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Stadt Kempen: Zeche: Politik vertagt Entscheidung

Stadt Kempen : Zeche: Politik vertagt Entscheidung

Der Bau- und Denkmalausschuss hat sich gestern Abend nicht grundsätzlich dagegen ausgesprochen, das Areal der ehemaligen Schachtanlage in Tönisberg unter Schutz zu stellen. Die Initiative ist nun am Zug, ein Konzept vorzulegen.

Schon von weitem strahlte er in der Dunkelheit und kam man von Krefeld auf der Bundesstraße 9 oder von St. Hubert auf der Kreisstraße 23 angefahren, stand er wie ein schöner Adventsgruß vor dem Nachthimmel — der Tönisberger Förderturm. Dieses Schauspiel soll nach dem Willen von Peter Kunz und seinen Mitstreitern als ein Signal an jedem der kommenden Adventssonntage stattfinden — die RP berichtete.

Die Erlaubnis zu diesem Lichtspiel hatte die RAG, die beabsichtigt den Turm abreißen zu lassen, nach einigem Zögern gegeben. Nach dem Willen von Peter Kunz, dem ehemaligen Bergmann, und dem Wunsch von vielen Tönisbergern, den sie in einer Unterschriftenliste vielfältig bekundet haben, soll der Zechenturm — neben der Windmühle immer wieder als ein weiteres Wahrzeichen des Bergdorfes herausgestellt — auch nach Schließung der Zeche und dem Ende des Bergbaus erhalten bleiben.

Zu diesem Zweck hatten sich am Sonntag etwa 40 Interessierte zusammengefunden, um erste Schritte in Richtung Förderverein zu diskutieren. Auch Vertreter der Grünen, der SPD und der CDU waren anwesend. Eine Satzung wurde vorgestellt. Mit dieser Satzung hofft man, die Gemeinnützigkeit festgestellt zu bekommen, und will dann weitere Schritte einleiten.

Bis März soll auch ein Konzept zur Folgenutzung aufgestellt werden. Kunz und seine Mitstreiter stellen sich vor, eventuell Platz für Veranstaltungen unterschiedlicher Art zu schaffen. Vor Jahren wurde das Gelände schon einmal für ein Rockkonzert genutzt. Kunz schwebt vor, etwas entstehen zu lassen, dass allen Altersklassen dient. Noch handelt es sich um eine Vision, die aber vielleicht mit der Hilfe vieler wahr werden könnte. "Es gibt eine sehr gute Resonanz, die sich auch bei Facebook niederschlägt," betonte Kunz und zeigte sich erfreut darüber, dass auch von außerhalb Liebhaber des Förderturms ihr Interesse bekundeten.

Ein Wehrmutstropfen ist für Kunz die Zurückhaltung des Tönisberger Heimatvereins. Zwar betont der Vorsitzende Peter Raulf, dass jedes Mitglied des Heimatvereins gern auch Mitglied des Fördervereins werden könne, der Verein selbst sich aber nach eindeutigen Beschlüssen nicht in der Lage sieht, den neuen Förderverein zu unterstützen.

Bei dem Förderturm, der 1961 durch die Gutehoffnungshütte errichtet wurde, handelt es sich um ein Schachtgerüst, das durch eine außenstehende Fördermaschine angetrieben wurde und das damals etwas Besonderes war. Daher, so Kunz, sollte sorgfältig geprüft werden, ob dieses Bauwerk nicht zuletzt auch als Erinnerung an jene fünf Kumpel, die im Schacht IV ihr Leben ließen, erhalten werden kann.

(VM01)