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Haan: Vereinsheim: SSVg laufen Kosten davon

Haan : Vereinsheim: SSVg laufen Kosten davon

Die Spiel- und Sportvereinigung 06 Haan bittet die Stadtverwaltung und den Stadtrat, die Pacht zu senken und das städtische Gebäude zu renovieren.

Mitten in die stockenden Haushaltsplanberatungen des Stadtrates platzt ein Brief der Spiel- und Sportvereinigung (SSVg) 06 Haan. Geschäftsführer Hans-Peter Flöckinger bittet um Geld — das ist das, was der Gartenstadt gerade am meisten fehlt. Es geht um das Vereinsheim, ein städtisches Gebäude. Seit der Modernisierung der Sportanlage Hochdahler Straße 2009 für rund 1,3 Millionen Euro habe der Verein stetig neue Mitglieder gewonnen und zähle heute über 300 Sportler, die in 21 Mannschaften organisiert sind, erläutert Flöckinger. Seit vier Monaten bemühe sich der Verein um einen Pächter für das Clubhaus: "Trotz intensiver Suche via Presse, Internet und Mundpropaganda konnten wir bisher keinen geeigneten Kandidaten finden."

Das liegt für Flöckinger vor allem an den zu erwirtschaftenden Kosten und dem Zustand des Gebäudes. Er rechnet 18 650 Euro Fixkosten aus, die die SSVg 06 jedes Jahr aufbringen müsse, darunter 7800 Euro Pacht. Bei einer Untervermietung müsse der Sportverein noch mindestens 200 Euro zusätzlich nehmen, also 18 850 Euro — weil man für Reparaturen und Ersatz Rückstellungen bilden müsse. Zum Vereinsheim gehöre auch eine Wohnung. Die könne man allerdings nur mit dem Clubhaus und nicht ohne vermieten — weil sie keine eigene Küche habe. Und dann sei da noch der "renovierungsbedürftige Allgemeinzustand". Flöckingers Fazit: "Es ist uns nicht möglich, die Räumlichkeiten zu verpachten." Konsequenz: Seit Oktober wird das Vereinsheim mit ehrenamtlichen Helfern betrieben. "Das zehrt an den Nerven", erklärt Jugendleiter Andreas Pluto: "Das machen die, die sowie schon viel im Verein machen. Und wir haben ja auch noch Berufe und Familien. Wir versuchen, die Gaststätte zu halten. An Samstagen sind hier 200 Sportler auf dem Platz. Aber es fällt uns immer schwerer."

Hinzu kommt: Trotz des großen persönlichen Einsatzes macht der Verein mit dem Betrieb des Vereinsheims "rechnerisch Verluste", schreibt Flöckinger an Rat und Verwaltung. Das Defizit gehe zurzeit auf Kosten des ohnehin knappen Vereinsvermögens. Für den Geschäftsführer der SSVg 06 Haan gibt es nur eine Lösung: Die Pacht müsse gesenkt, die Räume renoviert und vor allem die "Energieeffizenz" verbessert werden. Flöckinger: "Sollte dem nicht entsprochen werden, dann sehen wir uns gezwungen, den Pachtvertrag zu kündigen und die betreffenden Räume besenrein zu räumen."

Das wäre ein Verlust für die 300 SSVg-Mitglieder, die 200 Leichtathleten des Haaner Turnvereins sowie die Sportabzeichen-Erwerber und Haaner Schulsportler, die die Anlage alle nutzen, glaubt auch Herbert Raddatz, Vorsitzender des Sportverbandes Haan. Die Energiekosten und ein Sanierungsstau im Gebäude hätten die Nebenkosten "in nicht vertretbare Höhe" getrieben. Der Dachverband der Haaner Sportler bittet die Stadt Haan deshalb um einen Zuschuss zur Modernisierung der Haustechnik und eine Überprüfung des Pachtvertrages. Die Mittel sollten noch im Haushalt 2014 berücksichtigt werden.

Mit dieser Bitte kommen Verein und Sportverband reichlich spät. Eigentlich sollte der Haushalt am Dienstag beraten und am kommenden Dienstag im Stadtrat beschlossen werden. Was Kämmerin Dagmar Formella überhaupt nicht gebrauchen kann, sind weitere Ausgaben. Ihr fehlen bereits 136 000 Euro, um den Haushaltsausgleich 2020 zu erreichen, räumte sie ein. Allerdings könnten heute Planungsansätze bei der Gebäudeunterhaltung gekürzt werden, damit die Rechnung wieder stimmt. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Düsseldorf kritisiert den Haushaltsplanentwurf der Stadt Haan als teilweise zu optimistisch und konstatiert "ein erhebliches Planungsrisiko".

Die Spiel- und Sportvereinigung pflegt übrigens im Auftrag der Stadt die Sportanlage — bis 2026. Das spart der Stadt Haan Geld. Denn die Sportler kontrollieren und bedienen die Bewässerungs- und Flutlichtanlage, kümmern sich um Heizung, Elektroanlage und Maschinenpark. Sie leeren die Mülleimer, reinigen die Rinnen und die Bänke. Dafür bekommt der Verein einen bestimmten Betrag. Die Ehrenamtlichen erledigen die Platzpflege aber 66 Prozent günstiger als früher der städtische Bauhof.

(RP)