Duisburg: Heftige Kritik am Charrette-Verfahren

Duisburg : Heftige Kritik am Charrette-Verfahren

Das ambitionierte Vorhaben von Stadtplanungsdezernent Karsten Tum, die Bahnhofsvorplatte in Eigenregie entwerfen zu wollen, stößt bei Fachleuten auf Widerstand. Das Vorhaben sei in dieser Form nicht umsetzbar, meinen sie.

Die Zukunft der Bahnhofsplatte soll wie gestern berichtet unter Einbeziehung der Bürgerschaft entschieden werden. Das sogenannte "Charrette-Verfahren" wird jedoch sehr kontrovers diskutiert. Als Stadtplanungsdezernent Karsten Tum sein Vorhaben am Donnerstagabend im Rahmen der Diskussionsreihe "Bar jeder Architektur" im Lehmbruck-Museum vorstellte, stieß er auf heftigen Widerstand.

Neben Tum waren die Architekten Hans-Dieter Collinet und Thomas Fenner als Experten zu der Diskussionsrunde eingeladen worden. Nachdem der Dezernatsleiter das Verfahren vorgestellt hatte, befeuerte Hans Dieter Collinet, ehemaliger Ministerialdirigent des Landes NRW für Stadtplanung, die Diskussion. In Rahmen seines Kurzvortrages über die städtebaulichen Besonderheiten des Bahnhofsvorplatzes, äußerte er ernste Zweifel an der Umsetzbarkeit eines solchen Vorhabens im gesteckten Zeitrahmen.

"Außerdem glaube ich, dass die architektonische Fachkompetenz zu wenig Beachtung in ihren Planungen findet", sagte er. "Eine solche Raumplanung nur von Laien durchführen zu lassen, halte ich für äußert riskant." Der Stadtdezernent entgegnete, dass er sich in diesem Fall sehr auf die Kompetenz im eigenen Hause verlasse. Er glaube, dass die Architekten und Raumplaner der Planungsdezernates ausreichend qualifiziert seien, um gemeinsam mit der Bürgerschaft eine realistische Idee für den Bahnhofsvorplatz zu entwickeln.

Auch der Düsseldorfer Landschaftsarchitekt Thomas Fenner, der mit seinem Büro den Zuschlag für die Umgestaltung des Kö-Bogens in der Landeshauptstadt erhalten hat, äußerte in seinem Vortrag über die Gestaltung einer modernen fußgängerfreundlichen Innenstadt ernste Zweifel am Vorhaben des Stadtdezernenten. Er nannte es "ambitioniert" und "sehr mutig" innerhalb eines halben Jahres, unter Berücksichtigung des Bürgerwillens, ein beschlussfähiges Konzept erarbeiten zu wollen.

"Ich sage es Ihnen ganz ehrlich Herr Tum, wir würden das mit unserem 25 Mann starken Büro nicht schaffen", sagte Fenner. Die anwesenden Bürger schienen ebenfalls ernste Zweifel am Charette-Verfahren zu haben. Bei einer Abstimmung am Ende des Abends bekundeten etwa 80 Prozent der Gäste, nicht daran zu glauben, dass bis zur Jahresmitte ein schlüssiges Konzept entwickelt werden kann. Bemerkenswert: Die 20 Prozent Gegenstimmen stammten von Mitarbeitern des Stadtplanungsdezernates.

Trotz des Gegenwindes gab Carsten Tum sich sehr kämpferisch. "Ich weiß, dass wir hier einen mutigen Weg beschreiten", gab der Planungsdezernent zu. "Aber das Charrette-Verfahren erlaubt die optimale Einbindung der Bürgerschaft. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir gut genug aufgestellt sind, um unser Vorhaben fristgerecht in die Tat umzusetzen."

Das sollte er auch sein, denn die Frist für das Einreichen eines beschlussfähigen Konzeptes und einer dazugehörigen Kostenschätzung bei der Landesregierung läuft am 30. Juni 2013 ab. Sollte bis dahin kein neuer Förderantrag eingegangen sein, erlischt der Anspruch der Stadt und die Mittel müssten neu beantragt werden. Das wiederum könnte das Verfahren deutlich in die Länge ziehen - angesichts der kahlen Bahnhofplatte keine allzu erfreuliche Vorstellung.

(RP/rl)