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Duisburg: Aus für Rheinheim rückt näher

Duisburg : Aus für Rheinheim rückt näher

Am Samstag endet die Einspruchsfrist gegen die geplante Deichsanierung im Mündelheimer Rheinbogen. 2011 sollen die Bagger anrollen. Der Hof der Familie Höffges muss dem Hochwasserschutz weichen.

Mündelheim Wird der Zeitplan eingehalten, kann Heinz Höffges den grandiosen Blick über die Rheinwiesen in Richtung Uerdingen nur noch drei Jahre genießen. So wie vor ihm schon zwei Generationen der Familie. Der Großvater kam 1911 als Pächter aus Krefeld nach Rheinheim, das noch zum Amt Angermund gehörte. Wie sein Vater wurde Heinz Höffges hier geboren, im Wohnhaus von 1880. „Auch unsere beiden Töchter und eine Enkelin haben hier ihre ersten Schritte gemacht“, erinnert sich Höffges.

Es gibt keine Alternative

Wenn die Deichsanierung wie geplant 2011 beginnt, wird auch der letzte von ursprünglich über 30 Rheinheimer Höfen verschwinden. Überraschend trifft die Nachricht die Familie nicht. Die Pläne, dem Rhein mehr Überflutungsflächen zurückzugeben und stabile Deiche anzulegen, reifen seit den schweren Hochwassern der Neunzigerjahre. Der aktuelle Planfeststellungsbeschluss, gegen den Betroffene Anlieger noch bis Samstag Einspruch einlegen können, sieht für weite Teile des Mündelheimer Rheinbogens denn auch eine Rückverlegung des Deiches vor.

Auf Höhe des Hofes von Bauer Höffges wird die Deichkrone zwar ihren alten Verlauf behalten – aus Gründen der Stabilität wird die Böschung auf der Landseite aber viel flacher abfallen als bisher. Für den Hof, dessen Nebengebäude heute direkt an der Böschung beginnen, bleibt kein Platz.

„Anfangs haben wir auch überlegt, einen Spundkasten um das Haus zu bauen“, berichtet Deichgräf Helmut van Wickeren, Leiter des Amtes für Wasser- und Kreislaufwirtschaft, „bei derart alter Bausubstanz macht das Verfahren aber keinen Sinn.“ Diese Lösung wäre natürlich auch Familie Höffges lieber gewesen, doch auch sie sieht ein, dass es keine Alternative gibt. Einspruch gegen die Pläne der Bezirksregierung planen sie nicht.

„Der Hochwasserschutz dient dem Wohl der Allgemeinheit“, sagt Heinz Höffges, „dem wollen wir uns nicht entgegenstellen.“ Inzwischen sehen er und seine Frau Inge dem Tag der endgültigen Entscheidung sogar positiv entgegen.

Fleck für neues Haus im Auge

„Mit Freude hat das nichts zu tun“, sagt Heinz Höffges entschieden, es ist eher das nahende Ende der Ungewissheit, das sie nach schier endlosen politischen Prozessen herbeisehnen. Einen Fleck für das neue Haus haben sie auch schon im Auge. Genaueres möchte der 59-Jährige aber nicht verraten. „Ich will den Neid meiner Berufskollegen nicht noch mehr beflügeln“, sagt er mit Blick auf das Haus, das er vor neun Jahren von der RWW gekauft hat, um sich vor einer noch früheren Umsiedlung ohne Entschädigung zu schützen.

Eines steht für ihn fest: Seinen Hof, mit Schweinen, Enten, Gänsen und allem, was dazu gehört, will er auch am neuen Wohnort nicht missen. Auch wenn er „nur“ ein so genannter Nebenerwerbs-Landwirt ist. „Da steckt so viel Kampfgeist drin“, sagt Höffges, der sich als junger Mann einen Hauptberuf in der Industrie gesucht hat, „wenn es nach mir geht, mache ich noch 20 Jahre weiter.“

(RP)