Kleve: "Puppa": Kein kurzer Prozess

Kleve: "Puppa": Kein kurzer Prozess

Vor dem Landgericht Kleve läuft derzeit der Prozess gegen die beiden Männer, die Kleves bekannteste Gastwirtin "Puppa Schmitz" überfallen und ausgeraubt haben sollen. Anwälte versuchen das Verfahren in die Länge zu ziehen.

Freunde des amerikanischen Profisports hätten sich am Mittwoch wohlgefühlt im Sitzungssaal A 110 der Klever Schwanenburg, denn das Geschehen erinnerte sehr an Abläufe solcher Partien: ein paar Sekunden Handlung, dann eine Unterbrechung, Auszeit, Beratung – und dann wieder ein wenig Spielzeit.

Hätte nicht am frühen Nachmittag ein Polizeibeamter eine erste, wenn auch vage Aussage zur Sache gemacht, hätten unbeteiligte Prozessbeobachter unmöglich wissen können, dass hier die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Kleve unter Vorsitz von Richter Jürgen Ruby gegen zwei Männer verhandelt, denen laut Anklage schwerer Raub vorgeworfen wird – und die im Brennpunkt des öffentlichen Interesses stehen, weil sie auf die Idee gekommen sein sollen, Kleves prominente Wirtin Marie-Luise Klar, die alle nur als "Puppa Schmitz" kennen, überfallen zu haben.

Eigentlich sollte sie am Mittwoch als Zeugin gehört werden, doch die Kammer musste die Befragung verschieben, nachdem die fünf Anwälte der Angeklagten (neben den beiden Männern noch eine Frau, der Strafvereitelung vorgeworfen wird) bereits zum Prozessauftakt vor neun Tagen ein Feuerwerk an Anträgen abgebrannt hatten.

Auch am gestrigen Mittwoch, dem zweiten Verhandlungstag, boten die Juristen ihren geballten Sachverstand auf, um die Verhandlung zur Strecke zu bringen. Der Prozesstag begann bereits mit einer halben Stunde Verzögerung, weil es einer der auswärtigen Verteidiger nicht rechtzeitig bis nach Kleve geschafft hatte. Ein anderer hatte vor sich einen Aktenstapel aufgetürmt, der eine gute Handbreit höher war als der aufgeklappte Laptops seines Kollegen links von ihm. So etwas signalisiert Kampfbereitschaft.

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Dennoch musste die Verteidigung am MIttwoch vor allem einstecken. Es begann damit, dass Ruby routiniert, man könnte fast meinen gelangweilt, die Ablehnung eines Befangenheitsantrages herunterrasselte. Sechs Minuten später gab der Vorsitzende Richter bekannt, dass die Verteidiger ein sogenanntes "Rechtsgespräch" wünschten.

Dabei wird hinter verschlossenen Türen versucht, im Rahmen der Strafprozessordnung ein bisschen zu schachern – frei nach dem Motto: Wenn mein Mandant gesteht, möchte er eine etwas mildere Strafe. Das Vorgehen ist verständlich, denn allein für schweren Raub sieht das Gesetz eine Mindeststrafe von fünf Jahren Haft vor. Erpresserischer Menschenraub und Freiheitsberaubung könnten hinzukommen. Das Rechtsgespräch blieb ohne greifbares Ergebnis.

Am Nachmittag wurde schließlich der erste Zeuge vernommen. Es war ein Polizeibeamter, der das auf der Anklagebank sitzende Trio im April um Mitternacht dabei beobachtet hatte, wie es im Auto langsam eine Straße auf und ab fuhr. Er stellte die Personalien der drei Insassen fest, wunderte sich über deren ausnehmende Freundlichkeit – und schrieb dann einen Beobachtungsbericht. "So einen Bericht schreibt man, wenn einem das Bauchgefühl sagt, da stimmt was nicht", so der Beamte.

(RP/rl)