Stadt Erkrath ändert Pachtverträge für ihr Ackerland und verbietet Insektizide und Glyphosat

Landwirtschaft: Stadt verbietet Glyphosat auf Pacht-Feldern

Ratsbeschluss: Verträge für städtische Ackerflächen werden verändert. 

Auf städtischen Grünflächen wird schon seit längerem auf Pestizide verzichtet. Dieses Prinzip wird Erkraths Stadtverwaltung künftig auch auf von ihr verpachtete Ackerflächen ausweiten, die ebenfalls weitestgehend pestizidfrei bewirtschaftet werden sollen. Der Stadt gehören Grün- und Ackerland allerdings nur im zweistelligen Hektarbereich.

Verboten sind künftig der Einsatz von Insektiziden und des Herbizids Glyphosat. Es gilt als mitverantwortlich für den Rückgang der Artenvielfalt und steht unter Verdacht, auch Menschen zu schaden: Hoch dosiert, soll es Krebs auslösen können. Andere Unkrautvernichter sind aber weiterhin erlaubt, gleiches gilt für Fungizide, also pilztötende Mittel. Dieser Entscheidung war im Rat eine längere Diskussion vorausgegangen.

Vehement gegen die Verbote sprach sich Inge Berkenbusch (FDP) aus. Die Landwirte von heute gingen verantwortungsvoll mit Spritzmitteln um und man müsse ihnen nichts vorschreiben. „Wir sollten es den Bauern selbst überlassen, was sie auf den Feldern tun. Sie machen ja schon Zugeständnisse und haben beispielsweise die Blühstreifen verbreitert.“ Sie selbst wohne ländlich und habe noch keinen Artenrückgang bemerkt, betonte Berkenbusch.

Auch die CDU will keine Verbote und fürchtet, sie könnten Ernteausfälle zur Folge haben und damit die Existenz der heimischen Landwirte gefährden. Das hatte auch ein Vertreter der Kreisbauernschaft zu Bedenken gegeben, der im Vorfeld der Diskussion an den Rat appellierte, auf die Verbotsklausel in den Verträgen zu verzichten. CDU-Fraktionschef Wolfgang Jöbges hält außerdem gar nichts von Erkrather Allleingängen und verwies auf Berlin und Brüssel, die erst einmal entscheiden sollten, bevor die Kommunen aktiv werden.

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Nicht auf Berlin und Brüssel warten wollen hingegen die BmU und die Grünen: „Es ist ein richtiger Schritt, Insektizide und Glyphosat zu verbieten“, unterstrich Reinhard Knitsch von den Grünen. Auch Erkraths Vize-Bürgermeisterin Sabine Lahnstein, fraktionsloses Mitglied im Stadtrat, will nicht länger auf Entscheidungen von Bund und Europaparlament warten: „Sprechen Sie mal mit den Imkern hier vor Ort, dann wissen Sie, dass es nicht mehr geht und dass wir nicht länger warten können. Wenn wir kein Zeichen setzen, wer macht es dann?“

Der Beschluss fiel dann auch nicht einstimmig aus. Mit einer Enthaltung sprachen sich die CDU-Fraktion und Inge Berkenbusch (FDP) gegen die Verbotsklausel in städtischen Pachtverträgen aus, eine Mehrheit aus SPD, Grünen, BmU und Fraktionslosen stimmte dafür.

Laut Verwaltung werden die bestehenden Verträge derzeit angepasst, in neu abgeschlossenen Verträgen gelten die Änderungen von Beginn an. Wann die Änderungen in Kraft treten, sei von Fall zu Fall unterschiedlich und hänge von den Inhalten der bestehenden Pachtverträge sowie den Ergebnissen der laufenden Verhandlungen mit den einzelnen Landwirten ab.

Auf die Frage, wie die Stadt kontrollieren will, ob die Verbote auch eingehalten werden, hieß es: „Grundsätzlich hat die Stadt Erkrath ein vertrauensvolles Verhältnis zu ihren Pächtern. Welche Kontrollmöglichkeiten sich anbieten, ist im weiteren Austausch mit sach- und fachkundigen Behörden und Verbänden zu klären.“