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Haan: Awo wirbt für mehr Abschiedskultur

Haan : Awo wirbt für mehr Abschiedskultur

Der Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt erhält für sein dreijähriges, vielseitiges Projekt rund 92 000 Euro Fördermittel.

Einen besseren Titel für sein auf drei Jahre angelegtes Projekt hätte der Haaner Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt wohl kaum finden können: "Sag Ja zum Leben" ist es überschrieben, Begleitung und Selbstbestimmung bis zum Lebensende stehen im Mittelpunkt einer Vielzahl geplanter Veranstaltungen und Angebote. Die Idee, sich intensiv der Abschiedskultur zu widmen, beeindruckte auch den Ausschuss "Glücksspirale" bei der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Berlin. Das Gremium stufte das Projekt, mit dem sich die Awo Haan im vergangenen Jahr beworben hatte, für förderungswürdig ein und bezuschusst das Vorhaben nun mit 92 000 Euro.

"Die Idee zu dem Projekt entstand während der täglichen Arbeit in unserem Treff für Alt und Jung", erläuterte Frieder Angern gestern bei einem Pressegespräch. Der Vorsitzende des Awo-Ortsvereins erhielt im November die Bestätigung, dass "Sag Ja zum Leben" ausgewählt wurde. In einem Telefonat mit dem Bundesverband der Awo berichtete er einer Mitarbeiterin von der Zusage. "Sie machte mir erst richtig klar, welch einmalige Chance sich uns damit bietet. Denn ausgewählt zu werden, das käme einem Sechser im Lotto gleich", schilderte Angern.

Nun wollen er, die Projektleiterin Jutta Barz und der Psychologe Paul Rath versuchen, die Themen Krankheit, Abschied, Tod und Sterben mit unterschiedlichen Angeboten positiv anzugehen. "Wir wollen sie aus der Tabu-Zone holen, damit sich die Leute offen und unvoreingenommen mit ihnen auseinandersetzen können", beschrieb Barz die Zielsetzung. Zudem wolle man den Menschen darin unterstützen, ihre Angelegenheiten frühzeitig selbstbestimmt bis zum Lebenende zu regeln, zum Beispiel in Form einer Patientenverfügung. Die Begegnungsstätte der Awo an der Breidenhofer Straße soll im Laufe der drei Jahre, in denen das Projekt läuft, zu einem Forum für Information, Austausch, Beratung und Unterstützung zu dem Themenkomplex werden.

"Für den Ortsverein stellt das Vorhaben eine immense Herausforderung dar", betonte Angern. Er baut jedoch auf die Kooperation mit Partnern wie den Kirchen und der Volkshochschule. Sowohl ihm als auch Jutta Barz war es wichtig zu betonen, dass der Ortsverein seine Projektarbeit keinesfalls bei Null beginnt, "denn wir leisten bereits vielfältige Beratung für unterschiedliche Lebenssituationen".

Diese Beratung soll nun jedoch vertieft werden und viele praktische Fragen der Menschen aufgreifen: Was tun im Krankheitsfall? Wie sieht es aus mit der Unterbringung zuhause oder in einem Heim? Welche Vorsorge kann jeder für sich treffen? Wie ist die Versorgung in Haan strukturiert? Berücksichtigen wollen die Projektverantwortlichen auch die Tatsache, dass immer mehr ältere Menschen allein leben und auf Hilfe angewiesen sind.

Das Projekt zielt auch auf Menschen ab, die sich ehrenamtlich engagieren wollen, ab. Sie sollen fortgebildet und fachlich begleitet werden sowie Grundkenntnisse in zentralen projektbezogenen Bereichen erhalten, etwa zum Umgang mit älteren Menschen, zu Krankheitsbildern und den gesetzlichen Rahmenbedingungen. Den dritten Eckpfeiler bildet ein Angebot für Angehörige von Menschen, die Suizid verübt haben, und die in einer von Paul Rath betreuten Gruppe die Möglichkeit zum Austausch erhalten werden — einmalig im Kreis Mettmann.

Im Laufe des Projekts will die Awo vielfältig in Erscheinung treten: mit Lesungen, Infoabenden, einer Filmreihe, Ausstellungen, Exkursionen, Podiumsdiskussionen und einem Theaterstück (siehe Infokasten).

(RP)