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Kritisierter Kirchenrichter geht in den Ruhestand

Aufarbeitung im Erzbistum Köln : Kardinal Woelki verabschiedet kritisierten Kirchenrichter

In zwei Missbrauchsfällen soll Günter Assenmacher falsche Rechtsauskünfte gegeben haben. Nun hat der 69-jähriger Leiter des Kölner Kirchengerichts sein Amt aufgegeben. In der offiziellen Verabschiedung geht Kardinal Rainer Maria Woelki auf die Kritik an Assenmacher nicht ein.

(KNA/RP) Nach Vorlage eines belastenden Gutachtens zum Umgang mit Missbrauchsfällen im Erzbistum Köln hat der Leiter des Kölner Kirchengerichts, Günter Assenmacher (69), sein Amt aufgegeben. Er ist zum vergangenen Freitag ausgeschieden, wie das Erzbistum Köln am Montag mitteilte. Der Schritt sei das Ergebnis eines einvernehmlichen Gesprächs, das der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki am Donnerstag mit Assenmacher geführt habe.

Unmittelbar nach der Vorstellung des Missbrauchsgutachtens Mitte März hatte Woelki den langjährigen Offizial beurlaubt. Die Autoren um den Strafrechtler Björn Gercke werfen ihm vor, in zwei Missbrauchsfällen falsche Rechtsauskünfte gegeben zu haben. Zudem habe der Experte die Kölner Bistumsleitung in mehreren Fällen nicht darauf hingewiesen, dass kirchenrechtliche Normen im Umgang mit Missbrauchsfällen verletzt wurden, obwohl er von diesen Gesetzesübertretungen gewusst habe.

Mehr als drei Jahrzehnte lang habe Assenmacher mit großem Einsatz seinen Dienst im Kölner Kirchengericht geleistet, sagte Woelki. „Für die Arbeit dort, die zum größten Teil das kirchliche Eherecht betrifft, gebührt ihm Dank.“

Auf die Kritik des Wirkens Günter Assenmachers bei der Beurteilung von Missbrauchsvorwürfen ging Kardinal Woelki in seiner offizellen Stellungnahme zum Abschied des Kirchenrichters aber nicht ein. Vielmehr hob der Kölner Erzbischof die Arbeit des Offizialates als einen wichtigen Beitrag der Kirche hervor, „um Menschen in ihren jeweiligen Lebenssituationen möglichst gerecht zu werden.“ Laut Angaben leitet vorübergehend Vizeoffizial Thomas Weitz die Einrichtung.

Assenmacher war den Angaben zufolge ab 1984 am Kölner Kirchengericht tätig. Kardinal Joachim Meisner (1933-2017) berief den Rheinländer, der fließend Latein spricht, 1995 an die Spitze des Offizialats, das meist mit Ehenichtigkeitsprozessen befasst ist - aber auch mit Strafmaßnahmen gegen Priester bis hin zu einer Entlassung aus dem Klerikerstand. Parallel zu seiner Kölner Stelle war Assenmacher von 2009 bis 2019 Offizial im Bistum Essen und ab 2010 im Bistum Limburg, wo er Ende März ausschied. Eine Begründung gab das Bistum Limburg, das vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, geleitet wird, nicht ab.

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Das Gercke-Gutachten war Mitte März veröffentlicht worden. Es wirft hohen Amtsträgern des Erzbistums mindestens 75 Pflichtverletzungen im Umgang mit Missbrauchsfällen vor. So sollen unter anderem frühere Erzbischöfe und Generalvikare Verdachtsfällen nicht nachgegangen sein und sich nicht um die Opfer gekümmert haben. Etwa ein Drittel der Pflichtverletzungen schreiben die Gutachter dem früheren Kardinal Meisner zu. Sie untersuchten den Zeitraum von 1975 bis 2018.