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Duisburg: Auf den Hund gekommen

Duisburg : Auf den Hund gekommen

In der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Bertha-Krankenhaus gibt es seit Anfang vergangenen Jahres einen vierbeinigen Mitarbeiter.Der 19 Monate alte Labrador-Rüde Charly hilft den jungen Patienten der Tagesklinik bei ihrer Ergotherapie.

rheinhausen Aggressives Revierverhalten ist Charly vollkommen fremd. Freudig-schwanzwedelnd begrüßt der schwarze Labrador-Rüde jeden Besucher, der die Tür zur Kinder- und Jugendpsychiatrie am Bertha-Krankenhaus öffnet. Im hellen, spartanisch eingerichteten Raum der Tagesklinik unterstützt er Ergotherapeutin Maren Krause bei der Behandlung von Patienten mit Verhaltensauffälligkeiten. Zehn Kinder- und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren suchen wochentags Heilung und Trost bei dem sechsbeinigen Team.

Innige Beziehung

Der Hund und die Ergotherapeutin bilden auch privat eine Einheit. Die 32-jährige Dinslakenerin hat den Labrador selbst gekauft, als er acht Wochen alt war. Seither haben Mensch und Hund eine innige Beziehung aufgebaut. „Das er mich als seine Bezugsperson anerkennt ist wichtig für die Therapie“, erklärt seine stolze Besitzerin. Er gehorche ihr aufs Wort.

Die Idee einen Vierbeiner in der Ergotherapie einzusetzen kam Maren Krause vor über einem Jahr. „Von Kollegen habe ich erfahren, dass Therapiebegleithunde gute Ergebnisse erzielt hätten“, erzählt die Therapeutin. Der Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie sei sofort begeistert von dem Vorschlag gewesen einen Hund einzusetzen.

Seitdem er zehn Wochen alt ist geht Maren Krause mit Charly jeden Monat zum Trainingszentrum des Berufsverbands Therapiebegleithunde Deutschland in Steinfurt. Dort werden dem Vierbeiner die Fähigkeiten vermittelt, die für seinen Einsatz in der Ergotherapie unerlässlich sind. Zurzeit ist er der einzige Therapiebegleithund in der psychiatrischen Einrichtung.

„Charlys Aufgeschlossenheit gegenüber jedem ist entscheidend für meine Arbeit“, sagt die 32-jährige Therapeutin. „Einige meiner jungen Patienten sind sehr verschlossen und fassen nur schwer vertrauen zu anderen Menschen, weil sie schlechte Erfahrungen gemacht haben“, berichtet Maren Krause. Bei dem Hund seien die Berührungsängste geringer, denn Charly bewertet nicht, er möchte einfach nur Aufmerksamkeit. „Daher fühlen sie sich von dem Hund schnell angenommen“, eräutert die Therapeutin. Dank der Vorarbeit ihres Labrador-Rüden habe sie es dann leichter eine Beziehung zu den kontaktscheuen Patienten aufzubauen.

Kein Allheilmittel

Am Anfang jeder Therapie muss jedoch die Frage geklärt werden, ob sich die Kinder- und Jugendlichen auf Charly einlassen können. „Der Patient entscheidet, ob und wie schnell er den Kontakt herstellt“, betont Maren Krause. Bestehe zum Beispiel eine Hundephobie oder -allergie, habe Charlys Einsatz keinen Sinn. Auch psychisch Kranken mit geringem Selbstwertgefühl, wie Mobbing-Opfern, kann der sanftmütige Labrador-Rüde helfen. „Ich backe mit den Patienten Hundekekse oder bitte sie ein Seidenhalstuch für Charly zu malen“, erzählt die Ergotherapeutin. Wenn die jungen Patienten etwas für den Vierbeiner machen können, stärke dies das Vertrauen in ihre Fähigkeiten.

Ein Allheilmittel sei Charly nicht, beteuert Maren Krause. Von den meisten Patienten werde der Therapiebegleithund jedoch sehr gut angenommen.

(RP)