Rock im Saal in Rees 2018: Ein Abend voll musikalischer Wucht

Rock im Saal in Rees : Ein Abend voller musikalischer Wucht

Beim Rock im Saal bei Tepferdt in Haldern spielten vier Bands, deren gemeinsamer Nenner die kraftvolle Inszenierung war. Dieses kleine Festival ist immer auch ein Treffen von Freunden. Genau deshalb war das Programm gut gewählt.

Rock im Saal, das ist immer wie ein großes Klassentreffen. In Haldern kommen bei diesem kleinen Festival zum Jahresbeginn Menschen zusammen, die sich lange nicht gesehen haben. Naturgemäß wird sich viel unterhalten. Die Macher des Festivals im Halderner Saal Tepferdt haben in diesem Jahr mit ihrer Bandauswahl die passende Antwort auf die Redseligkeit ihrer Gäste gegeben.

Es war ein Programm von großer musikalischer Gewalt, immenser Wucht. Natürlich unterhielten sich die, die sich lange nicht gesehen hatten, dennoch weiter. Aber sie übertönten den eigentlichen Zweck des Abends nicht: die Musik. Wobei diesen Begriff jede einzelne Band für sich selbst definierte.

Es wird Menschen geben, die das, was die Idles da zum Finale auf die Bühne zauberten, nicht als Musik bezeichnen würden. Das Quintett aus Bristol veröffentlichte 2017 das Debütalbum "Brutalism" und wer vorher noch rätselte, woher der Albumtitel kommt, der wusste nach einem Song, dass er die musikalische Attitüde der Band bestens beschreibt. Die Wurzeln liegen im Punk und Hardcore - aber die Idles machen Rocksongs daraus. Eine Melodie ist immer erkennbar, auch wenn sie gebrüllt wird. Sänger Joe Talbot ist mit einer guten Portion Humor gesegnet, er rotzt die Songs nur so hin.

Immer wieder gingen Mitglieder der Band ins Publikum, spielten von dort aus. Unter den Zuschauern sah man tatsächlich einige Leute Stagediven, so dass die Rock-im-Saal-Crew als Ersterhelfer und Auffangbecken am Bühnenrand postiert wurde. Organisiertes Chaos - so geriet dieser Auftritt zu einem denkwürdigen Konzert. Im vergangenen Sommer traten die Idles beim Haldern-Pop-Festival auf der Reitwiese auf. Sehr wahrscheinlich sieht man sie in ein bis zwei Jahren wieder.

Sänger Joe Talbot von den Idles aus England. Foto: Sebastian Latzel

Ebenfalls ergreifend war das Konzert von Hope aus Berlin. Auch sie agierten mit aufgedrehtem Verstärker, aber hier steht das Drama im Mittelpunkt. Dunkle Beats und betörender Gesang. Kunstmusik kann man das nennen. Die zierliche Sängerin Christine Börsch-Supan tanzt sich durch die Songs. Das hatte den Charakter einer Performance, unterhielt aber bestens.

Den Beginn hatten die Niederländer Sonndr gemacht, die spontan noch als vierter Act gebucht worden waren, um den Abend nicht zu schnell enden zu lassen. Ihr Post-Punk gefiel auf Anhieb. Am schwierigsten war es, Zugang zur Musik von White Wine aus Leipzig zu finden. Die Band um den Amerikaner Joe Haege agiert musikalisch sperrig, mit dieser musikalischen Ambition war es schwer, ein Publikum für sich einzunehmen, das auch wegen der Freunde und des Redens kam.

Um Mitternacht war zwar die Live-Musik zu Ende, es ging dann aber auf zum Tanz. Was beim großen Festival längst abgeschafft wurde - der "Sause" genannte gemeinsame Tanz nach den Konzerten: beim Rock im Saal wird er noch zelebriert. Dort konnten die Gäste das von den Profis Erlernte auf den Tanzboden bringen. Es wurde eine lange Nacht.

(RP)