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Grevenbroich: Angeklagter streitet Missbrauch ab

Grevenbroich : Angeklagter streitet Missbrauch ab

Am Landgericht Mönchengladbach hat am Dienstag der Prozess gegen einen 71-jährigen Rentner aus Grevenbroich begonnen. Der frühere RWE-Mitarbeiter soll seine Stieftochter jahrelang immer wieder sexuell missbraucht haben.

Hans D. (Name geändert) stritt zum Prozessauftakt alles ab. Jetzt soll mit Hilfe eines Gutachters geprüft werden, ob seine Stieftochter die Wahrheit sagt. „Ich kann hier nichts zugeben, was ich nicht begangen habe“, ließ Hans D. über seine Rechtsanwältin Doris Leines zum Prozessauftakt erklären.

Zuvor hatte ihm der Richter geraten, ein Geständnis abzulegen und dem Opfer die Aussage zu ersparen, falls es tatsächlich zu den Missbrauchstaten gekommen war. Doch der gelernte Elektronik-Fachmann, der bis zur Rente bei RWE gearbeitet hatte, wollte von einem Geständnis nichts wissen. „An den Vorwürfen ist nichts dran“, so Doris Leines, „er nimmt das Risiko in Kauf, für einige Jahre ins Gefängnis zu gehen, falls er hier vom Gericht verurteilt werden sollte.“

Dass Hans D. mit einer langjährigen Gefängnisstrafe rechnen muss, hatte ihm der Richter zuvor angedroht: „Falls Sie hier kein Geständnis ablegen und wir dennoch zu dem Ergebnis kommen, dass der sexuelle Missbrauch Ihrer Stieftochter stattgefunden hat, kommt eine Bewährungsstrafe für uns nicht in Frage. Dann müssen Sie trotz Ihres hohen Alters mit einer erheblichen Gefängnisstrafe rechnen.“ Das Gericht will nun mit Hilfe eines Glaubwürdigkeits-Gutachtens herausfinden, ob die Stieftochter des 71-Jährigen die Wahrheit sagt oder nicht.

Die heute 26 Jahre alte Grevenbroicherin hatte den Angeklagten sowohl bei der Polizei als auch bei der Vernehmung durch einen Richter im Ermittlungsverfahren jeweils schwer belastet. Demnach soll er sie seit ihrem sechsten Lebensjahr immer wieder sexuell missbraucht haben. „Das dauerte an, bis sie 15 oder 16 war“, so Rechtsanwalt Thomas Weck. Er vertritt das mutmaßliche Opfer, das am Dienstag neben ihm Platz nahm und den Stiefvater keines Blickes würdigte. „Sie ist völlig durch den Wind und nervlich stark angespannt“, so Weck.

Laut Gericht hat sie bereits mehrere Selbstmordversuche hinter sich, sie gilt als schwer traumatisiert. Anwalt Thomas Weck ist sich sicher, dass seine Mandantin die Wahrheit sagt: „Wir haben den Stiefvater auch in einem Zivilverfahren verklagt und fordern Schmerzensgeld.“ Bis es hier und auch im jetzt begonnenen Strafverfahren zu einem Abschluss kommt, werden allerdings noch Monate vergehen.

Laut Gericht wird es wohl bis zum Herbst dauern, bis ein Psychologe die junge Grevenbroicherin auf ihre Glaubwürdigkeit untersucht hat. Erst danach kann der Prozess fortgesetzt werden. Die Mutter des mutmaßlichen Opfers hat ihre Konsequenzen aus den Vorwürfen bereits gezogen. Sie hat sich von ihrem jetzt angeklagten Ehemann getrennt – die Scheidung läuft.

(NGZ)