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Duisburg: Brennstoff als Kunstmaterial

Duisburg : Brennstoff als Kunstmaterial

Den Zusammenhang von Kunst und Kohle wollen in diesen Wochen 17 Ruhrkunstmuseen zeigen, darunter auch drei Museen aus Duisburg. Heute Abend startet im Lehmbruck-Museum die Ausstellung "Reichtum: Schwarz ist Gold".

In diesem Jahr stellt in Bottrop das letzte deutsche Steinkohlebergwerk seine Förderung ein. Das nehmen 17 Museen im Ruhrgebiet zum Anlass, ein städteübergreifendes Ausstellungsprojekt zu realisieren, bei dem es um Kohle geht. In Duisburg beteiligen sich das Lehmbruck-Museum, das Museum DKM und das Museum Küppersmühle an der Gemeinschaftsaktion. Heute Abend, 18 Uhr, wird im Lehmbruck-Museum die Ausstellung "Reichtum: Schwarz ist Gold" eröffnet.

Der Kurator der Ausstellung, Michael Krajewski, wählte 21 internationale Künstler mit 48 Arbeiten aus dem 20. Jahrhundert und der unmittelbaren Gegenwart aus, die auf ganz unterschiedliche Weise mit dem Material Kohle umgehen. Einige der Werke haben einen beträchtlichen Schauwert, andere wollen erforscht sein, bis man ihre besondere Materialästhetik wertschätzen kann.

Ein heimliches Kleinod der Schau ist ein gepresstes Kohlestück der jungen polnischen Künstlerin Alicja Kwade (Jahrgang 1979), das wie ein wertvolles Schmuckstück hinter Glas präsentiert wird. "Lucy" heißt die Arbeit. Und wer dabei an den bekannten Song der Beatles "Lucy in the Sky with Diamonds" denkt, befindet sich wohl auf der richtigen Spur. Ein Riesenkompliment verdient André Schweers vom Lehmbruck-Museum, der die Aschehaufen von Reiner Ruthenbeck (1937 bis 2016) rekonstruiert hat. Besonders schwierig war es, den doppelten Aschehaufen perfekt kegelförmig nachzubilden und mit einem Drahtknäuel zu verbinden. Ruthenbeck hatte übrigens einst André Schweers das Vertrauen ausgesprochen, überall auf der Welt seine Kegelformationen aus Schlackegranulat aufzubauen. Vier Tage brauchte Schwers dafür, die Werke, die heute zu den Paradestücken der Arte-Povera-Bewegung gehören, so perfekt zu rekonstruieren, wie man es jetzt sieht. - Besonders Jungs werden an der Installation des New Yorker Künstlers David Hammons (Jahrgang 1943) ihre Freude haben. Zu sehen ist eine raumweite Miniaturgleisanlage, bei der eine blaue Miniatureisenbahn in weiten Schienenschwüngen durch den halben Ausstellungssaal geführt wird. Dabei passiert sie unter jazzigen Klängen mit Eisenbahnbezügen von John Coltrane und Thelonius Monk mehrere tiefschwarze Klavierdeckel und einen Tunnel aus Kohlebrocken. So verspielt kann in einem Museum eine ansonsten harte Arbeitswelt erscheinen! Flankiert wird die Eisenbahn-Installation von einem riesigen Themenfresko. Jürgen Stollhans (Jahrgang 1962) hat auf dem Bild eines Güterwaggons Motive aus dem Bergbau verarbeitet. - Einen ganzen Raum hat auch die in Köln lebende Künstlerin Frauke Dannert verwandelt. In eine kohlenschwarze Umgebung zog sie blütenweise Querstreifen ein.

Das ganze Ensemble schimmert bei entsprechender Schweinwerferbeleuchtung hinter einem großen Gazevorhang durch. Irritationsmomente und Ordnungsprinzipien halten sich da die Waage.

Ein mit tiefschwarzer Ölkreide bestrichenes "Tastobjekt" hat Emil Schumacher (1912 bis 1999) geschaffen. Kurios ist, dass dieses "Tastobjekt" von einem Glaskasten geschützt ist. Vermutlich würde man wohl auch ansonsten davor zurückschrecken, sich an dem Werk die Hände schmutzig zu machen. Womit man auch eine Pointe der Kohle-Ausstellung erfasst hat: Zum einen verbindet man mit dem Material einen Brennstoff, den man nur ungern mit bloßen Händen anfasst, zum anderen fasziniert die Eleganz der tiefschwarzen Farbe.

Bei der Ausstellungseröffnung heute Abend um 18 Uhr sprechen Kulturdezernent Thomas Krützberg, dessen Vater übrigens als Reviersteiger im Bergbau gearbeitet hat, Museumsdirektorin Söke Dinkla und Michael Krajewski. (Ausstellung bis 7. Oktober.)

(pk)