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Grevenbroich: Schäfer ist Ersatz-Mama für Osterlämmer

Grevenbroich : Schäfer ist Ersatz-Mama für Osterlämmer

Max schnuppert neugierig an der Hand des Besuchers, seine Schwester Emilia interessiert sich mehr für einige Gräser wenige Meter weiter. Doch wenn Giammaria Mossa ruft, dann springen die beiden acht Wochen alten Lämmer sofort zu ihm hin. Schließlich ist der 57 Jahre alte Schäfer ihre "Mama". "Lämmer sind auf die Stimme ihrer Mutter geprägt", sagt der Dormagener.

Eigentlich haben die beiden Moorschnucken ein trauriges Schicksal. "Ihre Mutter ist bei ihrer Geburt gestorben", sagt Giammaria Mossa. Nicht zum ersten Mal springt er als Ersatz-Mama ein, päppelt die beiden Kleinen mit Milch aus der Flasche auf und geht mit ihnen spazieren. Max und Emilia erkunden dabei neugierig ihre Umgebung. Und Hütehund Flo passt auf, dass dem Schafsnachwuchs nichts passiert.

Giammaria Mossa und sein Sohn Benjamin, der das Unternehmen führt, haben die ehemalige, viele Jahre leer stehende Nato-Kaserne am Rand von Kapellen übernommen und zum Bauernhof umfunktioniert, Dort wo einst Soldaten lebten, haben nun Schafe und Pferde ihr Domizil (NGZ berichtete). Sogar aus dem Offizierskasino ist ein Stall geworden. Einige Zeit werden die beiden Lämmer noch in der Kaserne bleiben. Dann kommen sie zu den anderen auf die Weide und können mit ihren Altersgenossen umhertollen. "Seit einigen Wochen werden fast jeden Tag auf den Weiden Lämmer geboren. Zurzeit sind es rund 150", berichtet Mossa. "Wenn sie die erste Woche gut überstanden haben, dann ist ihre Überlebenschance sehr groß", erzählt der erfahrene Schäfer. Im Herbst entscheide sich, ob Max und Emilia für die Zucht in Frage kommen.

Früher hatte der gelernte Maschinenschlosser bei der Firma Erdölchemie gearbeitet und zudem Trakehner gezüchtet. Drei Skudden bildeten dann die Basis für die Schafszucht mit zurzeit über 300 Tieren. Vater und Sohn Mossa haben sich auf widerstandsfähige und genügsame Rassen spezialisiert: Coburger Fuchsschafe, weiße gehörnte und hornlose Moorschnucken und Skudden. "Diese Rassen sind hervorragende Landschaftsgärtner, halten Weiden und Wiesen kurz und kommen auch mit magerem Gras aus", erzählt Giammaria Mossa. Vater und Sohn kooperieren mit der Biologischen Station in Knechtsteden. Die Schafe "pflegen" beispielsweise die Zonser Heideflächen, aber auch etliche Streuobstwiesen. Da die Weiden im Kreis gut seien und es reichlich Futter gebe, bekommen laut Mossa viele Mutterschafe Zwillinge.

Giammaria Mossa ist gern bei den Tieren. "Schafe strahlen eine große Gelassenheit aus. Da wird man ruhig", sagt er. Einen Wunsch hat er an Spaziergänger: "Bitte die Hunde auf den Wegen halten, damit sie nicht auf der Weide die Schafe aufschrecken. Denn dann flüchten sie und können sich in den Elektrozäunen verfangen."

(NGZ)