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Renate Habets: "Die Drei" sind aus dem Leben gegriffen"

Renate Habets : "Die Drei" sind aus dem Leben gegriffen"

Die ehemalige Lehrerin veröffentlichte jetzt ihren dritten Roman und eine Sammlung mit Erzählungen.

36 Jahre lang war Renate Habets Lehrerin. 1945 wurde sie im Westerwald geboren, studierte in Köln Germanistik und Geschichte und lebt sein 1970, dem Beginn ihrer Referendarzeit in Duisburg. Zuletzt war Renate Habets stellvertretende Schulleiterin am Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium in Marxloh. 2006 wurde sie pensioniert. Ein Jahr darauf veröffentlichte sie ihren ersten autobiografischen Roman "Ich will Erzbischof werden". 2010 folgte der noch stärker beachtete Roman "Thea". Soeben sind zwei weitere Bücher von ihr erschienen: Der Roman "Die Drei" und der Erzählungenband "Kiesel zum Gedenken". Mit Renate Habets sprach Peter Klucken.

Sie veröffentlichen Ihre Bücher in immer kürzeren Abständen. Das Leben einer Pensionärin stellt man sich anders vor...

Habets (schmunzelnd) Das ist ja eine totale Provokation, wie "man" sich das Leben einer Pensionärin vorstellt. Sagen wir es doch mal so: Endlich kann ich zeigen, was auch noch in mir steckt. Ich war stets gerne Lehrerin, aber jetzt ist auch die Zeit zum Schreiben gekommen.

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Ihr erster Roman, "Ich will Erzbischof werden" war autobiografisch gefärbt. Der zweite Roman "Thea" bezieht sich auf eine Tante aus Ihrer Familie, ist also schon ein bisschen weiter von Ihnen persönlich entfernt. Und nun, bei Ihrem gerade erschienenen Roman "Die Drei" ist von Ihrer privaten Familiengeschichte gar nichts mehr zu spüren. Hat das etwas mit "Sich-frei-Schreiben" zu tun?

Habets Schwierige, aber gute Frage. Ich glaube, das hat in der Tat etwas mit einem wachsenden Selbstvertrauen in die eigenen Gestaltungskräfte zu tun. Vielleicht ist es so: Das erste Buch musste ich für mich selber schreiben. Bei der "Thea" reizte mich das Bekannte. Und bei den "Drei", es handelt sich um drei Schwestern, wollte ich etwas ganz Neues gestalten. Ich selber habe übrigens keine Geschwister. Es könnte sein, dass ich mit dem jüngsten Roman meine fehlende Geschwisterbeziehung schreibend erleben wollte.

Ich habe "Die Drei" im Urlaub gelesen. Eine wirklich lohnende und auf Anhieb fesselnde Lektüre, die von schwierigen Familienverhältnissen erzählt und die Zeit zwischen 1936 bis in die Gegenwart widerspiegelt. Das ist psychologisch und historisch höchst interessant. Das Buch ist aber weder ein Krimi noch eine Humoreske, obwohl es einige humorvolle Passagen enthält. War es schwierig, es zu veröffentlichen?

habets Fürwahr! Das ist es immer, wenn man nicht im Mainstream schwimmt. Aber ich finde, man kann wirklich nur über das schreiben, was in einem steckt.

In Ihrer Roman-Familie ist der Vater früh an Parkinson erkrankt, versucht dennoch seiner Ehefrau und den drei Töchtern Fröhlichkeit zu vermitteln. Die Schwestern scheinen ihre geschwisterlichen Gefühle bisweilen in Neid zu ersticken. Die Mutter steckt oft zwischen den Stühlen, hat auch Probleme mit einem traditionellen Rollenverständnis, wurstelt sich und ihre Familie durch. Wie kamen Sie auf diese Romanfiguren?

habets Eigentlich gibt es verschiedene Quellen für diese Romanfiguren: Berichte von Bekannten, eigene Beobachtungen, Erinnerungen und mehr. Und während des Schreibens differenziert sich das, als ob die Personen mir sagen, wer sie sind. Da tauchen im Laufe des Schreibens wie von alleine auch andere Figuren auf. Ich vertrau mich einfach dem Schreibprozess an. Und dann entstehen Figuren, die hoffentlich aus dem Leben gegriffen sind.

Zu Ihrem ebenfalls soeben erschienenen Erzählungenband "Kiesel zum Gedenken" hat Sie ein Gang über den Jüdischen Friedhof in Ratingen-Hösel inspiriert. Wie kam es zur Veröffentlichung?

habets Das hat lange gedauert. Die Geschichten sind schon vor Jahren entstanden. Ich habe sie auch oft vorgelesen. Besonders gern haben sie die Mitglieder des Ratinger Kulturvereins Schalom gehört, die mich zur Veröffentlichung ermunterten.

In den Erzählungen schildern Sie Lebensschicksale von jüdischen Menschen, die im 18. und 19. Jahrhundert lebten. Sie haben dazu viel recherchiert. Aber es geht nicht um konkrete Einzelschicksale. Wie ordnen Sie selber die "Kiesel zum Gedenken" ein?

habets Es geht in den Geschichten immer darum, wie es hätte sein können. Ich habe mich bemüht, einen Querschnitt durch menschliches Leben zu zeigen. Die jüdische Religion spielt dabei eine große Rolle. Gleichwohl soll klar werden, dass jüdische Menschen auch Lebensschicksale zu bewältigen haben, die überall auf der Welt zu finden sind. Allerdings finden sich auch Geschichten, die so nur jüdischen Menschen zustoßen können. Zum Beispiel die Familie, die vor dem Pogrom in Russland fliehen musste und in Kettwig eine neue Heimat fand.

(RP)