Schule und Ausbildung in Erkrath Wenn Kinder programmieren lernen

Erkrath · Seit einem Jahr steht für die Klassen 5 und 6 des Gymnasiums Hochdahl Programmieren auf dem Stundenplan.

 Jessica, Sophia und die Calliope Mini, auf der sie ihre Schulhymne „School of hope and glory“ programmiert haben.

Jessica, Sophia und die Calliope Mini, auf der sie ihre Schulhymne „School of hope and glory“ programmiert haben.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Sollte das Schulfach „Programmieren“ an deutschen Schulen zur Pflicht werden? Einen Schritt in die Zukunft und Richtung Digitalisierung hat das Gymnasium Hochdahl gemacht: Seit einem Jahr steht dort für die Klassen 5 und 6 Informatik auf dem Stundenplan. Als eines von 37 Gymnasien in Düsseldorf und Köln ist die Schule Teil des Modellvorhabens „Informatikunterricht an Gymnasien“, das von der Bezirksregierung in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme und dem Berliner Start-Up Calliope umgesetzt wird.

Mit einer altersgerechten Programmierplattform und dem Minicomputer „Calliope mini“ – benannt nach der griechischen Muse der Wissenschaft – lernen die Kinder spielerisch zu programmieren. Und das funktioniert so: Auf der rund acht Zentimeter großen Platine des Minis befindet sich ein Display aus 25 Leuchtdioden, ein Lautsprecher, ein Lagesensor und verschiedene Schnittstellen wie beispielsweise Bluetooth, um externe Geräte anzuschließen.

Die Kinder können eigene Programme erstellen, mit der die vielen Funktionen des Minis gesteuert werden können. Mit ein bisschen Übung kann sich der Minicomputer in ein Instrument, einen Taschenrechner, eine Wetterstation oder eine Diskokugel verwandeln. „Die Kinder programmieren sehr intuitiv und können sich ausprobieren. Es geht nicht darum, aus den Kindern Programmierer zu machen, sondern ihnen zu zeigen, wie kreativ der Prozess sein kann“, erklärt Anna Sarah Lickfeld, Projektkoordinatorin von Calliope. Die Kreativität der Schüler zeigte sich in den Ergebnissen, die sie nach einem Jahr Informatikunterricht präsentierten. Die elfjährige Eleanora programmierte ein pochendes Herz in die Leuchtdioden ihrer Calliope.

„Ich kann auch die Farbe ändern“, sagt sie. Ob das lang dauert? „Nee, überhaupt nicht“, antwortet sie und klickt gekonnt im Programm herum. Wenige Sekunden später blinkt das Herz nicht mehr rot, sondern grün. Sie ist begeistert vom Unterricht und möchte unbedingt weitermachen: „Eine schöne Abwechslung, weil wir sonst immer viel am Handy sind. Ich habe hier echt viel gelernt“, sagt sie.

Für ihr Projekt haben sich Jessica und Sophia das 50-jährige Bestehen ihres Gymnasiums zum Anlass genommen und die Schulhymne „School of Hope and Glory“ auf ihre Calliope programmiert. Dafür haben die beiden Mädchen, die auch im Schulchor singen, nacheinander die Noten und deren Länge eingegeben. Betätigt man einen der Knöpfe, buchstabiert der Mini außerdem „Gymnasium Hochdahl“ in seine Leuchtdioden. Obwohl die beiden Mädchen zu Beginn Schwierigkeiten hatten, kennen sie sich nun bestens aus: „Ich dachte erst, dass ich mir das alles nicht merken kann. Aber man kommt schnell rein“, berichtet Jessica.

Begeistert sind sie allemal – sogar in ihrer Freizeit beschäftigen sich die beiden mit dem Programmieren.

In Anbetracht der sich rasant schnell entwickelnden Technologien sei die informatische Grundbildung zwingend notwendig: „Die Digitalisierung formt in wesentlichen Bereichen unser Leben. Aufgabe der Schule ist die Vermittlung von Fähigkeiten, selbstbestimmt mit digitalisierten Prozessen umzugehen“, sagt Thomas Hartmann von der Bezirksregierung Düsseldorf.

Auch sehen alle Beteiligten in dem Modellvorhaben einen wichtigen Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit: „Wird Informatik nicht in der Schule angeboten, muss es außerhalb erlernt werden. Das können sich viele Familien nicht leisten“, sagt Viktoriya Lebedynska, Fraunhofer IAIS.

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