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Grevenbroich: Erzieherinnen sind überlastet

Grevenbroich : Erzieherinnen sind überlastet

Der Krankheitsstand des Kita-Personals ist deutlich angestiegen. Als Ursache wird die höhere Belastung durch das Kinderbildungsgesetz vermutet. Die Stadt sucht Lösungen, aber es wird dauern, bis die Probleme behoben sind.

Für Daniel Rinkert war es eine bittere Erkenntnis. Als der SPD-Chef einige Kindertagesstätten besuchte, wurde ihm immer wieder von krankheitsbedingten Ausfällen der Mitarbeiter berichtet. "Auch unsere Landtagsfraktion hat ermittelt, dass die Zahlen NRW-weit enorm gestiegen sind", sagt Rinkert. Als Grund wird die zu hohe Zusatz-Belastung der Erzieher durch das Kinderbildungsgesetz (Kibiz) vermutet. Die SPD hat daher von der Stadtverwaltung einen Überblick über die Personalsituation bei den Erzieherinnen gefordert. Die Auswertung läuft.

Obwohl noch keine genauen Zahlen vorliegen, scheint sich der beunruhigende Trend zu bestätigen: Auch in Grevenbroich ist der Krankenstand beim Kita-Personal angestiegen. Das bestätigt Jugendamtsleiterin Birgit Schikora. Zwar sei es noch zu früh für ein abschließendes Urteil. Allerdings zeichne sich ab, dass die Zahl der Erkrankungen in "nicht unerheblichem Umfang angestiegen" seien. Das Ergebnis der Erhebung soll zur nächsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 7. Juli vorliegen. "Klar ist jedoch schon jetzt: Wir müssen uns mit dem Thema beschäftigen", sagt Schikora.

Der Personalrat der Stadtverwaltung dürfte das gerne hören. Vorsitzende Anneliese vom Scheidt erklärte gegenüber der NGZ, der Personalrat habe schon seit geraumer Zeit auf die Zunahme der Krankheitsfälle in den Kitas aufmerksam gemacht: "Es handelt sich ja nicht nur um Grippefälle, sondern auch um langfristige Ausfälle." Als Gründe nennt vom Scheidt die Mehrbelastung durch den Ausbau der U3-Betreuung, die Versorgung der Über-Mittag-Kinder und häufige Personalwechsel durch fast monatlich neue Arbeitszeitberechnungen. Außerdem fehle Ersatzpersonal: "Das sind physische und psychische Belastungen, die nicht selten im Burn-Out enden."

Sie appelliert an die Ratsfraktionen, bei der Landesregierung für "anwendungsfreundliche" Regelungen zu werben. "Das Übel muss an den Wurzeln gepackt werden", betont die Personalrat-Vorsitzende. "Alleine die Auswirkungen des Kibiz verursachen einen Verwaltungsaufwand, der mit nichts zu rechtfertigen ist." So müsse der Personalschlüssel ständig neu berechnet werden. Der Hintergrund: Eltern können Betreuungszeiten von 25, 35, oder 45 Stunden belegen – und diese leicht wieder ändern. Eine vernünftige Personalplanung werde so unmöglich.

Auch Birgit Schikora weiß, dass eine vernünftige Lösung für Eltern und Kita-Personal gefunden werden muss: "Vor uns liegt ein Berg an Arbeit. Es wird ein langer Prozess, aber wir werden eine Lösung finden."

(NGZ)