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Schon 85 Tiere verschwunden: Schaf-Diebstahl am Niederrhein

Schon 85 Tiere verschwunden : Schaf-Diebstahl am Niederrhein

In Kleve und Goch sind 85 Schafe von zwei Weiden gestohlen worden. Experten sprechen von organisierter Kriminalität, da auch in den benachbarten Niederlanden jüngst 600 Tiere entwendet wurden. Motiv ist der Beutewert. Der Preis für Schaffleisch ist derzeit extrem hoch.

Unter den Schäfern in den Kreisen Kleve und Wesel geht die Angst vor organisierten Schafdieben um. Nachdem in der Nacht zu Donnerstag 35 Tiere des Kevelaerers Andreas Verheyen (30) von einer Weide in Goch gestohlen worden waren, klingelte gestern bei dem Kevelaerer immer wieder das Telefon. Besorgte Kollegen fragten den 31-Jährigen, ob die Diebe gefasst seien. Doch noch gibt es keine Spur von den Tätern. Und noch ist kein Fall aus einer Serie von Schafdiebstählen aufgeklärt, die sich in jüngster Zeit am unteren Niederrhein und in den benachbarten Niederlanden ereignet hat.

50 Schafe des Züchters Christian van Ditzhuysen (31) waren erst in der Zeit zwischen Montag und Dienstagabend vom Rheindeich in Kleve-Bimmen, das nahe der Grenze zu Holland liegt, gestohlen worden. Rund 600 Tiere haben Täter in den Niederlanden innerhalb der vergangenen Wochen gestohlen. Die spektakulärsten Fälle: 195 Schafe in Ammerzoden, 54 in Well, 63 in Cuijk, 41 in Erlecom. Den Schaden aller Diebstähle beziffern die niederländischen Landwirte auf 70 000 Euro.

  • Kleve : Schafe von Weide gestohlen
  • Goch : Diebe haben schon 85 Schafe gestohlen
  • Fotos : Bildband: "Schöne Schafe"

Zu weiteren Schafdiebstählen war es im Kreis Wesel gekommen. Diese ereigneten sich bereits im Frühjahr und Sommer dieses Jahres. "Nach den Diebstählen im Kreis Kleve und in den Niederlanden muss man davon ausgehen, dass es sich um organisierte Kriminalität handelt", meint Erich Specht vom Schafzuchtverband in NRW, der 2000 Mitglieder zählt.

Und nicht nur am Niederrhein scheinen Schafe zu begehrtem Diebesgut zu werden. "In Sachsen sind an einem Tag 2000 Schafe von einer Weide gestohlen worden", berichtet Inoel Constantin, Fachreferent für Schaf-Haltung im Landwirtschaftszentrum Haus Riswick in Kleve. Das Motiv der Täter liegt nach seiner Meinung auf der Hand: "Der Preis für Schaffleisch ist gestiegen. Während früher ein Kilo 1,80 bis 1,90 Euro kostete, werden nun 2,50 bis 2,60 Euro bezahlt."

Hauptgrund für den Preisanstieg ist das geringe Angebot. Dies hat mehrere Ursachen: Aus Neuseeland, einer der größten Schaffleisch-Erzeuger, wird weniger importiert. In Deutschland gibt es weniger Schafzüchter. Zudem hat sich das inländische Angebot durch den Schmallenberg-Virus stark verringert. 270 Schafbetriebe waren laut Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer in NRW bis Mitte 2012 davon betroffen. "Die Erkrankung hat zu einem erheblichen Ausfall an Lammgeburten geführt", sagt Bernhard Rüb.

Einen weiteren Grund für das extreme Preisniveau sieht Erich Specht vom Schafzuchtverband im bevorstehenden islamischen Opferfest, das Muslime in diesem Jahr vom 25. bis 28. Oktober feiern und zu dem traditionell Schaffleisch gegessen wird. "Die damit steigende Nachfrage ist sicher ein weiterer Anreiz für die Schafdiebe", meint Erich Specht.

Doch nicht nur wegen des hohen Beutewertes dürfe der Diebstahl von Schafen laut Specht nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Der Schafzüchter weist daraufhin, dass die Tiere wohl illegal geschlachtet oder geschächtet würden — was in Deutschland verboten sei. Zudem unterliege die Schlachtung nicht der Lebensmittelüberwachung. Eventuell handele es sich um Tiere, die mit einer Wurmkur behandelt worden seien, so dass der Verzehr gefährlich sei.

In den Niederlanden fahndet derzeit eine Sonderkommission nach den offenbar organisierten Schafdieben. Erst kürzlich wurden auf einer Wiese nahe Nimwegen etwa 300 Schafe entdeckt, die keinem Besitzer zuzuordnen waren. Vermutlich handelt es sich um einige der zuvor gestohlenen Tiere. Da sie keine, beziehungsweise weder in Holland noch in Deutschland registrierte Ohrmarken hatten, konnten ihre Besitzer bislang nicht festgestellt werden.

Eine derart intensive Fahndung, wie sie die Schaf-Diebstähle in den Niederlanden offenbar ausgelöst hat, fordert Erich Specht vom Schafzuchtverband in NRW angesichts der vielen Fälle auch von der deutschen Polizei. Zwar sollten sich die Schäfer selbst organisieren, um die Herden mehrfach pro Tag kontrollieren zu können. Der Züchter meint jedoch auch: "Die Polizei muss derzeit öfter an den Weideflächen der Tiere Streife fahren."

(RP/jco)