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Duisburg: Katholiken sind geschockt

Duisburg : Katholiken sind geschockt

Die Entscheidung des Bistums Essen, die drei Kirchen St. Barbara, St. Norbert sowie St. Peter und Paul ab dem Jahr 2015 aufzugeben, bedeutet für viele der 27 000 Katholiken im Duisburger Norden den Verlust ihrer Heimat.

Der Bischof von Essen wählte am Donnerstag eine diplomatische Formulierung, als er von einem "verbindlichen Vorschlag" sprach. Gemeint ist aber, dass die Entscheidung, die bisherige Großpfarrei St. Norbert bis spätestens 2015 in ihrer Struktur aufzulösen und für drei Kirchen im ehemaligen Dekanat Hamborn keine Gelder mehr zur Verfügung zu stellen, "alternativlos" ist.

Die Kirchen St. Barbara (Fahrn), St. Norbert (Hamborn) sowie St. Peter und Paul (Marxloh) gehören demnächst zur immer größer werdenden Gruppe der "weiteren Kirchen". Diese Nachricht, die am Donnerstag bekannt wurde (die RP berichtete), war für viele der etwa 27 000 Katholiken im Duisburger Norden ein Schock.

Schmerzlicher Prozess

Das Bistum Essen, das die Entscheidung getroffen hat, ist sich offenbar der Tragweite bewusst. Bistumssprecher Ulrich Lota sagte, dass für Christen eine Kirche "auch Heimat" bedeutet, die nun in gewisser Weise genommen werde. Lota sprach von einem "schmerzlichen" Prozess, der nicht zu vermeiden sei. Die Entscheidung sei aus einem Bündel von Gründen erfolgt.

Die Zahl der Katholiken im Bistum Essen sei von einst 1,5 Millionen auf 900 000 geschrumpft mit entsprechend reduzierten Kirchensteuereinnahmen. Gleichzeitig würden immer weniger Priester geweiht. Und viele Kirchen, die sich jetzt als zu groß erwiesen, seien renovierungsbedürftig. Möglicherweise reiche die vor sechs Jahren umgesetzte Strukturreform des Bistums Essen nicht aus. Damals wurden 259 Kirchengemeinden zu 43 Großpfarren zusammengefasst. Einige Reformer meinten schon damals, dass 30 Großpfarren die realistischere Zielmarke sei.

Wie berichtet, sollen Priester der Abtei im Auftrag des Bistums seelsorgerische Dienste übernehmen, wie sie schon jetzt Pater Tobias in Neumühl und Probst Pater Dominik in der Pfarrei St. Johann mit den Filialkirchen St. Franziskus und St. Joseph leisten. Der bisherige Pfarrer von St. Norbert, Andreas Willenberg, wird wohl eine andere Pfarrei übernehmen.

Das gleiche gilt wahrscheinlich für Thomas Pulger (St.Barbara) und Michael Kemper (St. Peter und Paul). Rainer Streich von der Gemeinde St. Hildegard, die wie Herz Jesu in Neumühl vorerst nicht aufgegeben wird, könnte über das Jahr 2015 hinaus bleiben. Pater Dominik (57), der vermutlich demnächst Pfarrer der vergrößerten Großgemeinde wird, fürchtet, dass sich viele Christen in einem muslimisch geprägten Stadtteil "noch verlorener vorkommen". Er spielt damit auf die Kirche St. Peter und Paul in Sichtweite zur Moschee an. Im Bistum heißt es dazu: "... die Frage, ob und wie eine kirchlich-caritative Präsenz in Marxloh gesichert werden kann", bedürfe noch weiterer Überlegungen.

(RP)