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Grevenbroich: Mein Tag als Osterhase

Grevenbroich : Mein Tag als Osterhase

Ich wollte doch nur niedlich sein – stattdessen bin ich nass geschwitzt, weil ich in einem Plüschoverall stecke. Eine Entschädigung: Die netten Gespräche mit Grevenbroichern, die sich über Süßes vom NGZ-Osterhasen freuten.

So hatte ich mir das nicht vorgestellt: Unaufhörlich rinnt mir der Schweiß übers Gesicht, den rechten Arm spüre ich vor Anstrengung kaum noch. Immer wieder schnappe ich hektisch nach Luft. Doch es ist viel schlimmer: Als ausgewachsene Frau stecke ich – bei kuscheligen 22 Grad und Sonnenschein – in einem extrem kuscheligen Plüschoverall mit Bündchen. Meine Hände sind mit Plüschfäustlingen nur noch als Baggerschaufeln einsetzbar, auf meinem verlängerten Rücken wippt ein Puschel, mein Kopf ist in einem Pappmaché-Hasenkopf verschwunden. Dabei wollte ich doch nur eines: niedlich sein.

"Guten Tag, ich bin der freundliche NGZ-Osterhase!" Mit diesem charmanten Spruch und einem Bastkorb voller – natürlich! – Osterhasen und Schoko-Eier bewege ich mich durch die Fußgängerzone. Die Idee mit dem Hüpfen habe ich sekundenschnell verworfen: Es ist zu warm, ich bin zu plump, das eingeschränkte Gesichtsfeld könnte für hässliche Stürze sorgen. Auch mein freundliches Lächeln spare ich mir – mein nostalgischer Pappmaché-Hase ändert seine Mimik eh nicht. Das scheint Anne Kirchhoff aber nicht zu stören. Freundlich stupst sie meine Hasennase an und hat auch eine Idee, was man mit meinem Kostüm machen könnte: "Den Kopf können Sie anstreichen und als Zebra verwenden."

Viele Grevenbroicher freuen sich über den plüschigen Passanten in der Fußgängerzone: "Die Idee ist herrlich – und es scheint ja eine Häsin zu sein", sagt Helga Schwarzkopf. Die ehemalige Standesamtsleiterin nimmt den goldumhüllten Schoko-Hasen entgegen: "Ein Hase vom Hasen, das passt doch." – NGZ-Leserin Ursula Winzer revanchiert sich mit einem Kompliment: "Ein tolles Häschen!" Viola Schirmer lässt Enkel Maximilian (2) ins Körbchen greifen. Morgen wird der Kleine im Garten Eier suchen.

Tierisch geht es weiter. Ein schwarzer Labrador zerrt heftig an der Leine – vermutlich, weil er versucht, meine ungewohnte Körpergröße mit dem gewohnten Beuteschema "Hase gleich Hauptmahlzeit" zu vereinen. Auch die Enten im Stadtpark sind an einer näheren Bekanntschaft nicht interessiert, watscheln schnatternd davon.

Nach zwei Stunden bin ich schlapp, will keine Möhren, nur noch Freiheit. Denn so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Zeit, aus der Hasen-Nummer auszusteigen.

(NGZ)