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Duisburg: In einem Jahr wird es im Norden grüner

Duisburg : In einem Jahr wird es im Norden grüner

Die Vorbereitungen für den Grüngürtel-Nord werden Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. Fast alle benötigten Immobilien sind inzwischen im Besitz der Stadt.

Für Heiner Maschke könnte die Einweihung des Grüngürtels Duisburg-Nord so etwas wie ein sichtbarer Beweis für erfolgreiche Arbeit gegen Ende der Berufstätigkeit werden. 61 Jahre ist der Geschäftsführer der "EG DU Entwicklungsgesellschaft Duisburg mbH", kurz EG DU, alt. Wenn alles wie geplant läuft, dann wird das ehrgeizige Projekt in zwei, spätestens drei Jahren fertiggestellt sein. Wer sich heute in Marxloh und Bruckhausen umschaut, benötigt viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie in Zukunft ein grüner Wall die Wohnbebauung vom Straßen- und Industrielärm abschirmen wird. Der Verlauf des grünen Gürtels lässt sich allenfalls an den Häusern erkennen, die leergezogen und/oder bereits abgerissen sind. Beginnend am Marxloher Schwelgernstadion zieht sich der künftige Schutzwall rüber nach Bruckhausen und weiter bis an die Grenze von Beeck. In weiten Teilen wird er parallel zur Kaiser-Wilhelm-Straße verlaufen.

Nicht alle, die dort im Duisburger Norden wohnen, haben sich über dieses Projekt gefreut. Aus Bruckhausen wurden Stimmen von Anwohnern und (selbst ernannten) Experten laut, die dagegen Front machten. Da wurden Argumente ins Feld geführt, dass doch die Gründerzeitvillen und stuckverzierten Mehrfamilienhäuser eigentlich schön und erhaltenswert seien und dass eine solche Maßnahme die gute Nachbarschaft zerstöre.

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Fakt ist, dass gerade in Bruckhausen schon vor dem Beginn des Projektes mit bis zu 40 Prozent der Leerstand außerordentlich groß war und dass sich dort soziale Probleme in einer Menge wie in keinem anderen Duisburger Stadtteil konzentrierten. Fakt ist weiter, dass allen, die für den Grüngürtel in Bruckhausen umziehen mussten, Alternativen in der Nähe angeboten wurden, von denen reichlich Gebrauch gemacht wurde.

Die EG DU wurde 1999 aus der Taufe gehoben und bündelte bereits vorhandene Stadtteilinitiativen. In Marxloh, Bruchhausen und Hochfeld entstanden Büros, die Anlaufstelle für die Bürger waren. Gemeinsam mit ihnen erarbeiten die Verwaltungsfachleute Ideen und Pläne zur Verbesserung der Wohnsituation. Es ging um optische, aber auch um inhaltliche Veränderungen, mit denen die Gefahr von Ghettos an der Wurzel bekämpft wurde. Allen drei Stadtteilen drohte dieses Schicksal akut — wegen hoher Arbeitslosigkeit, großer sozialer Probleme, überdurchschnittlichem Migrantenanteil und wegen schlechter Wohnsubstanz. "Die Moschee in Marxloh hätte es so ohne die EG DU nicht gegeben", ist Heiner Maschke überzeugt. "So" — das heißt zum Beispiel ohne Konflikte zwischen der muslimischen und christlichen Bevölkerung. So — das heißt aber auch, dass mit der Moschee ein repräsentatives Bauwerk entstand, das seit seiner Eröffnung Besucher aus dem In- und Ausland nach Marxloh gelockt hat und allgemein hohe Anerkennung genießt. Und das auch, weil neben dem Gotteshaus eine offene Begegnungsstätte gebaut wurde.

Immer noch gibt es in dem Stadtteil zwar Ecken, die weniger vorzeigbar sind. Aber es sind sehr wenige geworden. Dass über das Programm "Soziale Stadt" Millionen Mittel von EU, Bund und Land NRW in die optische und inhaltliche Sanierung geflossen sind, kann jeder sehen, zum Beispiel entlang der Weseler Straße. Die "Braut-Meile" lockt Kunden aus ganz Duisburg und aus der weiteren Umgebung an.

Was in Marxloh funktionierte, hat auch teilweise in Bruckhausen geklappt. Auch hier ist Wohnbestand in Schuss gebracht worden, steigern Spiel- und Grünflächen zwischen den Siedlungshäusern die Wohnqualität, hat inhaltliche Arbeit in Schulen und Kindergärten Früchte getragen. Ob Sprachkurse für türkische Frauen oder Hilfe bei ganz alltäglichen Problemen — das Angebot ist da und wird angenommen.

Entlang der Thyssen-Skyline waren 98 Grundstücke gekennzeichnet worden, die für den Grüngürtel benötigt werden. 94 sind inzwischen im Besitz der Stadt, "und das ohne Enteignungsverfahren", sagt Maschke. 267 von 300 Familien sind bereits umgezogen, die meisten innerhalb des Stadtteils. Bis zum Jahresende, da ist Maschke sicher, sind alle für den Grüngürtel benötigten Immobilien und Grundstücke im Besitz der Stadt.

Im darauffolgenden Frühjahr soll dann mit den Erdarbeiten für den grünen Wall begonnen werden. An der Ausgestaltung der neu gewonnenen Freizeitflächen arbeiten die Fachleute bereits zusammen mit den Bürgern. Spätestens 2016 soll das symbolische Band zur Einweihung durchgeschnitten werden.

(RP/rl)