Kevelaer: Sonsbeck wirbt Schüler ab

Kevelaer: Sonsbeck wirbt Schüler ab

Für die Hauptschulen Kevelaer und Weeze haben sich weniger Schüler angemeldet als im Vorjahr. Allein 17 Kevelaerer wollen die kleine Hauptschule in Sonsbeck besuchen. Weeze bekommt keine Realschulklasse.

Die bange Frage nach den Anmeldezahlen für die Hauptschulen im Kreis ist entschieden. Auch in Kevelaer und Weeze ist jetzt bekannt, mit wie viel Schülern fürs nächste Schuljahr in etwa gerechnet werden kann. Die Zahl dürfte jeweils als Mindestgröße zu verstehen sein, weil sich meist noch Nachzügler anmelden. Derzeit sieht's so aus: Für die städtische Hauptschule Kevelaer haben sich 54 Mädchen und Jungen angemeldet, an der Weezer Hauptschule wird eine Klasse mit vermutlich 18 Kindern gebildet.

Für den Hauptschulbereich von Weeze und Uedem hat Rektor Dirk Kreulich insgesamt 36 Anmeldungen. Einen Realschulzweig wird's aber weiter nur in Uedem geben: 30 Anmeldungen reichen nicht aus, um auch die Weezer Schule aufzuwerten.

Kleine Klassen

  • Kommentar : "Eigene" Schule ein Standortfaktor

Rektor Ralph Lenninger will seine 54 (er geht von einigen mehr aus) angemeldeten Schüler auf drei Klassen verteilen – "ich hab' zwar zu wenig Lehrer, aber kleine Klassen sind für Hauptschulen besonders wichtig." Im vergangenen Jahr hatte er noch einige Anmeldungen mehr. Neben der deutlichen Tendenz vieler Eltern, die Hauptschule möglichst zu vermeiden, gibt es dafür einen Grund: Die Gemeinde Sonsbeck wirbt von ihren Nachbarn Schüler ab. Bürgermeister Leo Giesbers tut dies nicht heimlich, sondern geht mit dem Thema ganz offensiv um. "Es gibt die freie Schulwahl, und wir müssen alles tun, die einzige weiterführende Schule am Ort zu erhalten. Deshalb zahlen wir Schülern, die von auswärts kommen, die Fahrtkosten." 17 Kinder aus Kevelaer, muss Lenninger zugeben, haben sich in diesem Jahr für den Schulort Sonsbeck entschieden. Hinzu kommen vereinzelte Kinder aus Geldern-Kapellen und aus Xanten, die ab Sommer die Sonsbecker s'Grooten-Schule besuchen werden. Darunter seien natürlich einige, die aus Winnekendonk oder Kervenheim kommen und es nach Sonsbeck nicht viel weiter haben als nach Kevelaer. Aber es führen auch durchaus Kinder aus Kevelaer-Mitte nach Sonsbeck. Schließlich entstünden ihnen dadurch keine Zusatzkosten. Die s'Grooten-Schule ist klein und gemütlich, dank der "Auswärtigen" kann Schulleiterin Angelika Platzen zwei Eingangsklassen bilden.

43,90 Euro kostet eine Schüler-Monatskarte von Kevelaer nach Sonsbeck. Wenn die kleine Kreis Weseler Kommune für rund 20 Kinder die Fahrkarte zahlt, sind das immerhin 800 Euro monatlich und geschätzte 8000 Euro im Jahr (in den Ferien gelten sie nicht).

Wenn der Sonsbecker Rat heute seinen Haushalt verabschiedet, weist der immerhin einen Fehlbetrag von 1,3 Millionen Euro auf, die aus der Rücklage gedeckt werden müssen – die Gemeinde hat also nichts zu verschenken. Die Standortstärkung geht aber noch weiter: Auch zu jeder Geburt zahlt Sonsbeck 100 Euro (Einkaufsgutscheine der ortsansässigen Geschäfte). Zum Gratulieren samt Kuvert kommt der Bürgermeister persönlich. KOMMENTAR

(RP)