Kevelaer: Mehrheit für Gesamtschule Weeze

Kevelaer : Mehrheit für Gesamtschule Weeze

Im Schulausschuss sprachen sich die meisten Politiker für eine Investition in das Schulgebäude aus. Zuvor hatten Lehrer vehement für und gegen die Schließung des Standorts argumentiert. Auch die Politik diskutierte kontrovers.

Wie kontrovers die Zukunft der Gesamtschule auch im Lehrerkollegium diskutiert wird, machte die Schulausschuss-Sitzung mehr als deutlich. Selten ging es bei der Fragestunde für Einwohner so emotional zu wie an dem Abend. Ans Mikro gingen zwei Pädagogen, die vehement für und gegen die Schließung des Standorts Weeze argumentierten. Tristan Tiedtke machte deutlich, dass die Mehrheit der Lehrer "eindeutig" dagegen sei, in den Standort Weeze zu investieren. Tiedtke sprach sogar von "Geldverschwendung". Die Nachteile wie das ständige Pendeln blieben auch bei einem Umbau. "Weeze wird immer die schlechtere Situation haben, die Weezer werden immer pendeln müssen", sagte er. Auch das Land wolle keine Schule an zwei Stellen und gewähre daher keine Zusatzstunden. Die Angst, dass die Weezer Kinder Kevelaer "überfallen" würden, wenn die Schule dort geschlossen werde, sei unbegründet. "Die Kinder können ja auch die Hauptschule Goch oder die Gesamtschule Mittelkreis besuchen." Er appellierte an den Ausschuss, nicht auf ihre Partei, sondern auf die Profis zu hören.

Ganz anders sieht Sonja Johnson die Situation. Auch sie unterrichtet am Standort in Weeze. "Ich befürworte ganz klar, dass der Standort fortgeführt und aufgewertet wird", sagte sie. Natürlich müsse man viel pendeln. Aber durch eine Schließung von Weeze würden die Probleme nur verlagert. Die Situation, dass es an der Weezer Schule schwierige Schüler gebe, ändere man dadurch nicht. Sinnvoller findet sie es daher, hier Hilfestellung durch zusätzliche Sozialarbeiter zu geben.

Tristan Tiedtke (stehend) plädierte dafür, Weeze zu schließen, seine Kollegin Sonja Johnson (daneben sitzend) will den Standort erhalten. Foto: Latzel

Eben genau das gehört zum Konzept für den Ausbau des Standortes. Daher hatte die Verwaltung in den Beschlussvorschlag aufgenommen, dass zusätzliche Stellen für pädagogische und Verwaltungsarbeit zur Verfügung gestellt werden sollen. Die Diskussion im Ausschuss war ebenso kontrovers wie die Appelle der beiden Lehrer. Die KBV war dafür, Weeze auszubauen. Die Probleme mit dem Pendeln seien bekannt und kein Grund, den Vertrag mit Weeze zu kündigen. Angelika Kobsch von der CDU machte deutlich, dass die Entscheidung zu einer Gesamtschule mit zwei Standorten richtig war und weiterhin sei. Der Umbau werde eng mit dem pädagogischen Konzept der Gesamtschule verwoben. Ziel von Weeze sei auch, die eigene Wahrnehmung der Schule zu verbessern. Auch die SPD sprach sich klar dafür aus, den Ausbau der Schule in Weeze finanziell zu unterstützen. Brigitte Middeldorf sagte, dass sie in Schulleitung und Lehrer vertraue, dass sie ein Konzept entwickeln könnten, mit dem sich die Schule auch in der Konkurrenz zur neuen Gesamtschule in Geldern behaupten könne.

Birgitt Höhn von den Grünen hatte argumentiert, dass Eltern sich schon nach Geldern orientieren würden. Elisabeth Fischer meinte, die Schüler seien gestresst, die Lehrer noch mehr. "Wir wollen nicht, dass die Lehrer hastig ihr Brot essen müssen und durch das Pendeln keine Zeit für ein Gespräch mit den Schülern bleibt." Jan Itrich (FDP) findet das Pendeln inakzeptabel. Er glaube nicht, dass der Standort nach dem Umbau zusätzliche Schüler anziehen werde. Das Geld solle man daher lieber in Kevelaer investieren und dort die Kräfte bündeln. Schuldezernent Marc Buchholz stellte die Frage: "Wollen wir in Kevelaer ein noch größeres Schulzentrum? Ein Ausbau hier würde auch das Gymnasium betreffen." Er plädierte dafür, den Standort Weeze beizubehalten. Mit den Stimmen von CDU, KBV und SPD empfahl der Ausschuss dem Rat, das Geld für Weeze zur Verfügung zu stellen. Grüne und FDP stimmten dagegen.

(zel)
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