Grevenbroich: Weitere Orchideen-Art in der Stadt entdeckt

Grevenbroich: Weitere Orchideen-Art in der Stadt entdeckt

14 Arten sind in Grevenbroich schon ausfindig gemacht worden. Die Standorte halten die Orchideen-Jäger meist geheim - damit niemand in Versuchung kommt, die Pflanzen für den Garten auszugraben.

Hans-Josef Bolzek und seine Mitstreiter haben die mittlerweile 14. wilde Orchideen-Art im Stadtgebiet entdeckt. Das zarte Pflänzchen heißt "Dactylorhiza majalis" und ist auch unter dem etwas einfacher auszusprechenden Namen Breitblättriges Knabenkraut bekannt. Groß ist die Ausbeute der Orchideen-Jäger allerdings nicht. "Wir haben lediglich ein Exemplar gefunden", schildert der Frimmersdorfer. "Und das an einer eher untypischen Stelle, nämlich an einem Waldrand auf der Königshovener Höhe". Das purpurrote Gewächs bevorzugt in der Regel feuchte Wiesen.

Foto: Bolzek

Den Tipp, dass auf der rekultivierten Halde möglicherweise eine "Dactylorhiza majalis" blühen könnte, hatten die Mitglieder vom "Arbeitskreis Heimische Orchideen" (AHO) über die RWE-Forschungstelle für Rekultivierung erhalten. "Obwohl skeptisch, haben wir natürlich sofort nachgeschaut", schildert der 73-Jährige. Nach einer intensiven Suche vor Ort stießen die Orchideenfreunde schließlich auf ein Exemplar der meist bis zu 40 Zentimeter hoch werdenden Pflanze. "Sie konnte zweifelsfrei identifiziert werden", sagt Bolzek. Der Frimmersdorfer ist jetzt gespannt darauf, ob sich das Breitblättrige Knabenkraut, das nur im Mai blüht, am Standort halten wird. "Wir werden nächstes Jahr selbstverständlich wieder nachschauen."

Foto: Bolzek

Der AHO hat die 14 Orchideen-Arten an rund 80 unterschiedlichen Orten in Grevenbroich ausfindig machen können. Die "Dactylorhiza majalis" ist zwar das jüngste Exemplar, das kartiert werden konnte, beileibe aber nicht das schönste. "Da gibt es weitaus prächtigere Pflanzen", sagt Hans-Josef Bolzek. Etwa das Schwertblättrige Waldvögelein, das für den Laien auf den ersten Blick wie ein riesiges Maiglöckchen aussieht - und das an zwei Stellen im Stadtgebiet blüht. "Zum Glück sind die Standorte recht unzugänglich", berichtet der Frimmersdorfer. "So kann auch niemand auf die Idee kommen, eine solche Pflanze für den heimischen Garten auszugraben - wo sie sich ohnehin nicht halten würde."

Foto: Bolzek
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Etwa 60 Orchideen-Arten gibt es in ganz Deutschland. Hans-Josef Bolzek und seine Mitstreiter hoffen darauf, dass sie in den nächsten Jahren noch den einen oder anderen weiteren Fund in Grevenbroich machen können. Oft sind es kleinere Populationen, auf die die Orchideen-Jäger stoßen, hin und wieder treffen sie aber auch auf Blühwiesen, die sich über etliche Quadratmeter ausdehnen. Damit die Pflanzen nicht überwuchert werden, sorgt der AHO liebevoll für die Pflege der Standorte. "Das macht zwar Mühe, lohnt sich aber", sagt Bolzek.

Foto: Bolzek

Ein Phänomen, das in jüngster Zeit immer häufiger beobachtet wird: Die Orchideen-Familie "Dactylorhiza" vermischt sich munter untereinander. "Sie bringt immer neue Hybrid-Formen hervor - das ist gelebte Evolution", berichtet Hans-Josef Bolzek. Im Elsbachtal und auf der Königshovener Höhe seien diese neuen Hybriden gleich zu mehreren Hundert Exemplaren gefunden worden. "Sie vermehren sich wie verrückt", sagt der 73-Jährige. "Es entstehen immer neue Mischformen - offenbar angepasst an die jeweiligen Standorte." Ob sie sich dort dauerhaft halten werden, sei aber noch ungewiss. Das wird in den nächsten Jahren beobachtet.

Foto: Bolzek

Was die weiteren Aussichten für wilde Orchideen betrifft: Eine immer intensiver betriebene Landwirtschaft bringt die heimischen Populationen mehr und mehr in Gefahr, befürchtet Hans-Josef Bolzek. "Wenn das so weiter geht, sind diese Pflanzen hier irgendwann einmal weg." Der AHO hat es sich auf seine Fahnen geschrieben, die Lebensräume zu beobachten und sie zu schützen. "In Zusammenarbeit mit den Grundstückseigentümern und den Behörden", sagt der 73-Jährige. Würden alle mitspielen, hätten die wilden Orchideen in Nordrhein-Westfalen auch eine Zukunft. Wiljo Piel

Foto: Bolzek
(NGZ)