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Duisburg: Wilm Falcke war Mittler zwischen Bühne und Publikum

Duisburg : Wilm Falcke war Mittler zwischen Bühne und Publikum

Im Alter von 86 Jahren ist der Duisburger Kulturjournalist Wilm Falcke gestorben. Einer großen Öffentlichkeit war Falcke als Moderator von Hunderten Kulissen- und Werkstattgesprächen bekannt. Er schrieb unzählige Musikartikel, auch für die Rheinische Post. Er leitete Exkursionen zu großen Kulturereignissen, war stets auch wissenschaftlich auf dem Laufenden. Zu Falckes bleibenden Leistungen gehört, dass er den Komponisten Julius Weismann (1879 – 1950) vor dem Vergessen bewahrt hat. Falcke regte zu Doktorarbeiten über Weismann an. Das Weismann-Archiv wird heute in der Duisburger Zentralbibliothek aufbewahrt. Falcke, der Cello und Gesang sowie Musikwissenschaften studierte, hatte im Laufe seines Lebens nur vier Jahre lang eine feste Anstellung, nämlich von 1956 bis 1960 als Kulturreiseleiter beim Touristikunternehmen Tigges. Ansonsten war er freiberuflich tätig, durchaus mit Erfolg. Er war Autor, Kursleiter, Juror, Organisator, Moderator, musikwissenschaftlicher Berater und Studienfahrtleiter. Tausenden Menschen hat Falcke große und entdeckungswürdige Werke der Musikgeschichte und – bei seinen öffentlichen Interviews – viele Künstler persönlich nahegebracht. Falcke verstand sich als Mittler zwischen Bühne und Publikum. In seinen letzten Jahren war Falcke körperlich zwar angegriffen, aber er blieb geistig bis zuletzt hellwach und ein genauer Beobachter des Kulturlebens in der Stadt. Mit Sorge betrachtete er im vergangenen Jahr den Kampf um den Erhalt der Rheinoper in Duisburg. Damals schrieb er dem Schreiber dieser Zeilen einen "persönlichen Appell" und bat darum, diesen nicht sogleich, sondern zur "gegebenen Zeit" zu veröffentlichen.

Wilm Falcke schrieb: "Ich brauche das Theater und die Oper, die Künste, denn sie entwerfen und zeigen Schönheit und Elend, die selbst die üppigste Fantasie nicht ausmalen kann. Die Kunst lässt Klänge hören, in Dissonanzen und Harmonie, die erschrecken und erfreuen lassen. Kunst schafft neue Welten, aber auch eine kaputte Welt wieder in Ordnung. Kunst ist nötig für Bildung, Fantasie und Humanisierung des Menschen. Sie schafft Welten, die es nicht gibt. Kunst lässt mich Klänge hören, deren Dissonanzen, Harmonien mich erschrecken lassen. Und erfreuen. Man meint es ernst mit den Menschen und mit der Bühne, die kein bloßer Spielort, sondern ein geistiger Raum ist. Auch Oper im Besonderen ist notwendig. Sie zeigt mir aber auch meine Probleme und Sorgen, von meinen Aufgaben entfernt. Die hat die schöne Art, meinen Alltag zu versonntäglichen. Aber Oper und Sprechbühne weckt unser Bewusstsein und schärft unser Gewissen, schärft Sinne und Verstand. In der Welt des Theaters ist es wichtig, dass sie uns befreit aus dem Alltäglichen. Mit dem Theater kann man Grenzen des Daseins überspringen. Die Bühne entführt uns in Länder, die wir nie gesehen haben, das Theater zeigt uns Ereignisse, an denen wir nicht teilnehmen konnten. Das Theater erweckt Dinge, die längst vergangen sind. Es bleibt immer noch eine Stätte der Hoffnung und Freiheit. Theater bleibt ein Ort der Erkenntnis, der Überraschungen, ein Ort der Beglückung. Theater ist Leben in seinem farbigen Abglanz. Das Theater zeigt dem Menschen Tiefen der Wirklichkeit, das Theater führt ins Reich des Traums, ja es zeigt Himmel und Erde und die Hölle. Es weckt des Menschen Neugierde, stärkt seine Vorstellungskraft, erregt das Gefühl. Wer das Theater braucht, lobt oder tadelt es, rühmt es oder beschimpft es. Aber ohne Theater kann man eben nicht leben."

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Christa Falcke, geborene Lieneke, schrieb über ihren verstorbenen Ehemann: "Die Heiterkeit des Herzens, die er als Geschenk empfand, leitete ihn lebenslang. Dank ihr vermochte er unzählige Menschen in mehr als 50 Jahren auf seinen Studiengängen für die Tonkunst und das Theater zu begeistern."

Die Trauerfeier für Wilm Falcke findet am Mittwoch, 10. April, 10 Uhr, in der Salvatorkirche statt.

(RP)