sie regelrecht zusammengebrochen.

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Die Tat selbst begann nach Auffassung der Kammer als Einbruch, so wie es die beiden Angeklagten in ihren Geständnissen auch geschildert hatten. Als die beiden Täter dann überraschenderweise Marie-Luise Klar begegneten, die in ihrer Wohnung eingenickt war, "wandelten sie den bis dahin geschehenen Einbruch in einen besonders schweren Raub um". "Geld her, oder du bist tot!" Das war der Schlüsselsatz aus dem Mund von Attile Ö., den die Wirtin nur als massive Drohung verstehen konnte – aufgrund der Tatsache, dass der Täter eine Brechstange in seiner Hand hielt. Geistesgegenwärtig öffnete Marie-Luise Klar den Tresor, aus dem Ö. dann 4500 Euro Bargeld entnahm. Außerdem stahlen die Räuber Schmuck im Wert von 10 000 Euro. Ausführlich beschäftigte sich die Kammer mit der Frage, wie die Kokainsucht von Ö. zu bewerten sei. Sie kam zu dem Ergebnis, dass weder die Schuldfähigkeit beeinträchtigt sei noch die Voraussetzungen dafür vorliegen, den Mann in eine therapeutische Einrichtung zu schicken. Ruby: "Wir sind davon überzeugt, dass sich der Angeklagte nicht geändert hat und sich kein Therapieerfolg einstellen wird." Ö. war fünf Jahre lang in Bedburg-Hau behandelt worden, zunächst - wie es schien - mit Erfolg. Doch nach einer privaten Krise wurde er wieder rückfällig. Der Überfall auf Marie-Luise Klar diente denn auch der Beschaffung von Geld, um die Drogensucht zu finanzieren. "Es tut mir sehr leid, aber ich bin krank", hatte Ö. in seinem Schlusswort vor der Urteilsverkündung gesagt. "Ich hoffe, dass ich eine Perspektive bekomme, ich brauche Hilfe." Dem mochte die Kammer gestern so nicht folgen.

(RP)