Grevenbroich: Berle ist die "Lehrerin" mit der kalten Schnauze

Grevenbroich : Berle ist die "Lehrerin" mit der kalten Schnauze

Keine Angst vor großen Tieren: Ein Labrador ist der Liebling in der Klasse 5d. Als Schulhund sorgt er für gutes Klima, lehrt Verantwortung.

Wenn Daniela Merkes (26) zum Unterricht in ihre Klasse 5d geht, hat die Lehrerin nicht nur Tasche und Unterrichtsmaterialien dabei, sondern auch Labradorhündin Berle. Anders als in Fleischereien oder manchen Gaststätten muss die vierjährige Hündin nicht draußen bleiben, im Gegenteil: Auch Berle hat – wie ihre Besitzerin Daniela Merkes – einen Job an der "Gesamtschule II": Die hellblonde Hundedame mit dem freundlichen Blick ist seit der vergangenen Woche der offizielle Schulhund. "Die Kinder reagieren sehr positiv auf Berle", so die ersten Eindrücke der Lehrerin.

Das "Projekt Schulhund" wird seit 2012 etwa an der Realschule Bergheimer Straße von Lehrerin Claudia Broich praktiziert: Sie bringt einmal pro Woche Retriever-Hündin Naomi in den Unterricht: "Die Atmosphäre ist dann entspannt." Nach einer weitergehenden Ausbildung können Hunde zudem als Therapiehunde eingesetzt werden: etwa in der Verhaltenstherapie, um Patienten die Angst vor den Vierbeinern zu nehmen, oder in Wohngruppen und Seniorenheimen.

Die Stadtverwaltung Grevenbroich als Schulträger und auch die Eltern der Fünftklässler haben ihr "Okay" gegeben, so dass das neue Projekt jetzt starten konnte. Für Daniela Merkes geht damit ein Herzenswunsch in Erfüllung. "Ich hatte schon immer vor, einmal mit einem Schulhund zu arbeiten", sagt die Neusserin.

Ihre Labradorhündin gehört zu einer als Familienhund bekannten Rasse. Zudem muss Berle stets auf Kommandos ihres Frauchens reagieren – auch wenn dieses mal 20 Meter entfernt ist. Dass Berle bei den Mädchen und Jungen beliebt ist, das konnte Merkes bereits an ihrem vorherigen Arbeitsplatz in Neuss testen: Auch dort war die das Tier als Schulhund aktiv. "Die Kinder waren so begeistert, dass sie sogar Bittbriefe geschrieben haben, um mit Berle Unterricht haben zu können", erzählt die junge Pädagogin.

Für Berle und die Kinder der 5d stand nun erst mal vorsichtiges Beschnuppern auf dem Stundenplan: "Wir haben den Schülern und dem Hund jetzt Zeit gegeben, sich aneinander zu gewöhnen", sagt Merkes. Das funktioniere inzwischen so gut, dass die Kinder bereits Rücksicht auf das Tier nehmen würden, das siebenmal lärmempfindlicher ist als sie selbst: "Nicht so laut, das mag Berle nicht", ist ein Satz, den Daniela Merkes bereits öfter gehört hat. Auch Schüler mit Handicap würden sehr positiv auf die tierische "Lehrerin" reagieren.

Weniger Unruhe ist dabei nicht das wichtigstes Lernziel, das mit Berles Hilfe erreicht werden kann: "Wenn der Hund sinnvoll im Unterricht eingesetzt wird, fördert er das Verantwortungsbewusstsein der Kinder. Er hilft ihnen, sich zu konzentrieren, kann den Lernerfolg steigern oder Kontaktängste abbauen", nennt Daniela Merkes weitere Beispiele. Was sie auch bereits oft beobachtet hat: "Wenn ein Kind traurig ist, dann sucht Berle intuitiv seine Nähe." Ein Blick aus den freundlichen Hundeaugen, ein Schlecken über die Hand und weiches Hundefell, das zum Streicheln einlädt – das lässt auch bedrückte Kinder rasch wieder lächeln.

(NGZ)
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