Kleve: Puppa's Saloon: Funker im Wilden Westen

Kleve : Puppa's Saloon: Funker im Wilden Westen

Unter dem Motto "Kommt gej öwer den hond" feierten die Klever Schwanenfunker eine tolle Sitzung in der Stadthalle.

Wenn die Stadthalle in rot und weiß gehüllt ist und die Narren sich bereits vor Beginn zum Schunkeln einhaken, kann es sich nur um die Prunksitzung der Klever Schwanenfunker handeln, in diesem Jahr unter dem Motto "Kommt gej öwer den hond". Sitzungspräsident Walter Heicks versprach den Funkern eine "energiegeladene Sitzung" und behielt Recht: Tänze, musikalische Höhepunkte und spitzzüngige Bütten rissen die Jecken mit.

Den Auftakt in einen kurzweiligen Abend machte Elisa Schütt als Solomariechen. Nicht nur ihr rhythmischer Tanz, sondern auch die Anekdote rund um ihren Auftritt begeisterte das Publikum: Elisa hat für die Sitzung ihre Klassenfahrt verschoben; nach Ende der Jeckenversammlung brachte ihre Mutter sie nach Zürich. Traditionell präsentierte Michael Rübo als Klever Narr die erste Bütt und nahm kein Blatt vor den Mund. Rübo hält Kanzlerin Merkel für die "Raute nimmersatt" und ruft auf, die Ehe für alle und das dritte Geschlecht zu akzeptieren. Frei nach dem Grundsatz: Leben und leben lassen.

Für einen Höhepunkt sorgte Prinz Maarten der Lachende, der laut Heicks "strahle wie ein Honigkuchenpferd". Mit seiner mitreißenden Art wusste er die Karnevalsgesellschaft für sich und seinen Anhang zu gewinnen. Von den Funkern erhielt er neben dem letzten Glasbild seit Jahrzehnten ein XXL-Schnitzel, nachdem er sich bei der Sitzung der Germania darüber pikiert hatte, dass keines der im Publikum herumgereichten Schnitzelbrötchen den Weg zu ihm gefunden hatte. Seine Prophezeiung: der Rosenmontagszug wird bei 44 Grad stattfinden.

Wilhelm "Pooge Wim" Lievertz - zum letzten Mal in der Funker-Bütt. Foto: Markus van Offern

Auch nach dem Einzug des Karnevalsoberhaupts boten die Rot-Weißen Bütten der Spitzenklasse. Ein Student, Noah Sievernich, berichtete von seinen Erfahrungen beim Studienbeginn in Dresden und zeigte, dass Mütter hartnäckiger sind als beißwütige Pitbulls. Auch die Bütt von Gisela Grunewald befasste sich mit realitätsnahen Alltagserfahrungen im Wartezimmer des Arztes. Die "Rabauken" vom Johanna-Sebus-Kiosk legten die Finger pointiert in lokale Wunden: Die Feierlichkeiten des 775. Jubiläums der Stadt seien an der Bevölkerung vorbeigegangen und Ex-Bürgermeister Theodor Brauer stelle noch immer die "graue Eminenz" in Kleve dar. Einen Stimmungshöhepunkt stellte der kreative Beitrag "Puppa's Saloon" dar, der die Kult-Kneipe am Bresserberg mehrere hundert Jahre und in das Amerika des Wilden Westens zurückversetzte. Sogar die musikalischen Beiträge färbten sich in lokaler Folklore. Der Funkerchor erinnerte an die 30er-Jahre in Kleve, als die "Elektrische" fuhr und das Hotel Bollinger das Stadtbild prägte. Auch die "Funker-Twens" bearbeiteten politische Themen: Der Abschied der Fähre "Martin Schenk" sorge bei dem Quartett noch immer für wehmütige Gedanken, das mittlerweile auf mehr als 140 Jahre Bühnenerfahrung zurückblicken darf.

Ähnlich viel Erfahrung bei der Prunksitzung der Funker hat Wilhelm "Pooge Wim" Lievertz, der nach 22 Jahren letztmalig seine beliebte Bütt als "Metzger Wim" hielt. Doch auch nach seinem Abschied von der Bühne bleibe er ein "Streiter für gute Sitzungen". Der Beitrag von "De Buur van den Hau", Michael Heuvelmann, zeugte von einer intensiven Schulzeit in Hau. Die Chaoten stellten hingegen die Zustände auf der Toilette der Stadthalle humoristisch dar. Ehe sich die Karnevalisten in die kalte Klever Nacht entließen, sorgte der Showtanz für einen Höhepunkt.

Darauf ein dreifaches Gut Funk Helau.

(RP)
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