Rhein-Kreis Neuss: SPD-Mann hofft auf Einzug in Bundestag

Rhein-Kreis Neuss : SPD-Mann hofft auf Einzug in Bundestag

Überraschend steht die Tür zum Bundestag einen Spalt offen: Wenn ein SPD-Abgeordneter aus NRW ausfällt, rückt Klaus Krützen aus Grevenbroich nach. Wahlkreis von Ansgar Heveling ist top in NRW: 8,8 Prozent – größter Zugewinn für CDU.

Überraschend steht die Tür zum Bundestag einen Spalt offen: Wenn ein SPD-Abgeordneter aus NRW ausfällt, rückt Klaus Krützen aus Grevenbroich nach. Wahlkreis von Ansgar Heveling ist top in NRW: 8,8 Prozent — größter Zugewinn für CDU.

Mit den Christdemokraten Hermann Gröhe und Ansgar Heveling, die beide ihren Wahlkreis direkt gewannen, stellt der Rhein-Kreis Neuss im 18. Deutschen Bundestag nur noch zwei Abgeordnete. Drei weniger als in der jetzt abgelaufenen Legislaturperiode. Die beiden FDP-Bewerber Bijan Djir-Sarai und Otto Fricke scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde. Bernd Scheelen von der SPD hatte auf eine erneute Kandidatur verzichtet; für seinen Nachfolger Benedikt Winzen reichte Listenplatz 39 nicht. Das sieht für seinen Parteifreund Klaus Krützen aus Grevenbroich viel besser aus.

Klaus Krützen macht sich noch Hoffnung auf ein Mandat. In der Nacht zu gestern ist der 44-Jährige zwar knapp an einem Sitz im Bundestag vorbeigeschrammt — doch ganz ausgeschlossen ist es nicht, dass er noch einen Koffer nach Berlin packen könnte. Sollte ein NRW-Abgeordneter in den kommenden vier Jahren auf sein Mandat verzichten, wäre er der erste Nachrücker. Krützen belegt den 31. Rang der SPD-Landesliste, die — das wurde erst am frühen Montag klar — bis Platz 29 zog. Auf Platz 30 stand die Duisburgerin Bärbel Bas, die ihren Wahlkreis direkt holte — als nächster wäre damit Krützen (Platz 31) an der Reihe. "Wenn das Ergebnis so knapp ist, ärgert man sich schon", gibt Klaus Krützen zu: "Ehrlich gesagt, ich bin etwas enttäuscht."

Für den Hauptschul-Rektor heißt es nun: Abwarten und Tee trinken. "Es ist schade, dass die Sozialdemokratie aus dem Rhein-Kreis nicht im Bundestag vertreten ist. So hoffe ich darauf, dass das noch geändert wird", betont Krützen. Er jedenfalls sei bereit, in den nächsten vier Jahren einzusteigen. Mit seinem Arbeitgeber und der Bezirksregierung sei dies bereits abgeklärt. 2002 hatte die Kreis-SPD mit Kurt Bodewig und Bernd Scheelen sogar noch zwei Abgeordnete im Berliner Parlament.

Wahlgewinner Hermann Gröhe flog gestern Nachmittag nach seinen Berliner Terminen zurück nach Düsseldorf. Dort nahm er zunächst an der Vorstandssitzung der Landes-CDU teil, ehe er im Parteivorstand der Neusser CDU das Wahlergebnis auch mit Blick auf die Kommunalwahlen am 25. Mai 2014 analysierte. "Wir spüren den Rückenwind", sagt Parteichef Jörg Geerlings, der als Gröhes Wahlkampfleiter den Erfolg vom Sonntag organisierte. Geerlings fordert die Liberalen auf, den Kopf nicht hängen zu lassen ("Ich weiß, wie weh Niederlagen tun"), sondern die konstruktive Arbeit in der Ratskoalition fortzusetzen: "Erfolgreiche Sacharbeit ist die beste Empfehlung dieser bürgerlichen Koalition." Gröhe lobte seinen Wahlkampfleiter Geerlings: "Er hat einen Riesenjob gemacht!"

Zwei Glückwunschschreiben formulierte CDU-Chef Geerlings auch noch: Mit Ex-Bildungsministerin Annette Schavan (Ulm) und der stellvertretenden Vorsitzenden des Finanzausschusses im Bundestag, Antje Tillmann (Erfurt), gewannen zwei CDU-Bewerberinnen das Direktmandat, die einst ihre politische Karrieren in der CDU-Fraktion des Neusser Stadtrates begannen.

Im Neusser Stadtrat sitzt für die FDP Felix Hemmer (30). Ob der Politikwissenschaftler im Mai noch einmal kandidiert, weiß er heute noch nicht. "Ich würde gern antreten", sagt der junge Familienvater, "aber ich weiß nicht, was ich wo arbeiten werde." Mit dem Scheitern der FDP am Sonntag ist klar, dass er seinen Job verliert. Seit vier Jahren leitet er das Berliner Büro des Bundestagsabgeordneten Djir-Sarai. Damit ist jetzt Schluss: "Wir haben vier Wochen Zeit, uns einen neuen Arbeitsplatz zu suchen." Hemmer würde gern in der (Kommunal-)Politik bleiben: "Ich weiß aber nicht, ob mein neuer Arbeitgeber dem zustimmen wird." Er will weiter für die FDP streiten: "Wir haben eine Wahl verloren, aber dennoch braucht die Gesellschaft die liberale Idee."

(NGZ)