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Duisburg: Zwangs-Freiheit für Schulen

Duisburg : Zwangs-Freiheit für Schulen

Das seit 2002 in Duisburg laufende Modellprojekt "Selbstständige Schule" ist vorbei. Das Experiment war ein Erfolg, 53 Schulen wollten mehr Eigenverantwortung. Jetzt sollen alle Schulen mit ins Boot. Die Projektförderung läuft aus.

Das Modellprojekt "Selbstständige Schule" ist vorbei. Weil es so erfolgreich war, sollen Duisburgs Schulen die Grundsätze und Inhalte generell übernehmen — wobei die bisherige Projekt-Finanzierung allerdings wegfällt. "Selbstständige Schule" bedeutet: Schulen dürfen eigene pädagogische Ansätze verfolgen, besetzen eigenständig Stellen, verfügen frei über ihr Geld. Im Jahr 2002 starteten damit 15 Duisburger Schulen, in den folgenden Jahren kamen weitere 38 dazu.

Von den Erfahrungen des Experimentes waren alle Beteiligten bei der gestrigen Abschluss-Veranstaltung ganz begeistert. Man habe Lehrer-Räte mit Kompetenzen und Visionen erlebt, bessere Leistungen der Schüler, und der Lehrer auch. Die Unterrichtsqualität sei höher, es gäbe fruchtbaren Austausch von Schulen untereinander — die Liste des Lobes war lang. Roland Katzy von der "Regionalen Steuergruppe Duisbrug" des Projektes nannte das Ziel für die Zukunft: "Es waren 53 Schulen dabei. wir wollen, dass alle 170 Schulen in Duisburg eingebunden werden."

Eigentlich kommen sie kaum daran vorbei. Erklärtes Ziel der Landesregierung ist es, dass bis 2011 alle Schulen eigenverantwortlich sind. Im Modellversuch gab's für die Eigenverantwortlichkeit Geld vom Land. Seit 2002 flossen an jede der 15 ersten Modell-Schulen jährlich 2500 Euro, und für jede wurde eine halbe Stelle finanziert — 15 Mal 25 000 Euro pro Jahr. Die eigenverantwortlichen Schulen der Zukunft sollen auf die Umverteilung ihrer Mittel setzen. Oder auf Sponsoren, oder auf Kooperation mit anderen Schulen — jedenfalls muss Geld her, schon für nötige Fortbildungen.

Im Juni wird die Stadt einen Kooperationsvertrag mit dem Land abschließen. In dem steht, dass Duisburg Strukturen für Selbstständigkeit und Vernetzung von Schulen erhält, zum Beispiel eine Stabsstelle. Für diese wird dann eine Lehrerstelle finanziert — das ist der materielle Zuschuss vom Land. Im Übrigen müsse es "Strukturänderungen" in der Schulaufsicht geben, kündigte Werner Fuchs von der Bezirksregierung an. Mehr Beratung und Unterstützung sei nötig: "Da ist auf Landesebene noch viel zu tun." "Selbstständigkeit kann man nicht verordnen: Jetzt seit ihr selbstständig, jetzt macht mal", ergänzte Wilfried Lohre, mit "Selbstständige Schule" als Projektleiter der Bertelsmann Stiftung befasst. Das müsse man sorgfältig fördern und begleiten.

(RP)